Luigi Colani geht nicht mehr einkaufen

Den Typ fand ich immer sehr witzig, wie er ansonsten sich privat gab, ist mir nichts bekannt.
Zumindest hatte ich das Gefühl, der schien sein Herz an der richtigen Stelle zuhaben, oftmals lag es sogar auf seiner Zunge…
Weiß gar nicht mehr, ob es in den 1990ern Heinzel war, der ihn damals als Sponsor gewann, damit er mit einen Haufen Kids, jenes unsägliche Fahnenmonument auf dem Hallenser Hansering, chaotisch mit Farben übertünchen konnte. Finde momentan leider die entsprechenden Bilder nicht mehr.
Sah im Netz nur eine Ablichtung, wobei ich nicht sicher bin, ob es sich um die damalige Farbgebung handelte…


Zu jenem Denkmal, noch ein kurzer Text aus: Unter Hallensern, Halloren und Halunken
…Mit der Einweihung jenes Monumentes war der vorher schon hässliche Platz noch unansehnlicher geworden. Das 24 Meter hohe Monument auf dem den Opfern des Faschismus geweihten Platz am Hanse-Ring in Halle, stelle die rote Fahne der siegreichen Arbeiterklasse dar, umgeben von flammenden Fackeln der Revolution…
Allerdings wurde der revolutionäre Sinn, schon wenige Monate später, nicht von allen verstanden. Denn das Teil war zu Ehren des Roten Oktobers geschaffen und nicht, um in eine stilisierten Fahnenfalten reinzukriechen, weil man eine Braut vögeln oder seinen Rausch ausschlafen wollte.
Überdies hielten sich jene, auf Hormonaustausch oder Ruhe bedachten Leute getreu an die mit großen Lettern eingemeißelten Worte von J.R. Becher: Unser Leben erhalten und es schöner gestalten. Deshalb waren die jungen, triebhaften Pragmatiker den prüden, impotenten und senilen roten Theoretikern ein ganzes Stück voraus. Diese Gotteslästerlichen Handlungen passten den Bolschewiken nun aber überhaupt in ihr Konzept. Vielleicht lag es einfach daran, dass die Funktionäre keinen Einfluss geltend machen konnten, auf die im Grunde allerletzten, in Privatbesitz befindlichen Produktionsmittel, mit denen sich selbst für die Einfältigsten, nebenbei auch Kinder herstellen ließen.
Mir ist allerdings niemals zu Ohren gekommen, dass es in der Zone ein weiteres Denkmal gab, das Teile der Bevölkerung so annahmen und mit Leben erfüllten. Vielleicht trieben es ja Politerotiker auch auf dem, im Volksmund genannten „Nüschel“*
in Chemnitz.
(ugs. Sächsische Bezeichnung für Kopf) von Charly Marx, aus dem Hause des Genossen Lew Kerbel*(sowj. Bildhauer, ein neuzeitlicher Arno Breker Verschnitt, der potthässliche, monströse Köpfe und menschliche Oberteile manufakturmäßig herstellte.)
(Was wurde in den folgenden Jahren nicht alles gegen diese Entweihung des Hallenser „Fahnenmonumentes“ unternommen. Mobile Polizeistreifen warfen ständig zu nächtlichen Stunden ein Auge auf das Stahlbetonteil, halbtote Rentner, als Helfer der Volkpolizei schnürten unauffällig dort herum. Trotzdem kam es immer wieder vor, dass jemand in der inneren Falte Augenpflege betrieb, oder an einem entsprechenden Pendant andockte und sich entsaftete.
Um diesem ketzerischen Treiben Einhalt zu gebieten, entschloss man sich zu einer drakonischen Maßname. Der Legende nach sollte die untere Öffnung einfach zugemauert werden. Um die „Transparenz“ nicht zu beeinträchtigen, entschloss man sich dann, es nur mit der Anbringung eines verschließbaren Gittertürchens bewenden zu lassen. Was jenes Gitter betraf, habe ich später viele Wetten gewonnen. Da fuhren bekannte von mir ewig daran vorbei oder lungerten auf dem Platz herum und niemand hatte jemals registriert, dass man in die Falte nicht merh hineinkrauchen konnte.)
Hinzu kam die schwülstige Dunstglocke über diesem Distrikt.
In Halle dienten meh­rere tausend Wehrpflichtige, jede Menge chronisch untervögelte Angehörigen der verschiedensten Waffengattungen, sie strömten Abend für Abend in eines der dort ansässigen Etablissements. Wobei als Nahkampfdielen das „Central“ und „Halloren Café“, wenigen Minuten vom Ring entfernt, auf einem etwas höheren Niveau angesiedelt waren. Mir allerdings das „PK“, gleich am Platze, mehr zusagte. Man kam schneller zur Sache, musste für eine anspruchslose Spermatherapie nicht unnötig Zeit und Geld verplempern. In allen drei Läden fanden mehrmals wöchentlich Tanzveranstaltungen statt. Allerdings mit nicht gerade prickelnden Kapellen. Eigentlich ließ sich die Musik nur ertragen, wenn man sich sehr intensiv um ein Mädel bemühte oder unbeweibt schon in Rauschphase drei schwebte – Hang zur allgemeinen Verbrüderung.
Jeden Abend gegen 22 Uhr konnte man ein weiteres Phänomen am „Hansering“ beobachten. An seinem nordwestlichen Ende befand sich in einem alten, klobigen Gemäuer aus Gründerzeiten, das Fernmeldeamt von Halle. Zu besagter Zeit Schichtwechsel, dann spie dieses Monstrum allnächtlich Unmengen weiblichen Frischfleisches aus und die Umgebung glich schlagartig einem Ameisenhaufen, wegen der sich entwickelnde Geschäftigkeit von Männchen und Weibchen. An drei, vier lauen Sommernächten befand ich mich auch in diesem Gewusel, wobei sich der leichte Anschein eines Sklavenmarktes nicht verhehlen ließ. Außerdem war es möglich im richtigen Augenblick auch die tiefgründigsten Arten zwischenmenschlicher Kommunikationen zu beobachten. Sehr sensibler Austausch von Zärtlichkeiten konnte im gleichen Augenblick in blutige Gewalt umschlagen. Wobei in diesen kurzfristigen Schlägereien jeder gegen jeden, Angehörige der Asche (NVA) und den Laubfröschen (Bereitschaftsbullen) blutjung daherkamen. Scharen von Montagehirschen der riesigen, sozialistischen Großbaustellen aus Halle und Umgebung, viele wesentlich älter, allerdings auch erheblich brutaler zur Sache gingen. Dabei waren die Ursachen dieser Gewaltausbrüche ganz unterschiedlicher Natur, sicher wären es möglich gewesen, sie durch geeignete Maßnahmen etwas einzudämmen, z. B. für Uniformierte Bordelle zu schaffen und der körperlich arbeitenden Klasse weniger Geld auszuzahlen, Arbeitszeiten verlängern und die Normen weiter raufdrehen…

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