Der Historikers Hans Mommsen geht nicht mehr einkaufen

Mal etwas aus der NZZ, die ich momentan noch für lesbar halte. Kein Wunder, erscheint sie doch als deutschsprachigen Zeitschrift, außerhalb des Geltungsbereiches der EU. Folglich ist sie auch nicht mit den hier üblichen Touch bundesgermanischer Regierungspostillen behaftet. Denn es fällt mir immer schwerer hiesige Periodika kontinuierlich zu verfolgen, auf den täglichen Dünnschiss aus dem Äther will ich erst gar nicht eingehen.
Deshalb wurde Mommsens Ableben auch nur beiläufig registriert – deshalb mal eine Sicht aus anderen Gefilden: „Die Analyse der deutschen Katastrophe“. (Falls sich wirklich jemand die Mühe macht und den Artikel liest, sollte er zumindest die Interpretation von zwei wichtigen Begriffen wissen: «polykratische» Chaos hat laut Mommsen einen Prozess der «kumulativen Radikalisierung» in Gang gesetzt.)
Fand anschließend im Netz natürlich eine Menge von nachträglichen Lobhudelei zu seinem Gesamtwerk. Dazu kann ich nur bemerken, Mommsen tätigte zwar eine ausführliche, aber bisweilen auch sehr gefällige Betrachtung der Vergangenheit – um tiefer in die Sphäre des III. Reiches einzudringen, müssen zwangsläufig ganz andere Analysen mit herangezogen werden.
Anders verhält es sich mit: «Die verspielte Freiheit» (Ein fetter Wälzer mit einem stolzem Preis, der auch irgendwo bei mir verstaubt. Sollte ihn mal wieder hervorkramen, wegen der mittlerweile echten Parallelen zur geschilderten Ära.), auf dessen Titel im Artikel hingewiesen wird, in der er das verhängnisvolle Wirken der konservativen Eliten in Staat und Gesellschaft herausarbeitete.
Hört, hört!
Damals existierten in Weimarer Gefilden noch Eliten, zwar konservativer Prägung, aber es gab auf vielen Ebenen noch herausragende Spitzen der Gesellschaft! Allerdings soll man konservative Prägungen nicht unbedingt mit x-beliebigen reaktionären Strömungen gleichsetzen! Denn in gewisser weise sollte nicht auf ganz bestimmte wertkonservative Rahmenbedingung verzichtet werden, die sich schon seit anno knips, als sehr brauchbare Sachverhalt innerhalb der Gesellschaft herausstellten und auch in UNSEREN Sozialstrukturen für eine verantwortungsvolle Basis Sorge tragen müssten! Was seit der vielen Jahrtausenden Menschwerdung, fatalerweise niemals auf lange Sicht funktionierte…
Nerve hier mal wieder mit einem Spruch von y Gasset, der da lautet: “Traditionen pflegen heißt die Flamme bewahren – nicht die Asche anbeten!”
Auch 70 Jahre nach der letzten weltweiten Katastrophe hat sich gerade Deutschland, vom Ausbluten und der Eliminierung seiner Eliten, noch nicht mal annähernd erholt. Brachte aber als logische Schlussfolgerung, massenhaft Asche-Anbeter hervor, die gerade in der heutigen Situation, erschrocken in der Weltgeschichte umherschauen, wie Gänse wenn es donnert und die wissen dann auch nicht weiter. Dabei sind die heutigen Konflikte hausgemacht, unter der hervorragenden Führung gewisser Kreise aus US-Amiland und anderer Möchtegerngroßmächten, die sich liebend gern in weltpolitischen Vormachtrollen sehen würden…
Nexø s meinte mal: Jeder Tag stellte seine Probleme, die unabweislich nach einer Lösung verlangten, um hinterher vielleicht in neuer Gestalt aufzutauchen. Recht hatte er! Allerdings können keine Konflikte irgendwelcher Art auf Dauer militärisch gelöst werden, egal mit welchen pfiffigen und total destruktiven Geistesblitzen Militärs und Industrie auch aufwarten…
Etwas tragisches kommt hinzu, selbige Leute, nebst ihrer Lakaien in den Führungsebenen, wollen als Eliten verstanden werden. Dabei sehe ich jene Crème de la Crème, lediglich als schleimige Paste, die bei mir noch nicht mal als Schmiermittel taugt, während ihrer irrwitzigen Selbstdarstellungen in Talkshows.
Jedes Volk hat die demokratisch auserwählten Spitzen der Gesellschaft, die es verdient. Dabei erblicke ich absolut keinen Vorteil darin, wenn sich deren schwere Verantwortungslast, innerhalb der EU, auf vielen Schultern verteilt.
Lande nun endlich wieder beim verblichenen Hans Mommsen.
Was hat sein akribisch vollendetes Lebenswerk für die Neuzeit eigentlich gebracht, wo sind all jene Leute, die aus der Vergangenheit entsprechende Lehren gezogen haben und andere gangbare Wege aufzeichnen können?
Gut, ein laufender Meter seiner Folianten geben in einem Billy-Regal, neben der abgegriffenen Klassenkampfliteratur vergangener Tage, schon etwas her…

Heutige Mucke: Juego Listo Live at Newby’s on 2008-07-20

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