Trödelmarkt im Gemeindesaal

Auf dem Weg zum Trödel-Basar begegnete mir dieses Trio, Balkan-Blueser, deren Mucken eigentlich mehr nach Mariachi klingen. Seit Jahren tingeln sie manchmal durch den Kiez, mittlerweile begrüßt mich der Schefff per Handschlag.
Die Gesichter habe ich leicht verfremdet, könnte ja sein, dass irgendein Amt denen das SEK auf den Hals schickt, schließlich verdienen diese Leute Millionen EUs im Jahr. Hinzu kommt, wenn solche Leute nicht musizieren, kloppen sie bekanntlich alten Omis einen vor den Latz und klauen deren äußerst üppigen Renten…

Gestern war für die nächste Zeit letztmalig “Trödeltreff”, während der Schulferien macht das Kollektiv auch immer Pause. Eigentlich schade, denn der Kuchen von den Babuschky schmeckt elephantös. Das Stück Torte nebst Kaffee ist für einen EU zuhaben und alle Backwaren bräuchten die Konkurrenz eines Wiener Cafés nicht zu scheuen.
So mancher der alten Gemeindemitglieder könnten Bücher über sein Schicksal schreiben. Die Ahnen, unter Katharina von Zerbst an der Wolga angesiedelt, unter Stalin bis nach Kasachstan vertrieben und in den 80er Jahren wieder in der „Heimat“ angekommen. Auf ihrem langen Trip waren sie überall Fremde, da war die Nachbarschaft mit den Kosaken noch die erträglichste. Später als Faschisten verfemt, sind sie heute im „Reich“ auch wieder Aussätzige, denn hier gelten sie als Russen…
Beim jetzigen Pastor fehlt der Hinweis, dass man den Gottesdienst nach Tradition der Wolgadeutschen zelebriert.
Letztens sah ich dort einen Anzug und Weste aus Kaschmirwolle – ungetragen – wie grade aus ´ner Boutique, aber nicht von Charme & Anmut! Hose und Weste passten wie angegossen, auch die Jacke, leider waren die Ärmel 10 cm zu kurz. Wie üblich, genetisch stehe ich den Affen sehr nah, wegen meiner überlangen Arme.
Witzig gemusterte Kulturstricke waren diesmal nicht im Angebot.
Allerdings findet man in dem Gekrusche stets etwas, wenn es sich nur um einige CDs und Vinyl-Singles handelt. Mehr als 1Eu werden allerdings nicht ausgegeben…

Brücken im ehemaligen Yugo-Land

Anschließend ging es noch beim Effendi vorbei.
Der legte mir schließlich für 50 Cent noch nagelneue Reizwäsche dazu – nicht ganz korrekt deutschnational gestylt: „Kannst Du doch gebrauchen, nicht nur wegen Frauenfußball…“


Hochzeit bei Zickenschulze
Ganz draußen an der Panke
Das Lied von der Krummen Lanke

Was schenkt man jemanden zum Geburtstag, der eigentlich fast alles hat? (Für morgen steht etwas ähnliches an)
Selbige Frage beschäftigte mich vor einigen Jahren.
Lahmarschig, ähnlich einer unterkühlten Padde, war ich an jenem Nachmittag mit dem Drahtesel in der U-Bahn unterwegs, quälendes Unwohlsein wollte nicht verschwinden.
Ärgerlich fand ich jene Tatsache, dass mir zu Hause nur ein Para-Präsent eingefallen war.
José Cristóbal Alcoholus Dehydrogenatus, Gott aller C2H5OH-Junkies, war sehr gnädig gestimmt, durch ihn kam die Erleuchtung. War mir doch kurz vorher aufgefallen, dass ich von der vergangenen Nacht, aus welchen Gründen auch immer, wesentlich mehr Knete übrig hatte als sonst üblich, bei der Größe meines fetten Schädels.
Das musizierende Zigeunertrio wurde in dem Moment wahrgenommen, als sie ihr Spiel beendeten und an der Station „Deutsche Oper“ sich anschickten, den Waggon zu wechseln.
Auf meine Frage, ob sie für ein Pfund 15 Minuten bei einem Kumpel ganz in der Nähe spielen würden, erfolgte nur kurz: “Keine Problem!“
Der Zug fuhr an, nach kurzer Produktionsberatung: „Doch Problem…“
An der Haltestelle „Sophie Charlotte Platz“ hockte das Problem auf der Bank.
„Dort Kollega mit Gitarre! Muss mitspielen…“
Da sie die Gage nicht erhöhten, war es mir egal.
Oben wurde ein Hund gekaschte, der Taxifahrer war sofort bereit, für 7 EU die vier Jungs schwarz in die Knorpelsdoofer Straße zu kutschieren und er verzichtete dabei auf Vorkassen.
Dort angekommen nahm gab es einen Zehner.
Am Haus klingelte ich und bat die Scheffin mir entgegenzukommen. Lachend ging die Frau auf meine Vorschläge ein, drückte nebenbei dem Bandleader 25 Mücken in die Hand und verschwand nach oben. Dort knuddelte ich den Scheff und bat um etwas Geduld, da mein Geburtstagsgeschenk acht Beine hätte und seine Gattin erst das verabredete Zeichen geben sollte. Außerdem musste mein Aufnahmegerät noch eingestellt werden.
Kaum im Flur, legten die Männer los, nach 20 Minuten sollte es gewesen sein und alle vier wollte sofort abhauen. Nun wurden sie richtiggehend zum Essen genötigt. Schon witzig, die Leute waren richtiggehend überfordert. Kaum war der letzte Happen entfleucht, schnappten sie ihre Instrumente und ab ging die Lucie. Bei den folgenden Titeln legten alle noch ein Zahn zu.
Dann hieß es – Trinkpause einlegen!
Kaum waren zwei Schnäpse intus, ging es weiter, wie die Teufel.
Weiß gar nicht mehr, ob alles an einem Samstag oder Sonntag geschah und es gab keine Beschwerden.
Jahre vorher stand gegen 21:30 ein recht ungehaltener Hausbewohner auf der Matte, total verpennt, in Trainingshose, so´n Moppel dem bereits die Augen zuwuchsen, mit einem riesigen Schäferhund an der Seite. Damals hatten wir noch keine fünf Minuten gejamt, zwei Gitarren fast unplugt und ich mit der Harp. Der Knabe konnte wohl „schwarze, jüdisch-amerikanische“ Musik nicht ab…
Als Herr A., aus F., den Musikern abschließend noch eine ganz schwere Mücke rüberwachsen ließ, verstieß er regelrecht gegen ihre Musikerehre, denn niemand verstand, dass sie jetzt ohne weiteren Einsatz gehen mussten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.