Gut Ding will Weile haben!

001-BriefNach einigen Monaten hat es Blacky wirklich geschafft und zog seinen Finger aus der Perforierung seiner Gesäßfalte und sendete mir die versprochenen Photos.
Habe fast keine Zensur ausgeübt, lediglich mit IrfanView etwas Auto-Korrektur getätigt und alles in Graustufen umgemodelt, das Ergebnis landet jetzt im Netz.
Schon klar, keines der Bilder würde den Pulitzerpreis erhalten, außerdem kann man aus Flundern keine Zierfische kreieren. Auch zu damaligen Zeiten hätten verantwortliche Redakteure keins der Bilder auch nur im „Frösi“ oder der „Trommel“ veröffentlicht! Auch ging es nicht um die hübscheste Jugendfreundin oder dem attraktivsten Jugendfreund aus dem Bezirk Halle, es sind halt nur Lichtblicke des Frohsinns ohne FDJot!
Leider gingen fast alle Knipser sehr unbedarft an ihr Werk. Meine vielen hundert Photos hätten da wesentlich mehr hergegeben, die fielen aber alle durch das Arschloch (Der Kosenamen für meinen dummroten Schwager, man munkelt, dass ihm nach dem Mauerfall die höhere Beamtenlaufbahn offen stand.), während meiner ersten Knasttage, der Vernichtung anheim.
Deshalb ist es schon besser, lieber einige ideelle Erinnerung von nicht ganz so großer Güte, als lange ausgemerzte Qualität!
Über eine Stunde benötigte ich für die ganze Chose, nebenher lief ewig Muddy Waters & Co. – was mir dabei so aller durch die Birne ging…
Die meisten Photos mussten entstanden sein, als ich schon irgendwo im Knast saß und später, außerdem befand ich mich zu den wärmeren Tagen ewig auf Wochenendtrebe, meistens allerdings allein. Trotzdem wollten mir die Genossen aus der Villa ewig Rädelsführerei anhängen.
Will mal einige kurze Bemerkungen ablassen. Mir fiel auf einigen Bildern auf, dass die Sauferei, in unseren Kreisen immer eine große Rolle spielte…
Beginne gleich mit meinen ersten Erfahrungen der Photographie, besser gesagt, was die Herstellung von Abzügen betraf, dabei handelte es sich hauptsächlich um Porträts von Sängern aus dem Amiland und UK und natürlich Hardcore-Pornos…
Ende der siebten Klasse gings einmal in der Woche zu einer Funk-AG ins Pionierhaus. Wenn wir Schluss hatten, gingen die von der Photo-AG nach Hause und einige von uns, nach oben ins Labor. Um das Scheffchen vons Janze fernzuhalten, klauten wir entweder aus der Kasse des Hauses etwas Knete, dann rannte einer zum Bahnhofskiosk, holte eine kleine Pulle Schnaps und wir wurden die nächsten anderthalb Stunde nicht belästigt. Manchmal brachte auch jemand etwas Kumpeltod von daheim mit. Der Leiter war immer zufrieden, wenn auf seinem Schiff Ruhe herrschte, zumal wir ihn nicht an unseren Arbeitsplatz ließen, weil die Tür selbstverständlich abgeschlossen ward, was er nachvollziehen konnte.
Witzigerweise brachten mir weder Elvis, noch andere Stare oder die Fixierbilder mit bumsenden Rudeln das meiste Geld, sondern eine richtig gute gemachte Karikatur.
Von links näherte sich ein Landser seinem Häuschen, der Mantel weit geöffnet, seine stachligen Beine steckten in Knobelbechern, das Käppi auf halb acht, schob er eine Schubkarre vor sich her. Darin lagen seine Klöten, wobei das Gemächte die Größe eines Kartoffelsacks besaß. Der erigierte, nach vorn schräg aufgerichtete gerichtete Schwanz, entsprach einem dickeren Ofenrohr und aus der Eichel tropfte es bereits…
Die Gattin stand breitbeinig, nur mit einer Art Kittelschürze bekleidet vor ihrer weit geöffneten Haustür, wobei nur zwei Knöpfe über dem Bauch, alles zusammenhielten. Brüste und Behaarung des Venushügels quollen recht anschaulich hervor. Dazu schlug sie ihre Hände, in freudiger Erregung, über dem Kopf zusammen…
Wir waren schon ein eingespieltes Team, allerdings bereite die Trocknung der Serien größere Probleme. Irgendwann kamen zwei Porträts auf eine Postkarte, bei den Pornos wurde so verkleinert, dass vier Bilder darauf passten, nur die Karikatur behielt ihre Originalgröße. Denn von den Alten, in der „Schecke Pauli“, der „Totenschenke“ oder bei „Herrmanns“, gab es natürlich wesentlich mehr, da bei denen nostalgische Erinnerungen mitspielten.
Unsere Mitschülern murrten außerdem auch oft über die teilweise recht miesen Kopien der Rock´n Roller. Und was geschah anschließend mit unserem Verdienst? Der wurde in den besagten Kneipen verzockt und versoffen.
Natürlich flog die ganze Angelegenheit bald auf, aber wir kamen sehr glimpflich davon…

2 Gedanken zu „Gut Ding will Weile haben!

  1. hansi

    Blacky hat es auch versäumt die Bilder zu benennen, Jahr, Namen, Orte,….schade, der Scheff hat da schon nachgebessert.
    Gruß, auch an den Fotograf
    H.

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