Blick in die Berliner Boulevardkacke

Eigentlich war mir danach, ein am Sonntag begonnenes Geschriebsel zu beenden.

Allerdings brachte mich am frühen Abend eine Nachricht von der elektronischen Kommunikationsprostituierten auf die Palme. Kam nach Hause und aktivierte das Teil, weil ich annahm, die ebenfalls aushäusige Scheffin wollte mir ein Ohr abkauen, dem war aber nicht so!

Es musste gehandelt werden, da jenes Problem ja auf meinem Mist gewachsen war, will aber darauf nicht weiter eingehen und landete später im Wirtshaus. Mit etwas weniger Blut im Allohol hänge ich nun doch an den Tasten – Что делать? (Dieses berühmte Fragespiel kam mir vollkommen arglos in den Sinn!) Werde allerdings daruf nicht eingehen!

Also stapele ich jetzt ganz tief und werfe einen Blick in UNSERE berühmte Springer-Gazette.

Öffnete vorher noch eine Pulle „ASTRA – ARSCHKALT“ vom Geburtstag (Dank an Jogi!), mittlerweile lauwarm. (Wäre deshalb sicher der Haustrunk vom hiesigen Oberdorfschulzen.)

Beginne mit dem weichgespülten vermeintlichen Hausdemagogen: Grüne Politik ruiniert den Ruf der Flüchtlinge – weshalb eigentlich?

Pöbel-Schüler sprengen Theater-Vorstellung – deren Erziehungsberechtigten wären in ihrem jugenlichen Alter bestimmt ebenso auf keine andere Idee gekommen…

Was dem zukünftigen Finanzsenator unterstellt wird ist immer noch schrecklich, scheinbar die Preislage Tim Renner, der Herr flippt bestimt bei den rockenden Kölner Betroffenheits-Lyrikern  oder den Puhdys aus, na ja, jedem Tierchen seine Plessierchen.

– Marianne Faithfull feiert sich selbst, da wäre ich gern bei gewesen…

Coco Schumanns Leben jetzt auf der Bühne, ist schon im letzten Monat passiert, außerdem war es eine Hamburger Produktion. Uns hatte es vor einigen Jahren doch etwas irritiert, als Dominique Horwitz (Den wir sehr schätzen!!!), auf seiner Hausbühne im Renaissance Theater Charlotte von Mahlsdorf gab (Von der/dem ich noch in irgendeiner Kiste etliche analoge Photos aus den 1990er Jahren habe.). Allerdings in der unsäglich geklitterten Ami-Fassung und man hatte vergessen die gewaltigen Horchwaffeln vom Scheff mit Gaffa-Tape an seine Birne zu pappen…

Coco könnte man auf der Straße glatt übersehen, so unauffällig kommt jener kleine Mann daher, aber wehe er hat seine Klampfe in der Hand! In dem Moment bleiben zwar sein verschmitztes Lächeln und seine jugendlich wachen Äuglein erhalten, alles andere ist dann nur noch der Mensch, der für diese spezielle Musik lebt. Ihn erlauschte ich öfters im „Badenschen Hof“ und manchmal durfte ich diesen swingenden Weltmenschen in unmittelbarer Nähe erleben, der für mich auf einer Stufe mit dem verblichenen Nelson Mandela angesiedelt ist.

Irgendwann war aber Pumpe, da ich den Laden nie mehr betrat. Dies geschah bald darauf, als „Locke“ (Ein selbstverliebter Kerl wie ein Bär, wie ein Himbeer und vermeintlich hohl wie ein Schokoladenweihnachtsmann.) begann den Tresen zu managen.

Stimmt nicht ganz, zum 70sten Geburtstag von Guitar Crusher (2001) tauchte dort nochmals auf, da Robby, ein ehemaliger GI (wesentlich pigmentierter als Barak Obama) mich überredet hatte unbedingt zu erscheinen – er eröffnete in den 1980ern in der Tiergartener Körnerstrasse (Mark Twain lebte 1890/91 nebenan) den eigentlichen Berliner Diamanten der Westberliner Blueszene. Beim Gedanken an seine „Robby-Burger“, läuft mir heute noch der Speichel im Maul zusammen…

Selbiger Laden ging nach der Maueröffnung sofort pleite, obwohl der Winzladen immer an eine Sprottendose erinnerte. Aber fast niemand orderte etwas an Getränken, außer den wenigen Käthen, die hielten sich aber auch den ganzen Abend an einer Cola fest und der männliche Zonenblueser brachte seine Dreiviertelliter Granate (Marke Meldekorn) in seinem Shelly mit.

