Hieronymos E. Post

Nach diesem Geschreibsel folgen mehrere Werke des oben genannten surrealistischen Malers und Illustrators. Zu den Photo mit ihm und seiner Darstellung von „Stalin“, dem schwarzen Stubentiger, muss ich in eigener Sache noch etwas ablassen.

Leider befindet sich auf diesem Bildchen nur etwa ein viertel unserer Wandergruppe - Tour vom KIFFhäuserdenkmal nach Bad Frankenhausen

Das mir jenes Schwarzweißbild wieder in die Hände fiel, ist der Mutter meiner Schwester zu verdanken, ihrer freiwilligen Emsigkeit. Da sie immer mal wieder solche Aufnahmen in der „Villa“ übergab. Zwei gefüllte Schuhkartons mit witzigen Ablichtungen beseitigte das „Arschloch“ (der prügelnde Beschäler meiner Schwester) während meiner Zeit im „humanen sozialistischen Strafvollzug“.
Nebenbei ist es die einzige Aufnahme, die mir mit meiner Jacke blieb, vom Sommer 1971, in der Nähe des KyffhäuserDenkmals, „Ecke“ hockt zentriert vor uns.
– Monate dauerte es (1970) bis ich die vielen Kilo Shetlandwolle zusammen hatte. Als größtes Hindernis stellte sich die orange Grundfarbe heraus, wegen der Menge. Eigentlich sollte an die Klamotte ein breiter blauer Kragen, die ergatterte Wolle reichte gerade für die beiden Bündchen.
Die Kanadischen Flagge am linken Arm brachte mir anschließend sehr viel Ärger ein.
In den 12 Wochen meiner Knüpferei gab es mehrfach organisierte Freizeit auf dem Amt. Anlässlich der erfolgten Anzeige meiner „Mutter“, wegen „asozialen Verhaltens“. Ihre Genossen wollten genau wissen, von was ich damals lebte, obwohl zu Hause das monatliche Kostgeld schon im voraus beglichen war. Taschengeld gab es für Teile meiner wertvollen Buchbestände, was den beiden Angestellten vom christlichen Antiquariat ebenfalls Unannehmlichkeiten brachte, da sie meine „dekadente Lebensweise“ begünstigten.
Schnurrig wurde die neugierige Meute, als ich begann Vinylscheiben zu verklickern. Die Jungs waren ja reichlich bekloppt, aber nicht von gestern, sie kannten die Preise schließlich auch. Für Raritäten aus der Zone, Ungarn, Polen und dem Tschechland gab es vom Mähdrescher aufwärts, Westscheiben lagen zwischen 120 und 150 Eiern, es befanden sich aber keine verbotenen darunter.
Mit einer leichten Finte wurde alles umgangen. Die Kumpels schauten sich die Platten an, bezahlten dreiviertel des Preises vorher und den Rest ließ ich mir öffentlich in der Meute geben.

Fußnote: Genau in dieser Zeit schenkte mir der Vater eines Bekannten ein total zotteliges Bergziegenfell, es sollte aus dem Himalaja stammen. Bekam es mit der Bemerkung, dass ich es nicht fertig bringen würde, daraus eine Mütze herzustellen.
Nichts leichter als dies, in ein paar Stunden war es vollbracht.
Irgend jemand meinte, als er mich das erste Mal mit dem Teil auf dem Haupt sah: „Mensch, Alter mit diesem Toupet auf deiner Rübe erscheint Angela Davis wie ein Glatzkopf!“
Zum kompletten Erscheinungsbild gehörte letztendlich ein größerer Beutel aus Jute, der immer gut sichtbar auf dem Rücken hing, mit der Aufschrift: IHRE KLEIDUNG GEFÄLLT MIR AUCH NICHT – die Schriftart dafür entlehnte ich der Headline vom Zentralorgan der SED.

