Max Hölz

Da weckte mich 20 nach 5 so eine Nase, die versuchte ihr Hirschlein zu starten, kurz bevor die Batterie verreckte, sprang die Karre doch noch an. Mein Groll schlug auf die Blase, musste infolgedessen raus aus der Falle und sofort meinen Hamster melken gehen. Augenblicklich hellwach, nahm ich mir den restlichen „Tagesspitzel“ vor, vertiefte mich gleich anschließend abermals in Bettelheims: “Gespräche mit Müttern“, dieses Werk ließ meinen Blutdruck noch mehr ansteigen. Nun soll niemand denken, mich plagt die „senile Bettflucht“, weit gefehlt, denn bei diesen Symptomen währe man saumüde und könnte nicht pennen.
Mir erschloss sich der Sinn dieses Büchleins auch beim Weiterlesen nicht. Klappentext, Vorwort und Einleitung ergaben keinen Sinn zum Inhalt, wütend brach ich auf Seite 119 ab. Alle Gesprächsaufzeichnungen stammen aus den 50er/60er Jahren, bei den Knäcken, mit denen die Mehrzahl dieser Muttis behaftet waren, wird mir einiges klar, was die heutige Zeit betrifft. Viel anders werden die Mädel hier auch nicht drauf gewesen sein, aber eins verbindet alle, ob in den USA, oder in anderen Industrienationen, ausnahmslos haben sie ihre pädagogischen Defizite weitergereicht, das berührt auch jede soziale Schicht…, irgendwann landen schließlich Reste von menschlichen Kreaturen in Blumenkästen…

– Da fiel mir ein, was hatte ich überhaupt erwarte? Zumindest nicht so etwas flaches, da ich B.B. von einer ganz anderen Seite kenne.
Wer sich die “GmM“ einzieht, der sollte hinterher, unbedingt zu folgendem Druckerzeugnis greifen: Arthur Koestler, Die Armut der Psychologie. Der Mensch als Opfer des Versuchs, irrationalem Verhalten mit rationalen Methoden beizukommen (ISBN: 3502133875)
Dem ist auch nach über 30 Jahren nichts hinzuzufügen, egal wie sich die Pücholochen auch drehen und wenden. Im Gegenteil, die Scheren zwischen den irrationalen Verhaltensweisen und deren aberwitzigen Erklärungsversuche klaffen immer weiter auseinander. Hinzu kommt, egal was jemand für ein Schwachsinn in die Welt posaunt, postwendend krauchen aus allen Löchern Claqueure. Solche Handlungsweisen waren schon im Mittelalter an den Höfen populär, da übernahmen Hofnarren diese Parts. Sehr kluge Leute darunter, die ohne Statussymbole auskamen! In der Regel besaßen alle nur ein einziges, sehr kostbares Privileg, woran ihnen sehr viel lag, solange es nicht in ihre Hälse reinregnete…
Beiläufig lasse ich nur eine Ausnahme gelten, gewisse Erkenntnisse vom alten Freud. Der Knabe schien manchmal echt cool drauf, konnte es sich leisten die Welt mit anderen Augen zu betrachten, da er seine Bewusstseinserweiterungen diesem weißen Staub verdankte, mit dem er sich kontinuierlich seinen Gesichtserker puderte, allerdings die Schleimhäute…

Ein nicht vollendeter Sudoko fiel mir noch in die Hände, nebenbei wurde mein kleiner „Grundig“ in Betrieb genommen.
Da ich nachts oft sehr lange lese, dudelt häufig D-radio Kultur. Nun steht bei uns eine recht gute Stereoanlage rum, als DXer bin ich aber angeschissen – das Teil besitzt natürlich keine KW. Außerdem nervt mich permanent die ätzende Werbung auf FM. Gut, Stereo hat was, aber dann aus dem Netz, dafür müsste ich aber in einem anderen Zimmer meine Bit-Möhre hochfahren. Also surfe ich lieber auf MW und 6 KW-Bändern, mir machen die Abstriche der Soundqualität bei den atmosphärischen Störungen nichts aus. Die ganze UKW-Kacke kommt technisch zwar optimal rüber, ist dabei aber so etwas von provinziell, dass man kotzen könnte. Das ich meinen „Yachtboy“ vor ein paar Jahren wieder aktivierte, lag an den Aktivitäten des teuersten Tourismusunternehmen aus Amiland. Als der beständige Abenteuerurlaub in Kuweit begann, fingen arabische Stationen mit englischsprachigen Sendungen an. Auf den kleinen Unterschied bei deren Berichterstattung, gehe ich hier nicht weiter ein.
So landete ich zu nächtlicher Stunde, dann auch wieder bei AFN-Frankfurt. Die haben leider nicht mehr diese Qualität, wie ´61/62, als ich begann Radios zu bauen, denn damals brachten sie weit nach Mitternacht, ganz verschämt, rabenschwarze Musik – Soul und Blues, aber irgendwann tauchte Wolfman Jack auf….
Das einzige was ich bei D-radio absolut nicht verstehe, dass sie mehrmals in der Woche, den Ton dieser unsäglichen Talkshows aus der Glotze, auf MW übertragen. Zwischen 1 und 2 Uhr, erfolgt nächtens noch eine Steigerung. Abartig viel populistischer Dünnschiss (Vox populi) quillt besonders dann aus dem Lautsprecher, wenn diese promovierte Altlast moderiert, fast auf dem Niveau, wie vormals Dr. IM Kuttner…
Aber heute Morgen dachte ich anfangs, mich verhört zuhaben, das „Kalenderblatt“ erinnerte an den 75sten Todestag von Max Hölz. (Er umging 1921 Sangerhausen weitläufig, scheinbar lebten dort nur unpolitische Bauern und Beamte…)
Allerdings sehe ich ihn nicht so rot, wie es dort rüber kommt…
Eine linientreue Altlast scheint dafür sicher nicht verantwortlich zu sein, denn in der Zone war er nicht wohl gelitten…

Kurz darauf erfolgte ein Programmtip für 19:30:
Zeitfragen
Das politische Feature
„Die Nazifalle“
Über Tabus bei der Vergangenheitsbewältigung
Von Volker Panzer
Zu Götz Aly, der mit seinem neuen Büchlein Erwähnung findet: „Hitlers Volksstaat“ – fällt mit nur ein, Winnetou würde es so beschreiben: „Das Bleichgesicht spricht mit gespaltener Zunge…“

Zwei Literaturhinweise meinerseits:

Karl I. Albrecht: Der verratene Sozialismus,
Zehn Jahre als hoher Staatsbeamter in der Sowjetunion,
Berlin, Nibelungenverlag, 1943, S. 311ff.

Edgar Hilsenrath:
Der Nazi & Der Friseur
München: Dtv, 2006. 476 Seiten

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