Beide Herren lebten fast zur gleichen Zeit, an verschiedenen Orten. Wobei der eine auf seine französischen Wurzeln im Amiland verweisen konnte, der Blaublüter dort nur mehrere Monate als neugieriger Polittourist in einigen Staaten herum düste.
Was die Betrachtung der noch recht jungen USA betrafen, existieren doch einige Schnittmengen unter den beiden Schreibern. Allerdings gehen die Ansichten, was rothäutige Ureinwohner und schwarze Sklaven betrafen, doch recht weit auseinander. Deren Texte haben auch heute noch Gültigkeit, in diesen Tagen sogar noch mehr, allerdings sollten sie in sehr jungen Jahren eingezogen werden.
In meiner Halbstarkenzeit las ich Sachen von Mark Aurel – seine „Selbstbetrachtungen“ hatten es mir damals besonders angetan, ebenso diese dekadenten kleinbürgerlichen Schriften der Aufklärungsphilosophen usw.
Erlebe es in den letzten Jahren ewig, dass mir gute Bekannte die Ohren abkauen, betreffs Weltliteratur. Wobei sie jetzt kurz vor der Urne haufenweise multiple Orgasmen bekommen, während ihrer wesentlich zu spät einsetzender Aha-Erlebnissen. Und alle schier erstaunt sind, wenn sie von mir dann vernehmen, dass ich solcher Art Literatur schon sehr früh verschlang.
Wenn ich mir vorstelle, wie bescheuert sich die Mutter meiner Schwester immer gebärdete, als ich mich plötzlich weigerte diese merkwürdigen Schwarten aus dem Pionierbuchklub zu lesen. Mit neun Jahren wurde sich durch Tolstois „Auferstehung“ gequält und alles war in Frakturschrift gedruckt. Sie schloss unser Wohnzimmer ab, um nicht mehr an ihre Bücher zu gelangen. Als Erziehungsmaßnahme kam dann die Anweisung, zu diesen dummroten Ostern kurze Nacherzählungen abzulassen und sofort öffnete sich die Tür. Nicht nur ihre Bibliothek der Weltliteratur interessierte mich dabei, aus ganz bestimmten Gründen auch Balzac´s Tolldreiste Geschichten, Boccaccio´s Dekameron und Das Heptameron der Margarete von Navarra. Mit diesen Büchern musste aus ganz besonderen Gründen sehr sorgsam umgegangen werden…
Hinzu kam jahrelang ihre dussligen Bemerkungen, dass ich aus Büchern immer nur zu ganz falschen Erkenntnissen käme…
Nochmals retour zu David Thoreau und Alexis de Tocqueville!
Ersterer schreibt einfach und gefällig. Allerdings nervt er ewig mit irgendwelchen Zitaten aus Kunst und Kultur, deren nostalgische Herkunft mir keine Schwierigkeiten bereiteten. Fand dazu aber manchmal recht unpassende Bemerkungen, scheinbar kokettierte der Mann in solchen Momenten mit seinem Allgemeinwissen.
Tocqueville´s Erkenntnisse sind schwerere Kost, jene Reclam-Ausgabe hat außerdem fast 400 Seiten!
Demgemäß ist sie nichts für politisch recht unbedarfte ältliche Lichterketten-Mamis, gleiches gilt für leicht linkslastige Berufsdemonstranten-Softies, welche in ihrem bisheriges Leben eigentlich nur als tote Fische im Strom trieben…
Fast hätte ich Massen von arrivierten Proletenableger vergessen, welche als Kinderstuben lediglich Ecken in dunklen Fluren besaßen, dazu den entsprechenden Background im Elternhaus.
Dazu fallen mir sofort, als prägende Erziehungsberechtigte z. B., chronisch untervögelte ältliche Mädels ein, die sich aktuell immer wieder sehr augenfällig und bravourös, ewig als emanzipierte alleinerziehende Mamis anbiedern…
Ansonsten sollte man auch all jene ungebildeten, dafür saufenden und prügelnden Erzeuger nicht vergessen!
– Könnte vom eigenen Erleben her, auch so manches Liedchen singen, Mutti betreffend. Die sich nebenher auch noch ewig als praktizierende Stalinistin der übelsten Sorte betätigte, dabei selber nie etwas auf die Reihe bekam, was ihre beiden Ableger betrafen. Dafür allerdings ihrer gesamte Umgebung immerwährend und ausgesprochen abartig auf die Ketten ging.
Witzigerweise brieten die Genossen ihr noch einen Storch, als man mich dann abschob, wurde sie parallel dazu in die Wüste geschickt. Wesentlich witziger empfand ich dann die merkwürdige Tatsache, dass man mich ausgerechnet am Geburtstag von jenem Miststück in den Westen verkaufte.
Später wurde mir zugetragen, dass Madame zu den mehrere Jahrzehnte dauernden weiteren Lebensweg, ganz treudoof bei ihrem roten Verein hängen blieb, egal man ihn auch taufte…

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