nine/eleven

Heute las ich bei GMX: „Der Tag, der die Welt veränderte: Der 9/11-Terror in Bildern… Zwei andauernde große Kriege, ein Folterlager auf Guantanamo Bay und weitreichende Beschränkungen der Bürgerrechte waren die Folgen.“
Wenn das nichts ist.
Jener Tag erinnerte mich allerdings immer daran, dass ich zwei Tage später, in der Pampa bei Koschenbroich, für 222,- DM einen MP3-Player von AIWA erstand, der läuft und läuft und läuft…

Mein analoges Multifunktionsteil – Walkmanradiorecorder (AIWA) begann langsam seinen Geist aufzugeben, das alte Micro leistet mir auch heute  noch gute Dienste. Der Radio (MW/UKW) benutzte bis Mitte 90 ein Wandersmann in Meck-Pomm.

(Am Kauftag dieses Walkies, 1985, in Hong Kong – watete ich schon 10 Jahre im Sumpf des Kapitalismus, dort hätten frisch importiert Zonis, reihenweise Harakiri verübt, beim Anblick der Elektronik in der „HiFi-Road“. Damals war ja noch nicht absehbar, dass der Genosse Honnecker mal den größten Microchip der Welt in seinen Händchen halten durfte. Mit Hilfe dieser Bausteine währe ein Ost-Walkman entstanden, mindestens von der Größe einer tragbaren NVA-Funkstation.)
In diesem Zusammenhang, wegen des 13ten Septembers, suchte ich alle, von mir life bespielte Kassetten zusammen. Kam auf 40 Stück, wobei die Hälfte mit Musik der verschiedensten Art gefüllt ist. Das erste Band, welches mir in die Hände fiel, war eine Session im „Jazz for fun“ in der „Kurfüstenstrasse“, es handelte sich dabei um einen Souterrain-Laden, mit der Butze vom Schefff darüber. Mein Mitschnittfragment beginnt gegen 1:30 und endet gegen 4:30., am Kampftag der Arbeiter – 1989.
Unser Rudel kam in jener Nacht aus dem „Quartier Latin“. Ulli, war zu diesem Zeitpunkt noch jut druff, irgendwann pennte er wie üblich ein. Wir packten ihn auf ein paar Stühle, zapften selbst und kifften ihn die Bude zu. Das mochte er nicht so gerne, da wegen der Lautstärke öfters die kleinen grünen Männchen erschienen.
Kurz vor Toresschluss erschienen statt der Schmiere, Vince Weber und Axel Zwingenberger, aber schräg drauf, scheinbar waren sie vom Dealer versetzt worden, beide veranstalteten einen Terz, dass Ulli aufwachte und wegen der Lautstärke, partout auf Abkassieren bestand…
Bei dem nun folgenden Stück befanden sich von folgende Musikern Finger auf den Tasten:
Vom alten Boogie und Bluesfossil – Manne Chicago, Piano, Harp – Peter Blomeyr, Piano – Billy Boy Stöckel, Piano, Harp – Samuel Bogun, Piano

1. Fußnote:
Wenige Minuten, gleich um die Ecke, in der „Körnerstrasse“, befand sich das „Blues Cafe´“, ein feiner Laden.
Robby, als GI in Berlin gelandet, blieb hier hängen. Weltbekannt wurde er weniger durch die geilen Gigs, die bei ihm stattfanden, sondern durch seine „Robby-Burger“.
Nicht lange nach dem Mauerfall gab es seinen Laden nicht mehr, er wurde ein Opfer der trunksüchtigen Hardcore-Bluesgemeinde aus den Südprovinzen der Zone. Das Schwäbisch/Bayerische Idiom wurde ruckartig vom Sächsisch/Thüringischen verdrängt. Dabei liebte Robby diese verrückten Hippies, die immer noch in den alten Shellys und teilweise mit Mähnen bis zum Arsch rum liefen. Da viele schon besoffen ankamen, sie auch noch Rohre mitbrachten, ging der Umsatz mächtig retour. Hinzu kam, die Auftritte waren immer übermackert, und sehr oft herrschte eine gereizte Stimmung. Der Kneipier fing an Eintritt zu fordern, der recht schnell stieg. Mit dem Erfolg, wir alteingesessenen blieben wegen der aggressiven Stimmung weg und die Ossis waren nicht bereit einen Heiermann für 5/6 Stunden Musik hinzulegen. So verschied allmählich einer der geilsten Musikläden Berlins. Den Todesstoß erhielt die Szene mit dem Abzug der Amis.
Wenn ich an die 70er denke, als bei Giorgio im „Quasimodo“, die Hälfte des farbigen Publikums, stoned wie Weltmeister, die Stimmung anheizten – besonders als Luther Allison dort immer wieder auftauchte… (L.A. ist ja auch schon lange im Blueshimmel – mittlerweile sind mehr dort oben…

2. Fußnote
Etwas anderes möchte ich noch anhängen, es müffelt ein bisschen nach längst vergangenen „Klassenkampf“. Diese Kassette war ein Geschenk von einem Typ, an jenem Demotag, als ich gezwungener Maßen im „Carroussell“ versacken musste. Da sich meine WG in der Bannmeile vom Schöneberger Rathaus befand, und beim Heimweg natürlich keinen Ausweis vorweisen konnte, der ganze Zauber aber mindestens bis 22 Uhr gehen sollte. Der Junge lief gerade an uns vorüber, als wir vor der Kneipe mit dem Zapfer ein Hörnchen genossen. Etwas THC im Rauch, dafür die Kassette…
Der Ansager scheint auch mit einem Zonen-Migrationshintergrund behaftet zu sein, kann man daraus schließen, wie ihm der Namen von Neutronen-Ronny über die Lippen huscht.

Neutronen-Ronny

Ein Gedanke zu „nine/eleven

  1. IM Micha

    „Regen verpiss dich – keiner vermisst dich“. Danke für dieses wundervolle Zeitdokument. Da werden Erinnerungen an die Jugendzeit wach. Man wird ja fast rot (im Gesicht), wenn man das naive Pamphlet heute hört.

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