B.b.B.*

*Börnicke bei Bernau
Jene Geschichte die das Rittergut Börnicke betrifft – einst Landsitz der berühmten Familie von Mendelssohn Bartholdy – erinnert an eine mehr als traurige Posse aus dem Tollhaus, beginnend mit der Nazizeit, der anschließenden SED-Epoche, über die „Treuhand-Ära“ bis heute. Wobei das letzte Jahrzehnt dem Schloss besonders zusetzten und weder die Stadt Bernau noch der Barnimer Landkreis sich in der Lage sehen, etwas für den Erhalt dieses Anwesens zu unternehmen.
Leider habe ich nichts wesentliches zu diesem Thema im Netz gefunden…

1990 entdeckte ich in der Nähe von Blumenberg ein gigantisches Massengrab mit Resten der Zonenidentität aus Plaste, Elaste und Metall, außerdem Börnicke.
Ein Jahr später, führte mich eine Sightseeingtour wieder in jene Ecke, wenige Tage nach dem Putsch in Moskau, vom 18. August 1991. In Erinnerung blieben diese Tage, weil genau am Wochenende auf dem sowjetischen Flugplatz Eberswalde-Finow ein Drachenfest stattfand.
Solch chaotische Fete hatte niemand vorher erlebt. Stündlich hob eine Mig-29 ab, drehte mehrere Schleifen und landete wieder, zwischendurch starte alle möglichen anderen Fluggerätschaften. Am Rollfeld existierten keine Absperrungen, überall zwischen den Betonbahnen und Rasenflächen, vielleicht 100 Meter vom Haupteingang des riesigen, ehemaligen Reichsdeutschen Luftwaffenstützpunktes entfernt, krebsten hunderte von Leuten herum, ließen Drachen und Ballone steigen.
In einem Raum mit Ausmaßen einer Turnhalle, befand sich der Flugsimulator. Tausende von Relais knallten, knatterten und blitzten unentwegt, nebenbei stank es infernalisch nach schmörgelnden Platinen und verbranntem Öl. Ja, ja, die Russentechnik hatte es immer schon in sich, bereits Napoleon und Adolf konnten darauf ein Liedchen singen. Die größten Microchips des Universums wurden in der UdSSR produziert, außer vieler Häme, konnten sie trotzdem mit Erfolgen aufwarten. Was interessierten da gewisse Unpässlichkeiten, man brachte es in der Zone wie folgt auf den Nenner: „Keine Butter, keine Sahne, aber auf dem Mond die rote Fahne…“
Niemand stoppte mich auf dem Flugplatzgelände, als ich quer über die Landebahnen in Richtung der vielen Hangare am Waldrand schlamperte, diese überwucherten Unterstände erinnerten an elefantöse Maulwurfshügel…

Außer, dass niemand den Zerfall des Schlosses aufhalten will, hat sich scheinbar in Börnicke auch nicht viel getan. Wenn man davon absieht, dass der frühere „Красная Площадь“ (Hieß er früher so?) heute „Place Bellevue“ heißt. Entspricht auch wesentlich mehr der Umgebung und bringt es auf den Punkt. Wie die Faust aufs Auge passten dazu Cajunklänge, die ein Typ bei – 5ive below zero – mit seiner Quetschkommode zauberte. Auf meinen Wunsch hin, spielte er zum Aufnehmen auch etwas Zydeco von Clifton Chenier – der Posaunenchor tat uns bei diesen Temperaturen ebenfalls leid…
Wir fanden den gestrigen, historischen „Winzweihnachstmarkt“ sehr gelungen, auch die vielen Kleinigkeiten für Leib und Seele.
Außerdem sprang dort kein Narr mit Federn an seinen Hufen über die dortigen Verkaufsstände…

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