Robby versuchte seinen Laden mit einem kleinen Obolus von 5 Mark noch zu retten, was aber total in die Hose ging, da blieben die ersten Ostler weg, ebenso die wenigen Wessis…

Retour zum „Badenschen Hof“, dabei war mir der Laden aus Urzeiten bekannt. In den ausgehenden End1970ern konnte ich die damalige, bereits fast scheintote Kneipersche überreden, dass wir dort an einem großen Franz-Billard-Tisch spielen durften.

Irgendwann eröffnete Hans-Hugo dann seinen Jazzladen, den ich an ganz bestimmten Tagen mied, weil sich im ersten Stock des Hinterhofes die AL breitgemacht hatte. Am schlimmsten gebärdete sich eine der ersten Berliner Männergruppen in deren Räumlichkeiten und jene verklemmten Typen tauchten zusätzlich einmal die Woche im Laden auf – war das immer ätzend. (Liebend gern würde ich doch mal Namen nennen, von den hirnverbrannten Saisonrevoluzzer, die damals in jener Runde umherirrten…)

Klaus E. H. Z. mit seinen Doppelkopfmannen ging einem später noch mehr auf den Sack. Fast wäre ich in der Runde sogar eingestiegen, da Yves mich schon fast dazu überredet hatte…

Jetzt reicht es aber, weiß gar nicht wo ich wiedermal alles hergeholt habe, außerdem macht sich eine gewisse Nüchternheit breit.

Dabei hätte ich die gesamte Chose der Lesung in Eberswalde fertigbekommen können…

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Über ede

Vermutlich wurde ich anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Veröffentlichung vom „Kommunistischen Manifest“, am 21. Februar 1948, während einer sinnlos verbrachten Tanzpause angerührt. Deshalb stand mein weiterer Lebensweg auch unter einem sehr ungünstigen Sowjetstern, denn aus mir wurde noch nicht mal ansatzweise eine "sozialistische Persönlichkeit", sondern ein Pickel am Arsch jener klassenlosen Gesellschaft in der Zone. Später verweigerte man mir wegen politischer Unzuverlässigkeit sogar die Ausübung einer Tätigkeit als Diplomabschmeckers der Kläranlagen im südharzer Marktflecken Sangerhausen/Gonna. Nach über zweieinhalb Jahrzehnten (1975) ging mein langersehnter Traum endlich in Erfüllung, konnte schließlich hinter Mauer und Zaun den ersehnten westlich/dekadenten Lebenswandel führen. Machte irgendwann mein Neckermann-Abitur auf dem ZBW, stupidierte darauffolgend an der Freien Unität mehrere Silvester brotlose Politik und Historie. Ohne Magister, Diplom und Docktor-Titel schlug ich mich dann als Hausmann, nebenher jahrelang als pauschalierter Facility Manager durch den täglichen Unbill in Richtung Urne. Heute führe ich als politischer Beobachter, Staureporter, Kaffeesatzleser mit schrägen Eulenspiegeleien ein recht zufriedenes Leben und nach 24 Jahren Probezeit, lebe ich bereits fünf/sechs Jahren in einer staatlich sanktionierten Zweierbeziehung... (Wird nur so erwähnt, da ich öfters nach selbiger Konstellation ausgehorcht werde.) Seit mittlerweile 50 Jahren ist meine Lebensdevise folgende: „Lass dich nie aus der Ruhe bringen, denk an Götz von Berlichingen! Leck mich am* Arsch! Nur in seinem Zeichen, kannst du den Abend froh erreichen! Musste allerdings während meiner gesamten Karriere sehr oft feststellen, dass gerade dieser ureigenst verinnerlichte Leitspruch nicht überall die entsprechende Wertschätzung erfuhr... *Das ist politisch nicht ganz korrekt, denn bei Friedrich Johann von Göthe heißt es: „im“!

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