ALDI

Gott nochmal, was habe ich damals mit Decker alles photographiert. Nebenbei haben wir uns immer wieder köstlich über die grenzenlose Dummheit unserer ehemaligen Landsleute amüsiert und was für ein Scheiß wurde nebenbei alles eingesackt. Fundstücke aus Häusern, Fabriken, Müllhalden, Containern und Anschlagtafeln…
Unser beider LAG´s fanden so manche Mitbringsel nicht lustig. Mein Weib verstand die Welt nicht mehr, als ihr 10jähriger Ableger auch zu einen Jäger und Sammler mutierte. Der drangsalierte seinen Vater auf einer Motorradtour, weil er auf Deubel komm raus, den mehrere Kilo schweren Abschlepphaken eines sowjetischen Panzers, aus dem Schrotthaufen einer Russenkaserne klaubte und ohne dieses Teil nicht mehr zurückfahren wollte. Kurz darauf verarbeitete ich das Teil, im Zusammenhang mit einem Beleuchtungskörpers, der Anfang der 90er, von der Grenzanlage an der „Glienicker Brücke” stammte. Die beiden Grenzer verkrümelten sich, als ich kundtat, dass ich diese nagelneue Lampe abmontieren wollte.

handmade by ZK

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Detail mit Abschlepphaken („T77“?)

Detail mit Abschlepphaken („T77“?)

Die Schwester vom Filius verlor ihren Trieb nach innerdeutschen Beutestücken auf einer gemeinsamen Demontagetour, an der niedersächsischen Grenze. Als es mehrere Kilometer durch sehr hohes Brennnesselgestrüpp ging, wo ich auf der ganzen Länge die westlichen Warnschilder entfernte.

Dieses DIN A4-Teil stammte von einem Strommast, aus besagtem Marktflecken, als die Schneisen zu ALDI mittlerweile so breit waren, dass man getrost mit Bussen dorthin fahren konnte. Noch im Frühling gleichen Jahres, hing ich Samstags mal in einer Autoschlange, von Sangerhausen bis zur Autobahn – mehr als 70 Kilometer Landstraße. Jeder Wagen bis unter die Decke gefüllt mit Beutestücken, aus der neu erschlossenen Konsumwelt.

Aus jenen Tagen stammt folgender Witz:
Vier Südharzer Halbstarke irrten mit ihrem Trabbi durch Duderstadt und hielten krampfhaft Ausschau nach einer „ ALDI-Gaufhalle”. Schreit der Beifahrer plötzlich los: „Hee Alder, dord vorn läuft een Ganagger, hald da mal an!” Der Fahrer stoppt auf gleicher Höhe. Sein Spezi kurbelt das Fenster runter und brüllt den Türken an: „Eeh, Golleje, wie gommen wir bei „ALDI?”
Der Angesprochene beugt sich höflich zum Fragenden: „Zu ALDI! Zu!…”
Daraufhin kräht der vermeintlich Informierte zu seinen Mitfahrern: „Gumbels, wir gönnen Heeme fahrn, ALDI had schon jeschlossen!”

Zur Erinnerung
Das waren die Zeiten, wo der gemeine Ossi seine gewachsene Identität weg warf, wie zerlumpte Socken.
Mir ist aus dieser Zeit ein wunderschönes Bildchen haften geblieben, aus der „Heldenstadt” Leipzig. Als zu den letzten Montagsdemos, gröhlende Massen durch die Straßenschluchten irrten, vornweg mit einem riesigen Transparent (wie zu alten Zeiten): „Lieber Helmut, nimm uns an die Hand und führ uns in Dein Wirtschaftswunderland!”

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