Reportage, 20.07.2013 – Die ersten Tage auf dem Melt!-Festival

Kohlebagger und Supermarkt
– Will nur eine kurze Ergänzung einfügen, weil man „Ferropolis“ lediglich erwähnte – deren Entstehung ich nach dem Mauerfall verfolgte und öfters dort Photos machte.
Weiß noch, vor ca. 10 Jahren – für die „Toten Hosen“ wurde im Amphitheater gerade deren Equipment aufgebaut und ein umherbrüllender Securityknecht wollte mich nicht aufs Gelände lassen. Daraufhin wedelte ich mit irgendeinem Plastikkärtchen vor dessen Nase herum, verlangte seinen Dienstausweis und wollte sofort den Vorgesetzten sprechen, da es sich bei mir um den Manager der „Hosen“ handeln würde. Ganz kleinlaut öffnete er schließlich das provisorische Bauzauntor…

In der REPORTAGE findet man folgenden Satz: „Die Universität Chemnitz hat einmal ausgerechnet, dass allein in den Supermärkten, rund um das Festivalgelände, über eine halbe Million Euro von den Melt-Besuchern gelassen werden.“
Soll es etwa heißen, dass mindestens an 360 Tagen im Jahr solch ein Festival stattfinden muss, damit aus der ansonsten doch recht drögen Gegend endlich „blühende Landschaften“ werden?
Unbedingt sollte jeder auch dem „Silbersee“ einen Besuch abstatten. Selbiger liegt um die Ecke, ist aber nicht so richtig zum Baden geeignet!

Allerdings hat die weiträumige Umgebung Gräfenhainichens noch wesentlich mehr zu bieten als das entstandene, grandiose Amphitheater im ehemaligen Braunkohlenrevier.

Anfang der 60er hielt ich mich als Angehöriger einer AG-Junger Geologen, während eines dreiwöchigen Naturforscherlagers, erstmalig in dieser Gegend auf. Damals konnte man sogar noch in der Mulde baden, hinzukam, dass wir mehrere Stunden auf Viehweiden irgendwelche Krabben einsammeln mussten, die anschließend in tiefen Löchern landeten, vermischt mit ungelöschtem Kalk und hinterher alles mit einem Planierraupe zugeschoben wurde…
Ein paar Jahr später, war damals bei der Arbeiterknüppelgarde, schliffen sie uns die Eier auf den riesigen Arealen der Russen, in und am Rand der „Dübener Heide“. Die Mulde war bereits zu einer Kloake verkommen, sie stank genauso wie die ganze  Umgebung dort und sah auch entsprechend mistig aus.
Später registrierte ich den Verfall von vielen historischen Objekten, z. B. der Schlösser Oranienbaum, bis hin nach Mosigkau. Der Wörlitzer Park wurde nur aus devisentechnischen Gründen am Leben erhalten. Wenn Kirchens sich nicht um den Erhalt bestimmter Objekte in Wittenberg gekümmert hätten, na denn Prost Mahlzeit – den führenden Kulturbolschewisten war doch alles egal.
Ab der 90er floss in diese ehemalige Industrieregion viel Knete, deren Verwendung lang nun in den Händen des gewendeten Stalinistenpacks. So manche müde Mark wird deshalb irgendwo versickert sein – während Horden entlassener Prolls, sich bei teilweise witzlosen ABM-Maßnahmen amüsieren durften.
So wurde z.B, über der ehemaligen Turbinenhalle des Braunkohlenkraftwerkes Vockerode eine Aussichtsplattform errichtet, von dort hat man einen gigantischen Blick in die Umgebung. Manchem Besucher des Industriemuseums wird es auf dem Weg nach oben bestimmt recht mulmig, wenn er nicht schwindelfrei ist, weil die 40/50 Höhenmeter auf Gitterrosten überwunden werden müssen. Hinzu kommt, dass beim Aufstieg ewig Dreck von den Botten der Leute darüber auf einen herunter rieselt…
Unbedingt sollte jeder auch dem „Silbersee“ einen Besuch abstatten. Selbiger liegt um die Ecke, ist aber nicht so richtig zum Baden geeignet!
Noch ein Link!

2 Gedanken zu „Reportage, 20.07.2013 – Die ersten Tage auf dem Melt!-Festival

  1. zonenkolja

    Tja Hajo, das Geld liegt auf der Straße! Man muss sich nur danach bücken. Für den anschließenden Totensonntag im Knast ist sogar das eigene Essbesteck überflüssig.
    Außerdem reicht jene Zeit vollkommen aus, um nach solch einem gelungenen Coup alle auszulachen, die hinterher in die Röhre guckten und dann am Strick entlang schissen…

  2. hajo

    Den Bitterfelder Silbersee wieder zu Trinkwasser zu machen, war eine Lebensaufgabe von meinem ehemaligen Chef Dr. Dr. Kurt-Heinrich Mayer. Bedauerlicherweise ging das in die Hose, besser, in die Hosen von 1350 SAMAG-Mitarbeitern. Ähnliche Versuche scheiterten auch in Italien, nachdem kräftig abkassiert wurde und die Leute sich auf der Strasse wiederfanden!

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