NÄCHTLICHER VERSUCH EINER ENTSORGUNG – Sommer ’80

Vor vielen Jahren, Anfang der 80er, als mein alter Kumpel Yogi noch aktiv seinem Broterwerb bei der BVG – Fahrbereitschaft nachging, ergab es sich, dass er alle paar Monate Klimbim aus dem Firmenfundbüro, welches die dortigen Kollegen nach einer Wartefrist als nicht versteigerungswürdig hielten, in die Müllverbrennung transportierte. Als ich dies erfuhr, kam er anschließend bei mehreren dieser Touren bei mir vorbei. Etliche Kubikmeter dieser Fundgegenstände landeten so in meinem sehr großen Keller und anschließend auf Flohmärkten.
Hunderte von Koffern, Taschen, Geldkatzen, Brieftaschen, Regenschirmen, jegliche Art von Textilien, unterschiedlichster Schuhe u.s.w. , nebenbei auch haufenweise Vibratoren mannigfaltigster Form und Farbe, genauso Dessous.
Da machte beim Verkauf Kleinvieh richtig Mist.
Verwunderung kam mir auf, über die Unmengen an Kühlschränken, alten Glotzen, Möbeln und Ma­tratzen, die oft die größten Mengen auf dem LKW ausmachten.
„Ganz einfach, es ist für viele Mitbürger die billigste Form der Entsorgung von Sperrmüll.“
Dies wiederum fand ich sehr witzig. Bei meiner kleinbürgerlichen Sperre wäre ich nie auf diese Idee gekommen. Allerdings gab es schon was her, besser als den ganzen Scheiß einfach auf die Straße zu stellen. Bei den BVG-Fahrpreisen müsste dieser Service eigentlich mit drin sein…
Auf einer Fete ergab es sich, dass ich dieses Problem mal zum Besten gab, die Runde schien arg belustigt.
Wenig später schilderte ein Bekannter in fröhlicher Kifferrunde den Versuch der Entsorgung seiner alten Glotze, nach meinem damals erfolgten Bericht. Die leider etwas anders verlief, als es sich die beiden Umweltsauen vorstellten.
Auch etwas bürgerlich ge’schamicht, sollte die Aktion im Dunkeln steigen. Von Nutzen schien die Tatsache, dass einer sowieso mit letzter U-Bahn in Richtung Herrmannplatz wollte. Vorher wurde noch ein Hörnchen, mit Gras und Lachtürken eingepickt. Dann machte man sich ans Werk. Bei dem zu entsorgenden Corpus delicti handelte es sich um eine riesige, sauschwere Schwarz/Weiß-Glotze aus den Endsechzigern. Die Maßnahme sollte eigentlich schon nach den zwei Etagen vom Hinterhaus auf die Straße abgebrochen werden. Da nun das schwierigste erledigt schien, waren die paar hundert Meter von der Ecke Fechnerstraße, die Sigmaringer runter ein Stück Brandenburgische doch nur ein Klacks. Wer Wilmersdorf etwas kennt, wird sich vorstellen können, wie es schallte in den leergefegten Straßenschluchten, als zwei voll gedröhnte, ewig lachende Typen weit nach Mitternacht versuchten, ein verdammt unhandliches Teil zu hucken. Während einer längeren Rast auf halber Strecke, wurde ernstlich die Gegend abgeleuchtet, denn das elektronische Gerät schien mittlerweile Zentner zu wiegen. Oh, Gott diese verlockenden Möglichkeiten, dieses Teil unauffällig verschwinden zu lassen. Da bot sich in unmittelbarer Nähe die riesige Garage unterhalb der dortigen Turnhalle an, oder der mit Sträuchern umwachsene Kinderspielplatz gleich anschließend. Nix, es musste zu Ende gebracht werden. Als nächste Rast wurde die Ecke Gasteiner/Brandenburgische auserkoren. Kaum vor dem Gesundheitsamt entspannt auf einer Bank sitzend, die Hufen auf dem unförmigen Möbel ausgestreckt, als zwei jung/dynamische Herren erschienen, die für den Anfang verdammt viel Fragen auf einmal abließen – Warum zu nächtlicher Stunde so ein Krach veranstaltet würde, woher der Fernseher stammte, wohin er sollte und schließlich, na zeigen sie doch mal ihre Personalausweise!
Erst wurde noch etwas gefrotzelt, aber nachdem einer der neugierigen Herren mit einem Dienstausweis rumfuchtelte, war ruckartig Schluss mit lustig, denn keiner konnte die verlangten Papiere vorweisen. Nun wurde von den Zivis in Erwägung gezogen, eine Grüne Minna zu ordern zwecks Überprüfung der Personalien, dies konnte aber abgebogen werden. Man einigte sich, dass ein Kollege mit in die Fechnerstraße ging, um zu überprüfen, ob die mündlichen Angaben stimmten, außerdem sich dort ein Ausweis befand. Die anderen beiden machten es sich derweil auf der Parkbank bequem.
Alles regelte sich kürzester Zeit, der Gendarm wurden im Flur sogar auf die Abdrücke der Glotze im Teppichboden hingewiesen.
Wieder retour, verabschiedeten sich die Zivilen, stiegen in ihr Auto und weg waren sie, allerdings die letzte U-Bahn ebenso. Nun schien guter Rat aber teuer, fluchend ging es zurück und man parkte das Kommunikationsmöbel bis zum nächsten Morgen gleich hinter der Eingangstür im Vorderhaus. Anschließend gings für den Rest der Nacht ins „Flöz“, das war der Laden von Franz de Brüll.
Kurz nach dem Aufstehen, am frühen Nachmittag, stellte mein Nachbar fest, dass irgend so ein Schwein die Glotze geklaut hatte.

Ein Gedanke zu „NÄCHTLICHER VERSUCH EINER ENTSORGUNG – Sommer ’80

  1. Micha

    Komisch, irgendwie kommt mir die Story bekannt vor. Aber mein Alter kann mir das nicht erzählt haben – oder? Egal, vielleicht habe ich das auch nur geträumt.

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