Die Prophezeiung des Leonard Cohen

…und in der gestrigen Kulturpresseschau lässt Hans von Trotha, anfänglich seinen Kollegen Hannes Stein zu Wort kommen, der einen Versuch unternimmt, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
…der fragt in der WELT: „Stehen die USA am Abgrund – oder vor einem neuen Anfang?“ Er ist dabei allerdings weniger zukunfts- als retroorientiert. „Wer das Land im Jahr 2020 verstehen will“, meint er, „muss jetzt einen Song von 1992 hören. Prophet am Mikrofon: Leonard Cohen.“
Nichts, aber auch gar nichts gegen Leonhard Cohen – doch die eins-zu-eins-Zeilen-Interpretation, in der Hannes Stein – ausgehend von dem Vers „Democracy is coming to the USA / Die Demokratie kommt in die Vereinigten Staaten“ reihenweise Details von heute in den Zeilen von damals erkennt, hat wenig mit Leonard Cohen zu tun, dafür viel mit Hannes Steins Ergebenheit in den Cohen-Vers: „Ich bin sentimental, wenn du verstehst, was ich meine“. Und damit sind sie auch bei der WELT wieder ganz vorn dabei – denn: Sentimental ist gerade voll in.
Mit der Verknüpfung beider Präsidentschaftswahlen, der noch nicht beendeten aus heutigen Tagen und der damaligen, liegen allerdings Welten! Zumal man die Unterschiedlichkeiten beider Galionsfiguren, gar nicht weiter beleuchten sollte. Vom einen ist das politische Elmsfeuer bereits lange erloschen, der anderen versucht gerade, seine Laterne hoffnungsfroh zu entzünden…

Billy-Boy der sich neben seinem Job noch zu einem Schwerenöter entwickelte, damit seinen Landsleuten einige völlig aus der Norm geratenen Lebensumstände nah brachte, was merkwürdigerweise seine vielfach frömmelnden Landsleute gar nicht groß interessierte. Dabei gab sich der Chefankläger, während der Aufklärung jener Lewinski-Affäre alle nur erdenkliche Mühe, jegliche Kleinigkeiten detailgetreu unters Volk zubringen. Es soll ja Chauvis geben, die nächtens zum Lesen im Bett, ihre Frau benötigen. Um sich mit deren Hilfe die Finger anzufeuchten, wegen des einfacheren Umblätterns der Buchseiten und jene Handlung auch noch zum erotischen Knoff-hoff zählen. Mr. President schien in Anwesenheit von Monica weniger Wert auf Bücher zulegen, dafür rauchte er aber Chohibas...
Allerdings tat er mit seinem amourösen Abenteuer der Familie keinen großen Gefallen.
Komme mal zu Joe retour, der versucht seine Mumienjahre mehr schlecht als recht zu verbergen, hat allerdings mit seiner jungen Vizepräsidentin, für später bereits entsprechend vorgesorgt!

Das Jahr war 1992. Tout le monde war optimistisch: Die Mauer war gerade eben gefallen, Saddam Hussein besiegt, der amerikanische Präsident hatte eine „neue Weltordnung“ ausgerufen, die ethnischen Gemetzel im ehemaligen Jugoslawien hatten noch nicht begonnen. Manche sprachen allen Ernstes vom „Ende der Geschichte“.
Aber einer sah weiter und tiefer und klarer: der kanadische Liedermacher Leonard Cohen. Sein Lied fängt an wie ein langsamer Marsch. Schlagzeug im Hintergrund. Eine eintönige Melodie, dann beginnt Cohen auf der CD „Future“ zu singen. Ach, was heißt hier singen – eigentlich spricht er die Verse nur, mit seiner schönen rauen Bassstimme. „It’s coming through a hole in the air“, sagt er, „from those nights in Tienanmen Square.“
Für Leonard war damals mit einer großen Hoffnung verbunden, schließlich hatte Clinton ein fettes Wahlergebnis eingefahren und kurz darauf kam die Scheibe heraus mit Democracy is coming to the. USA

Cohens Konzerte stellten immer etwas besonderes dar, vor Anbeginn, wenn er die Bühne betrat. In dem Zusammenhang fällt mir nur eine Frau ein, Lydie Auvray, deren Auftritte hallten immer lange für die kommende Zeit nach, wobei die Akkordionistin nur in kleinen Läden oder Kirchen auftrat.
Hatte niemals das Bedürfnis, beide innerhalb kürzester Zeit ein zweites mal zuhören. Weil sich alles auf deren Persönlichkeit und den damit verbundenen Interpretationen konzentrierte.
Leonards Democracy is coming to the U.S.A., entpuppte sich aber auch nur als kurzfristiges träumerisches Strohfeuer, trotzdem…
Letztlich ist der Text auch etwas merkwürdig.
Als ich letztens etwas über Ken Hensley abließ, fiel mir jener Dosenöffner nicht ein, der einige Jahre vorher erschien war, nun habe ich ihn wieder, es handelte sich um Cohens: Zusanne!

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