Britzer Garten

Der Zufall wollte es, dass ich mich in den Berliner Südosten verkrümeln konnte – ein Spaziergang auf dem ehemaligen Buga-Gelände war angesagt.
Eigentlich wollten Dagmar und die Scheffin nur dort hin, weil sich laut Programm ein Pomologe angesagt hatte.
Als „kleinbürgerliche Individualistin“, seit geraumer Zeit mit einem überschaubaren ansehnlichen Kleingarten gesegnet, wollte Frau D. endlich mal wissen, welche Apfelsorten sie besaß.
Mir kam die Einladung sehr gelegen, konnte ich so wenigstens dem stundenlangen Helikoptergedonner entfliehen, da in der City wieder Narren durch die Häuserschluchten irrten und  im TV wird immer wieder betont, dass bei der „sportbegeisterten Bevölkerung“ ein latentes Informationsbedürfnis vorhanden sei, was unbedingt gesättigt werden muss.
Für viele Berliner scheint es so eine Art Ersatz für frühjährliche Karnevalsumzüge zu sein. Ist mir auch egal, wenn ich zu diesem Frohsinn nicht gezwungen werde. Ist ja nicht nur der konsumbetonte Marathonlauf, den viele Leute vor der Glotze inhalieren. Noch unverständlicher kommen mir Kreisfahren und Tennis vor, vom fast ausnahmslos dumme Geschwafel jener „Helden“ in den Nachrichten, nach solchen „Sportveranstaltungen“, ganz zu schweigen.
Beim diesjährigen Marathon gab es ja mehrere herausragende Momente für die Medien.
Ein Teilnehmer hat im diesjährigen Rennen der ganze Angelegenheit mal wieder seinen historischen Touch zurückgegeben. Das Ableben des 71-järigen Skaters war politisch zwar nicht ganz korrekt, denn der Legende nach, lief vor knapp 2500 Jahren der Bote barfuß…
In einer andere Meldung kam, dass ein Flitzer vor Weltrekordler Kipsang die Ziellinie überquerte –
Wenige Monate nach Boston ein bedenklicher Vorfall. – Jener Satz ist natürlich eine Unverschämtheit, weil der Typ lediglich für erotische Dienstleistungen warb – Zitat von der Homepage: “… verbindet Hostessen und Gentlemen in deiner Nähe und lässt dich an deren Bangs teilhaben. Findet euch, wir zeigen, wie es geht!
Gott nochmal, der Knabe machte Werbung für ein lustbetontes Freizeitvergnügen, was in UNSEREN demokratischen Gefilden nicht verboten ist. Im Gegensatz zu Bosten, dort sind drei Menschen hops gegangen und eine fast hundertfache Anzahl verletzt worden.
Wenn man nach solchen Taten die Reaktionen von Flachzangen im Café, der Kneipe oder sonst wo mitbekommt, scheinen sie doch einen hohen Unterhaltungswert bei den sensationslüsternden Gaffern zuhaben. In dem Zusammenhang möchte ich jene Darstellung der Medien nicht unterschlagen, die anschließend Blutlachen und kleinste Fleischfetzen im HDTV-Format unters Volk bringen…
Langsam ist doch auch schon ein Gewöhnungsprozess eingetreten, zwar Nicht immer, aber immer öfter kommt es mir so vor, dass blutrünstige Ereignisse jeglicher Art und in allen Lebenslagen, für die Masse bereits zum Lifestyle gehören…
Jedenfalls hatte unserer Tag wieder eine ganz andere Gewichtung, zum Schluss gab es dann statt Heligeräusche alpenländischen Frohsinn der durch die Gegend waberte und beim Marsch in Richtung Heimat, sogar erträglich war

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