Eine seltsame Geschichte – Wie ich zu den Feuerwehr-Boots kam!

Fand einen angefangenen Schrieb, den ich heute beenden möchte, weil mich dieser Corona-Scheiß wirklich maßlos ankotzt, deshalb mal etwas anderes!
Mitte der 80er des letzten Jahrhunderts hatte ich, bei Hannover, eine recht große Wohnung renoviert. Neue Elektrik, alles Tapezieren und streichen, zwei Bäder gefliest und die Risse in der Bodenplatte des Bungalow beseitigt, weil dort ewig Massen an Ameisen auftauchten…
Nach Verlegung von Auslegeware wurden in sämtlichen Zimmern neue Scheuerleisten angebracht, dazu brauchte ich eine vernünftige Gehrungssäge.
Meine Auftraggeber meinten, sie würden eine kaufen und mir dann schenken, abends waren sie dann doch sehr leicht pikiert über den Preis.
Es existieren ja Zeitgenossen, die haben mit ihrer vielen Kohle jegliches Verhältnis zur Realität verloren!
Das Teil „kostete“ fast 300 DM!
Stellte sehr schnell fest, im Bauhaus ward auf der Rechnung das Komma um eine Stelle verrutscht und beim Bezahlen kam der Scheffin aber auch kein Misstrauen auf, sie zahlte, ohne sich weiterhin einen Kopf zumachen.
Am nächsten Tag wurde im Baumarkt nachgeschaut, aber anschließend das Ding nicht zurückgegeben, bzw. die Rechnung korrigiert. Ihnen schien es vollkommen egal, für mein Geschenk war der exorbitante Preis vollkommen nebensächlich. Daraufhin sagte ich ihnen, während der abendliche Zecherei, dass ich die Säge ganz vorsichtig behandeln täte und nach Vollendung der Arbeit, das Ding zurückgeben würde, so als Rache. Grinsend und mit sehr viel Interesse bekam ich ihren Segen.
„Falls doch etwas schieflief, würde ich mich entsprechend einsetzen, schließlich bin ich ja Anwalt!“
Zwei Tage später stand ich an der Info des Baumarktes. Machte den dortigen Knecht gleich höflich darauf aufmerksam, er solle aber nicht auf die Idee kommen und mir einem Wertgutschein auszuhändigen, was damals eigentlich immer Usus war.
Dem Mann war die Angelegenheit so peinlich, dass er wortlos alles zu meiner vollsten Zufriedenheit erledigte!
Schlamperte daraufhin noch etwas in der Landeshauptstadt herum und stand plötzlich vor einem Laden, der Equipment für Feuerwehrleute verkaufte. Dort schauten mich diese Botten in der Auslage an.
Zur kurzen Bedenkzeit ging es in eine Kneipe nebenan, die gezechten Volksdrogen mussten mir an den Synapsen eine mächtige Laufmasche verpasst haben. Anschließend kaufte ich nämlich das Schuhwerk. Werder vorher, noch danach wurde je in solch einen Fehlkauf investiert!
Dies hatte einen simpelen Grund, denn damals lief ich, auch bis mehrere Grade unter Null, immer barfuß mit Sandalen herum. Lediglich bei höherem Schnee und Vereisungen wurden kurzfristig hohe Schuhe angezogen, schon wegen meiner ganzjährigen Fahrradbenutzung…
Dazu musste dann die Tschechischen Armeestiefel herhalten, die während der restlichen Zeit, mindestens zweimal im Jahr, mit Lederfett behandelt wurden und ich Depp kaufte mir noch jene Euro-Proof F2A Feuerwehrsicherheitsstiefel der gehobenen Klasse, mit Stahlkappen, Stahlzwischensohlen, aus robustem Rindleder, Feuerresistent und kurzfristig bis 2400 Celsius belastbar. Mit Lederfutter, feuerfesten Nähten und Senkel aus speziellem Nomex Garn. Weichen Knöchelpolstern, Spitzenschutz und bis 28 cm Wattfähigkeit, Reißverschlusslaschen zum Schnüren, ganzflächig auswechselbaren Einlegesohlen, geschlossenen und gepolsterten Laschen, rutschsicheren, grobstolligen Laufsohlen aus Gummi/ PU mit geprüftem Profil (SRC) und Steilfrontabsätzen, ebenso für orthopädische Schuhzurichtungen geeignet…
Meine Leute waren begeistert über meinen rückgängig gemachten Deal, was mit einer A4-Retoure aus den Bauhaus belegt wurde, fanden das Schuhwerk sehr schick und besser als Springerstiefel aus dem Ami-Stegshop.
Wer ohne mit der Wimper zuzucken, fast 300 M-chen für eine Gehrungssäge ausgab, den interessierte auch der Preis von Sicherheitsschuhen absolut nicht.
Einige Tage später, wieder in Berlin, fand meine Freundin jene „Springerstiefel“ auch ganz toll, „endlich hast du dir mal vernünftige Schuhwerk für den Winter zugelegt“, fragte aber gleichzeitig nach dem Preis, ohne eine Antwort meinerseits, zeigte ich ihr die Rechnung.
„So lange ich dich kenne, läufst du ewig mit total angeranztem Zeug herum, bis es dir von den Füßen fällt und einmal kaufst du dir etwas und ich muss prompt feststellen, dass du nicht ganz dicht bist!“
Anschließend fand Madame jene zweifarbigen Schnürsenkel auch nicht prickelnd, dabei passte sie ausgesprochen gut zum Styling!
Einige male interviewten mich junge Punkies im SO36 zu den geilen Stiefel, wollten natürlich wissen, wo es die gab und wie viel sie kosten würden. Monatelang steckte die Rechnung in meiner Weste, ohne ein Ton verlauten zulassen, zückte ich in solchen Momenten das Papierchen. Eben noch freudig erregte Gesichter, die sich nach einem Blick auf den Schrieb, ruckartig zu geballten Fäusten wandelten, denn die Boots kosteten fast 300 Märker…

PS. Die Schefffin unterstellt mir öfters, dass es sich bei mir um eine Art Messi handeln würde, dies stimmt nicht 100 pro! Dabei trenne ich mich später lediglich von Sachen, die absolut nicht mehr reparabel erscheinen und wirklich im Arsch sind. Die beiden Feuerwehrschuhe wurde genauso behandelt wie die Armee-Treter, doch plötzlich lösten sich von ihnen die Sohlen, weshalb, dies konnte ich nicht nachvollziehen – wahrscheinlich eine Obsoleszenz-Geschichte!
So musste Madame zu ihrem Leidwesen beide Botten noch eine Sommersaison als Blumentöpfe ertragen, denn sie standen gefüllt mit bunten Pflanzen am Rand der Terrasse herum.
Als Dateienschlampe weiß ich momentan natürlich nicht, wo jene abgelichteten Beweise versenkt wurden…

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