Coco Schumann geht nicht mehr einkaufen

Coco gehörte bekanntlich zum musikalischen Inventar vom „Badenschen Hof“.
Habe mir dort öfters seine Mucken eingezogen, allerdings in den letzten Jahren nicht mehr. Da ich den Laden ignoriere wegen des deutschmichelmäßigen Tresenheinzes.
Zu vorherigen Zeiten wurde so manches kurzes Gespräch mit dem Swing-Scheff geführt, der vor seinen Konzerten oft früher erschien und wenn es die klimatischen Gegebenheiten erlaubten, vor dem Laden hockte, sich dabei an irgendwelchem trinkbaren Zeug festhielt. Nun soll aber niemand annehmen, dass ich mich nur zu ihm setzte, obwohl noch genügend andere frei Plätze vorhanden waren, weil ich an unstillbarer Prominentengeilheit litt.
Muss dazu sagen, jene Tugend verblasst bei mir immer mehr, mich in Kneipen lieber zu Unbekannten an den Tisch zusetzen, weil mir vielfach die Leute zu viel Stuss ablassen. Hinzu kommt, viele manifestieren ihre latente Dussligkeit auch mit einer Kleinigkeit, die haben ihre Kommunikationsprothesen vor sich liegen und solche Leute verachte ich abgrundtief!
Bis auf eine kurze Gelegenheit sprachen wir nie über seine Internierungszeit.
Nur einmal fragte er so fast nebenbei, ob ich Theresienstadt und Auschwitz kennen würde.
Natürlich, ließ darüber hinaus als Beleg noch einige zusätzliche Bemerkungen ab. Beendete dann meine Ausführungen mit der Erkenntnis, dass mir in meinem bisherigen Dasein, gerade mal soviel Leute der vorherigen Generation über den Weg gelaufen sind, die den sehr blutig herbeigeführten Untergang des III. Reiches als Befreiung verstanden, welche ich an zwei Händen ohne Daumen zusammenzählen konnte. Wozu auch meine Großeltern und ihre Tochter gehörten…
Kurzes Schweigen folgte daraufhin und beim gleich anschließenden Verlassen des Tisches, kam die freundliche Entschuldigung, dass er nun reingehen müsste.
Wochen später knüpfte Coco nochmals an das abgebrochen Gespräch an und wollte von mir Beweggründe wissen, weshalb ich solche Orte aufgesucht hätte…
Jene Frage war ein Klops.
Wie sollte man auf derart komplizierte Problematik eingehen, wenn man den Lebensweg von diesem Menschen kannte, ohne irgendwelchen platten Scheiß abzulassen und zu etwas tiefgründigeren Erläuterungen gar keine Zeit vorhanden war?
Hatte es gerafft, aber dies ist bereits eine andere Geschichte…
Könnte aber im Moment bereits kotzen bei dem Gedanken, welche widerlichen Flachzangen sich in den nächsten Tagen bemühen werden, auf ihre primitive Art von Selbstdarstellungen, noch schnell die Chance beim Schopfe packen und auf der versiegenden Pisse dieses feinen Menschens noch Kahn fahren wollen.
Das hat Coco absolut nicht verdient, zumal er nichts mehr dagegen unternehmen kann!

Hier kommen der „B.H.“ und Coco vor!

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Über ede

Vermutlich wurde ich anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Veröffentlichung vom „Kommunistischen Manifest“, am 21. Februar 1948, während einer sinnlos verbrachten Tanzpause angerührt. Deshalb stand mein weiterer Lebensweg auch unter einem sehr ungünstigen Sowjetstern, denn aus mir wurde noch nicht mal ansatzweise eine "sozialistische Persönlichkeit", sondern ein Pickel am Arsch jener klassenlosen Gesellschaft in der Zone. Später verweigerte man mir wegen politischer Unzuverlässigkeit sogar die Ausübung einer Tätigkeit als Diplomabschmeckers der Kläranlagen im südharzer Marktflecken Sangerhausen/Gonna. Nach über zweieinhalb Jahrzehnten (1975) ging mein langersehnter Traum endlich in Erfüllung, konnte schließlich hinter Mauer und Zaun den ersehnten westlich/dekadenten Lebenswandel führen. Machte irgendwann mein Neckermann-Abitur auf dem ZBW, stupidierte darauffolgend an der Freien Unität mehrere Silvester brotlose Politik und Historie. Ohne Magister, Diplom und Docktor-Titel schlug ich mich dann als Hausmann, nebenher jahrelang als pauschalierter Facility Manager durch den täglichen Unbill in Richtung Urne. Heute führe ich als politischer Beobachter, Staureporter, Kaffeesatzleser mit schrägen Eulenspiegeleien ein recht zufriedenes Leben und nach 24 Jahren Probezeit, lebe ich bereits fünf/sechs Jahren in einer staatlich sanktionierten Zweierbeziehung... (Wird nur so erwähnt, da ich öfters nach selbiger Konstellation ausgehorcht werde.) Seit mittlerweile 50 Jahren ist meine Lebensdevise folgende: „Lass dich nie aus der Ruhe bringen, denk an Götz von Berlichingen! Leck mich am* Arsch! Nur in seinem Zeichen, kannst du den Abend froh erreichen! Musste allerdings während meiner gesamten Karriere sehr oft feststellen, dass gerade dieser ureigenst verinnerlichte Leitspruch nicht überall die entsprechende Wertschätzung erfuhr... *Das ist politisch nicht ganz korrekt, denn bei Friedrich Johann von Göthe heißt es: „im“!

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