20. Oktober 1968 – De gröne Hochtied

Weil unser TAGESSPITZEL zu Hause liegen blieb, schaute ich während einer gestrigen U-Bahnfahrt öfters auf diesen unsäglichen Monitor an der Wagendecke, neben Werbescheiß liefen ganz lebenswichtige „Meldungen“, in diesem Zusammenhang fiel mir etwas ein – zum 44sten Hochzeitstag von Jacky Kennedy und Ari Onassis

Mit Abstand empfand ich die 18monatige Wehrpflicht als das Abartigste, was jemals in meinem Leben über mich kam. Habe auch nie besonders versucht, einen Sinn in dieser staatlichen Aktion zu erkennen. Eingepfercht unter Leuten, die meisten davon hätte man im „normalen“ Leben noch nicht mal mit dem Arsch angeschaut, dabei fast hilflos immerwährenden unberechenbaren Aktionen von irgendwelchen Dummficks und sadistischen „Vorgesetzten“ ausgeliefert.

>Laut meiner Akte – AOPK, Halle 975/76 – betätigten sich im letzten Semester, von den acht „Kameraden“ auf der Stube, vier als V-Leute für die Stasi. Wobei sich einer der Spitzel damals sofort outete, als er nach einem vollkommen unverschuldeten Missgeschick in solche Bredrouille geriet, panisch reagierte und deshalb auf die Offerte der „Firma“ einging, die ihm als Alternative mehrere Jahre Knast androhte.<

Seit der Besetzung der ČSR, am 21. August 1968, glich der Kasernenaufenthalt, bis weit in den Oktober, einer mehrwöchigen Lagerhaft. Viele Vorgesetzten blühten in selbiger Situation erst richtig auf, besonders die Stare vom Stab. Dieses Bande musste ja auch auf nichts verzichten, soffen fast jeden Abend und sogar tagsüber ließen sie ihre Gattinnen bzw. Geliebten zum Entsaften kommen…
Unsereins war froh, dass er nicht wie die Nachbarbereitschaft zur „Grenzsicherung“ ins „schiene Arzgebirg“ abkommandiert wurde, dafür wurde man im „Dienst“ sinnlos geknechtete.
Ende September gab es endliche normalen Wachdienst (ohne Doppelposten) und ab und zu trauten wir uns dann auch mal wieder durch den Zaun, um in der vielleicht 80 m vom Kasernengelände entfernte Gemüsebude hochprozentigen Zech wegzufinden. Zu jener Zeit dachte niemand an eventuelle Folgen der Eigentumsverlagerung, gerade in dieser politischen Situation hätte es für solche Aktion – „Diebstahl zum Nachteil sozialistischem Eigentums“ – bestimmt fünf Jahre Schwedt gegeben…
Innerhalb der letzten Tage, jener Phase von Ausgangs- und Urlaubssperre, hatten meine Wenigkeit und einige Kumpels fünf Tage Bau kassiert, wegen einer kurzen, aber heftigen Sauferei, derweil wir unter Laub und Astwerk versteckt, illegal vom Kasernengelände verschwanden. Eigentlich wäre die Geschichte viel gelinder abgelaufen, wenn alle nach mehrfacher Aufforderung einfach die Kneipe verlassen hätten, in der unser Trupp mit Hilfe von anwesenden Gästen, fast ohne Pause mehrere Biere und Schnäpse hinter die Binde kippten. Hinsichtlich der Weigerung, das Kampftrinken augenblicklich zu beenden, war dem vollkommen hilflosen Unteroffizier lediglich eingefallen, zwecks Hilfestellung, Kantenlatscher zu alarmieren. Die beiden alarmierten Jungs wollten eigentlich diese merkwürdige Angelegenheit friedlich regeln, als mein Kumpel Hippel plötzlich verschwunden war. Der draußen, zur Gaudi von einigen Dorfbewohnern, den Streifenwagen als Paravent benutzte, sich nebenher an der Karre abstützte und in seiner Trunkenheit gegen die Karre pinkelte…

Kaum aus dem Arrest entlassen, hieß es für mich, am 18. Oktober, ein Urlaubswochenende antreten, wegen Beschaffung von Zivilklamotten für den Entlassungstag. Trotz eingehender Ermahnung „vergaß“ ich natürlich die Sachen.
In diesen zweieinhalb Tagen wurde nebenher mein großes Defizit an Popmusik und Schnurren enorm aufgefrischt. Unter anderem kam mir ein Witz zu Ohren, der alles bisherige in den Schatten stellte, was ich bis dato vernommen hatte – eine Anfrage an Sender Jerewan.
Er war so skurril für die damalige Zeit, dass auch ich mich nicht mehr einholen konnte, wie anschließend jeder, der ihn vernahm (besonders in der darauffolgenden Woche in der Kaserne) und dies hielt noch mehrere Jahr an.
Die Hochzeit von griechischen Tankerkönig und Jacky waren der Anlass.
„Hätte sich etwas geändert, wenn statt John F. Kenndy, Walter Ulbricht erschossen worden wäre?“
Im Prinzip ja, aber es wäre die Frage gewesen, ob Onassis Lotte geheiratet hätte!“

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