Alles an der Vergangenheit starb gestern; alles von der Zukunft wird heute geboren

Erhielt gestern jenen recht blöder Spruch, als Kommentar aus der kalten Heimat. Eigentlich kann man diese lapidare Feststellung nicht unkommentiert stehen lassen, tue es trotzdem.
Beziehe mich aber auf ein Ereignis des heutigen Tages und weiß wiedermal nicht, wo ich beginnen soll. Wird garantiert wieder ein etwas längeres Gesülze, mit permanenten Themensprüngen.
Heute war ja nun der letzte Sonntag, des abnippelden 2019ten Kirchenjahres – der in lutheranischen Gefilden, als Totensonntag firmiert.
Eine Freundin rief an, ob wir nicht Lust hätten, das Abschlusskonzert der Cantamusianer einzuziehen. Da es im Krematorium Baumschulenweg stattfand, wollte sie uns mit ihrem Wolfsburger Stinker abholen.
Hatte mir eine kurze Bedenkzeit auserkoren, weil solche Events, wenn sie sich irgendwann, was ihre ursprüngliche Intension betraf, totgelaufen haben und dann nur noch als billiges Freizeitvergnügen konsumiert werden, kann es schon recht nervig werden. Zumal irgendwelche Verbalwixer ewig lautstark irgendwelches dussliges Zeug in ihre Kommunikationsprothesen plappern.
Entschloss mich dann doch, mich anzuschließen, weil ich den bereits zehn Jahre stehenden Neubau, endlich mal ableuchten wollte…
Als bekennender Friedhofs-Fan, kannte ich selbigen Gottesacker bereits aus meinen Zonenzeiten, das alte Krematorium ist mir aber schon seit Beginn meiner 10. Klasse ein Begriff.
Es kam in einem speziellen Witz vor. Selbiger Joke entsprechend optimal platziert, war damals zwei Totensonntage in der Braunkohle wert. So bin ich auch wieder beim heutigen Tag gelandet.
Es ging um Folgendes:
In einer Zelle vom Roten Ochsen beschnuppert der schon länger einsitzende Gefangene den Neuankömmling.
„Wegen was hat man dich denn eingebuchtet?“
„Bin erwischt worden, wie ich an die Wand vom Centrum-Warenhaus schrieb: Russen raus! Und wegen was sitzt du?“
„Ich malte gut leserlich an eine Mauer: Russen rein!“
„Kann ich nicht verstehen! Der Spruch ist doch im Sinne von Ulbricht und Konsorten!“
„Stimmt schon, allerdings war es eine Wand vom Krematorium Baumschulenweg!“
  – In der riesigen Kolonnadenräumlichkeit herrschte ein unbeschreiblich geiler Sound, den Chorgesang toppte dann Locke noch mit seinem Saxophongetröte. Zuerst mit einem Solo, beim nächsten Stück fielen die Sangesfreunde*INNEN usw. mit ein – alles kam affenscharf rüber! Sein Spiel erinnerte mich etwas an Jan Garbarek.
Dann erfolgte der Wechsel in einen anderen Raum, da wirkten die Künstler rein optisch wesentlich besser, alles ging aber zulasten des Klangs, schade eigentlich.
Muss zu den anwesenden Gästen noch etwas ablassen. Keiner von denen holte sich in meiner unmittelbaren Umgebung verbal einen runter! Sie fotografierten mit ihren Teilen nur.
Abschließend schnankerte ich noch etwas herum. Was bei Projekten von Schultes&Frank Usus ist, sie aasen fürchterlich mit Beton herum. In der heutigen Zeit ein recht gewagtes Unterfangen, da oftmals der gesamte Bauvorgang nicht korrekt überwacht wird…
Pfusch am Bau lässt sich in der ganzen Republik bestaunen, der oftmals nur für den Moment eine gewisse Qualität erkennen lässt. Zumindest existiert ein Mindesthaltbarkeitsdatum solange, wie sich die Massen von Promis aus Politik, Wirtschaft, deren Lakaien und andere Kompetenzsimulanten gegenseitig auf die Schultern klopfen. Habe mit heute allerdings nicht die Mühe gemacht, um etwas genauer hinzuschauen. Mir kam allerdings eine Frage zum Portal hoch, verstehe nämlich nicht, weshalb man dort auf schlecht ausgeführte Pferdetreppen angelegt hat.
Lustig fand ich dort die abschließbaren Separees mit den Pissbecken für Stehpinkler. Allerdings können es nun auch Frauen und das dritte und vierte Geschlecht den Kerlen gleichtun und müssen nicht mehr sitzen…
Die Scheffin findet diese Dinger gut, weil sie der Meinung ist, da es bestimmt Männer gibt, die sich beim Pipi machen fürchterlich schämen.
Fragte mich nur, weshalb sie sich darüber einen Kopf macht, wenn Typen nebeneinander ihren Hamster melken…
O K, es gibt schon Situationen die für manche Softis sehr unangenehm sein können, wenn z. B. neben denen ein trocken pissender Geilhuber steht, welcher stieren Blickes, die Schwänze seiner Nachbarn begutachtet.
Daran wird sie natürlich keinen Gedanken verschwendet haben, von jenem Hobby wird Madame außerdem noch nie etwas gehört haben.
Allerdings fiel mir augenblicklich auch wieder ein Witz ein, der auf eine Begebenheit abzielt, die dort nicht mehr stattfinden kann. Hielt natürlich in dem Moment meine Klappe. Weil sie garantiert die dort geschilderte Situationskomik, natürlich als politisch Inkorrekt und möglicherweise sogar männerfeindlich klassifizieren würde…
Steht ein pinkelnder Typ entspannt am Pissbecken, als ein anderer erscheint. Stöhnend versucht der eine Stange Wasser abzutrahlen, sträußelt dabei nach allen Seiten und dem Nachbarn natürlich auf seine Schuhe.
„Eh, Alter! Kannst du nicht vernünftig pinkeln?“
„Oh, ich bitte vielmals um Entschuldigung, habe nämlich große Scherereien mit meiner Prostata!“
„Dies konnte ich ja nicht ahnen…“
Kurze Zeit später, die identische Situation.
Als der neu ankommende Mann an seiner Hose rumfummelt, dabei dem anderen plötzlich wieder mächtig auf die Schuhe spritzt, sag der Betroffene: „Macht nichts, nehme an, sie haben es auch mit der Prostata!“

Entgegnet der angesprochene sauwütend, „sagst du noch ein Ton, dann poliere ich dir deine Fresse! Ich kriege nämlich meinen Reißverschluss nicht auf!“

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