Archiv für den Tag: 14. Januar 2020

Beim steinollen Matthäus heißt es irgendwo: „Selig sind die geistig Armen!“

Fortsetzung von…
Was unverblümt nur bedeutet: Sie flippen zwar physisch unversehrt im siebten Himmel umher, sind ansonsten strohdumm aber ausgelassen glücklich!
Vox populi bringt es noch praktischer auf den Punkt: Selig sind die Bekloppten, denn sie müssen nicht ewig einen Hammer griffbereit mit herumschleppen!
Wobei mir sattsam bekannt ist, dass die breite Masse des Homo sapiens, auf gar keinen Fall, jemals nach solch humanistischer Vollendung strebte, wie sie von Immanuel Cunt, in seiner elitär schwer nachvollziehbaren Deutlichkeit, artikuliert wurden. Schon gar nicht, was jedes Menschlein unter dem kategorische Imperativ verstehen sollte.
Als größte Errungenschaft muss den Funktionären der christlichen Konfessionen angerechnet werden, dass sie in den Jahrhunderten den vielen Fans ihrer Gottheit, mit entsprechenden Zweideutigkeiten einen Weg vorschrieben, welcher letztlich in der Sackgasse endete, wo es nun fast unmöglich geworden ist, daraus einen nachhaltigen (In solchen Zusammenhängen liebe ich diese vollkommen idiotische Vokabel.) Rückweg zu finden.
Im „Fürst“ lässt sich Machiavelli permanent über das Glück aus.
Der Gegenbegriff richtiger gesagt das Korrelat zu virtù (Tugend) ist: fortuna (Glück). Auch dieser Begriff schillert bei Machiavelli in vielen Farben. Er bezeichnet die Summe alles dessen, was auf das Schicksal des Menschen einwirkt, aber außerhalb der Reichweite seines Willens liegt, was als Bedingung, als Chance oder als Zwang sein Handeln mitbestimmt, es ohne sein Zutun und Verdienst fördert oder es ohne sein Verschulden zum Scheitern verurteilt – die Summe der wechselnden Umstände, der unabsehbaren Möglichkeiten und Verwicklungen, der zuhilfekommenden Glücksfälle und der unerwarteten Gegenschläge. Wenn die virtù als der aktive Pol im politischen Geschehen bezeichnet werden konnte, so bildet fortuna den Gegenpol dazu, das Widerstrebende, das Hinzunehmende, das Unangreifbare. Ihr Wesen aber ist, daß sie sich nicht als unveränderliche Größe und als starrer Widerstand äußert (Tatsachen und Mächte dieser Art nennt Machiavelli necessitå, die Notwendigkeit), sondern als unendliche Vielfalt von Faktoren, die miteinander verschlungen und zum großen Teil ambivalent sind: vieles, was wie eine Hilfe aussieht und zunächst auch als solche wirkt, erweist sich auf die Dauer als Verhängnis, vieles, was als günstige Gelegenheit erscheint, ist in Wahrheit eine Fessel oder eine Falle. Fortuna ist eine verschwenderische Geberin, aber sie ist auch untreu, unberechenbar, oft sogar heimtückisch. Sie ist Göttin und Ungeheuer zugleich!
(Einführung von Hans Freyer zu Nicolo Machiavelli – Der Fürst – Reclamverlag Stuttgart, ISBN 3-15-001218-X)

Weiterlesen