(1) Was hat Onkel „WU“ mit dem Coronavirus zu tun?

Nun wissen wieder nur ganz wenig Leute, wer mit Onkel „WU“ gemeint ist. So mancher der ostdeutschen Nachkriegsgeneration wird es noch wissen, vielleicht auch selbige Tatsache, dass man für die Verwendung jenes Kürzels in Teufels Küche kommen konnte. Für folgenden Vierzeiler gab es mit etwas Glück, lediglich einen Totensonntag in der Braunkohle!

Frau Wirtin hatte einen Sohn,
der war im Puff Kassierer,
dann ging er in die Sowjetunion
und ward später unser Führer!

Na, dämmert es endich, um wen es da geht?
Allerdings war er die schillerndste Figur des dreiblättrigen Führungskleeblattes der Zoffjetzone. In deren Gesamtheit, machten sich Teile des aufmüpfigen Volkes, zu denen auch jene gehörten, die mit geballten Fäusten in der Hosentasche herumliefen, den folgenden Reim: Spitzbart, Bauch und Brille, sind nicht des Volkes Wille!
Muss hier aber einwerfen, dass die Tarantel, für die entsprechende Verbreitung, große Anteile dafür in Anspruch nehmen konnte. Deshalb wurde der Besitz solch einer Publikation, auch mit mehreren Totensonntagen belohnt, allerdings nicht an der frischen Luft in Raßnitz oder Schwarze Pumpe!
– Vergangenen Freitag schenkte mir der grauhaarige Kiezwolf ein Büchlein über diesen Knaben, 1964 im unsäglichen Ostberliner Dietz Verlag herausgegeben.
Eins der üblichen Klitterungen, von denen Jahrzehnte später, sogar die Herausgebern nichts mehr wissen wollen. Ist halt das Schicksal der Führereliten, wobei dann sogar oft ihr Abgleiten in die Versenkung, mit der unbeantwortbaren Frage einher geht, wie war es eigentlich damals möglich, dass solch eine Arschgeigen auf diesen Posten gehievt wurde und von dort oben viele Jahre sein Unwesen treiben konnte…
Selbige Fragen kommen heutzutage, auch in sog. Demokraturen, immer früher auf´s Trapez. Damit hat es sich aber auch schon!
Habe den Typen immer verachtet, dies hatte folgenden Grund. Diese Nase hatte gerade begonnen, „Jedermann an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“, zu propagieren. Zu eben der Zeit hielt ich mich zu einem 6-wöchigen Kuraufenthalt in Bad Sulza auf und fühlte mich dort pudelwohl. Weil niemals durchsickerte, dass ich der Ableger einer Roten Zecke war, in deren Folge dann ewig Mobben begann.
Im Gradierwerk wurden in den Kindergruppen die unmöglichsten Spiele durchgeführt, dann tauchte plötzlich Onkel „WU“ mit Lotte auf und spielte im Zentrum der Erholungsanlage mit seiner Gattin Tischtennis, dies geschah eine Woche lang. Wobei in dieser Zeit, uns der Part von sportbegeisterten Claqueuren zu stand. Mann war das ätzend, weil wir da herumlungerten und beide Sportskanonen anfeuern sollten!
Sport ward nie mein Ding, denn seit Ende der dritten Klasse, ging es an den D-Tagen zum orthopädischen Turnen, wegen meiner Skoliose.
Dabei wuchs in mir jene tiefe Abneigung, was langzeitige Regelmäßigkeiten betrafen, nach denen ich mein Leben richten sollte. Wegen verschiedener Malaisen in der Schule begann ich in der Zeit meine Weisungsresistenz zu kultivieren, dazu gehörte es ebenso, alle Anweisungen die ich nicht einsah, egal was sie auch betrafen, einfach zu ignorieren oder wenigstens nach meiner Fasson zu unterlaufen…
Allerdings gab zwei Sportarten, wo ich mir nicht reinreden ließ, alles was mit Skilaufen zu tun hatte und Brustschwimmen sowie Kraulen. Zu eben dieser Zeit rasselte ich wiedermal mit dem dummroten Muttertier zusammen, es geschah als die Kadettenanstalt in Naumburg geschlossen werden sollte, wobei der Drops sowieso gelutscht war, wegen meines schulischen Verhaltens. Die Alte mich aber trotzdem dort unterbringen wollte, da tauchten von irgendeinem Ministerium Leute auf, die während der Sportstunden herumschnüffelten. Es sollten Schüler für Sportschulen rekrutiert werden, aus irgendeinem, für mich unerfindlichem Grund wurde auch ich für eine spätere Schwimmerkarriere auserkoren. Hielt aber erst mal die Klappe, fiel aber trotzdem auf, weil mich die Euphorie der anderen Mitschüler nicht anstecken wollte.
Dann taucht solch Fuzzi zuhause auf, wieder so ein Moment, wo ich unser Telefon verfluchte. Dieser Typ schilderte die kommende Zeit in den grellsten Farben, je mehr er plapperte, desto argwöhnischer wurde ich. Nachtigall, ich hör dir trapsen! Der hohe Gast aus Berlin und die Erziehungsberechtigte quatschten sich ewig mit Genosse an und verfügten über meinen Kopf hinweg, was mit mir demnächst geschehen sollte. Ob Kadettenanstalt oder Sportschule, beide Institutionen kamen mir wie Zuchthäuser vor. Dann folgte ein Köder, statt des orthopädischen Turnens gäbe es nur noch Trainingseinheiten und letztlich sogar Wettkämpfe in der gesamten DDR!
War das nichts?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.