IHRE KLEIDUNG GEFÄLLT MIR AUCH NICHT! Mit diesem Säckel über der Schulter kam es vor, dass mich sogar alte Leute ansprachen, weil sie mein Outfit sehr originell fanden. Einmal allerdings geriet ich an einen vollkommen humorlosen Knecht, dies geschah in der Hauptstadt.
Auf dem Alex warteten wir auf den kambodschanischen Schlagzeuger der Weimarer Gruppe „Bayon“, er sollte mir aus Westberlin einen Shell-Parka mitbringen. An der Nuttenbrosche vor dem Centrum-Warenhaus hielt ich Ausschau nach ihm, als Vopos wegen anstehender Langeweile begannen Ausweise zu kontrollieren und mich jemand schräg von hinten anquatschte. Ob ich mit dem Spruch auch sein Ehrenkleid meinen würde. Natürlich registrierte ich, dass der Fragesteller in Uniform da herum lungerte, scheinbar nicht gewohnt, dass ihn jemand ignorierte, kam seine Frage noch mal.
Es gibt Momente, da weiß man nicht wie man reagieren soll, ihn mit abschätzigen Blick musternd: „Eh, wem die Jacke passt, der zieht sie sich an! Eh!“, etwas leiser, „Eh Schäks (ugs. Hallenser Dialekt, Junge oder auch Bruder), lass mich in Ruhe und verpiss dich!“
Ruckartig konnte ich meinen Date vergessen und wurde bis zum nächsten Morgen auf dem Revier am Alex weggeschlossen.

Betrifft unseren Kater in Melkow.
Als eine der wenigen im Ort besaßen wir für unser Glotze einen selbstgebauten Konverter, deshalb sahen sich die Gören aus der Nachbarschaft bei uns täglich die englischsprachige Sesamstraße im „Dritten“ an. Alles nahm solche Ausmaße an, dass die Kids nachmittags, wenn niemand daheim war, in der Kneipe nach schauten, um sich den Hausschlüssel zu besorgen.
Vom Dorfschulzen hagelte es Verwarnung, wegen der Verbreitung von Westfernsehen. Keiner von uns reagierte auf diese Anmache.
Ein weiteres Mal trat der Gendarm auf den Plan, als der rührige Nachbar von gegenüber ihm etwas steckte. Die fernsehgeilen Monster hatten sich, wie üblich den Schlüssel aus dem Wirtshaus besort und beim Aufschließen nicht auf unseren Kater geachtet. Aufgeschreckt von den Kleinen, die ihn kreischend einfangen wollten, tat der nichts Eiligeres und huschte auf die Birke vorm Haus. Der Älteste auf den Baum hinter dem Tier her, bis er sich nicht mehr weiter traute, wobei er den Dachhasen in den Wipfel scheuchte, der nun ganz oben ängstlich angekrallt, zum Gott erbarmen mauzte. Zur Katzenrettung aus der Kneipe geholt, bot sich ein Bild zum Quieken. Um den Baum herum mehrere Wänste, die mit ihren heiser gewordenen Stimmchen immer wieder riefen: „Staaaliin komm!… Stalin komm endlich runter!… Staaaliiin!…“
Unsere Rettungsaktion gelang mit zwei gegenseitig angestellten Leitern. Binnen kurzem fühlte die dämliche Miez wieder Boden unter ihren Pfoten und wir bekamen am folgenden Tag Besuch vom Gendarm. Dieser legte uns ans Herz, dem Kater doch einen vernünftigen Namen zu geben. Nun wurde begonnen, ihn besoffen zu quatschen. Es fing damit an, dass man Katzen nicht beliebig umbenennen könnte, außerdem müsste in dem Namen unbedingt ein „I“ vorkommen. Nach längerem hin und her drehte er wütend bei. Ohne große Kompromisse einzugehen, waren wir ja bereit, unserem Mäusejäger einen anderen Namen zu verpassen. Mit ersteren, wusste der Polizist nichts anzufangen, den zweiten schien er schon mal gehört zu haben.
Unsere Namensvorschläge lauteten: „Trotzki“ oder „Lenin“.
Letztendlich blieb Stalin, Stalin! Eigentlich war dieser Namen nicht korrekt gewählt, denn später stellte sich heraus, dass es sich bei Ihm um eine Sie handelte, der Beweis wurde erbrachte, nach dem der Distriktbeschäler nicht nur seine Pfoten im Spiel hatte.

Nun zur Malerei von Hieronymos E. Post

Der Scheff

Ein Gedanke zu „Hieronymos E. Post

  1. Witschel

    Hallo Ede,

    sehr schöner text – kann mich an dein outfit noch sehr gut u.gern ernnern 1
    soll dich übrigens von hucky (Libutzki/ Edersleben) grüssen -heute in d. Stadt getroffen.

    Witschel

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