“Akkordeon ist das unsexyeste Instrument der Welt – und ein Hingucker”

Ekki Busch über Instrument des Jahres 2026
Klavierspielen durfte ich nie lernen, denn das abscheuliche Muttertier meinte öfters zu meiner Be­gehr: Dabei würde es sich um ein kleinbürgerliches Relikt handeln und mein weiteres Fortkommen müsste ich demnächst sowieso, in der Naumburger Kadettenanstalt sehen…
Dachte mir nämlich, mit Klavierunterricht während der ersten Schuljahre, damit das langanhalten­den Mobbing der Mitschüler und Lehrer spielend unterlaufen zu können. Ebenso die Tatsache, dass ich in der Zeit auch keine Freunde hatte, weil mich alle schnitten, als Ableger einer widerlichen RO­TEN ZECKE.
Irgendwo hing mir ewig an, jegliche Beobachtungen sofort der Alten zu petzen, was niemals geschah, ganz im Gegenteil! Fast 6 Jahre hielt dieses Missgeschick an. Als es sich dann langsam wandelte, ging damit der sachte Gewöhnungsprozess an C2H5OH einher…
Meine beginnende heimliche Schulbekanntschaft, war für den Kumpel auch mit folgenreichen Er­wartungen verbunden. Sein Vater, ein Kneiper, brachte es so auf den Punkt: Wenn ich irgendwann erfahren sollte, dass du dich mit dem Sohn dieser Kommunistenfotze abgibst, dann schlage ich dich tot!
Mit D. durfte ich deshalb nie Kontakt aufnehmen, weil sein Vater mal ein Sturmlokal der SA be­trieb.
Dabei lebte ich in einer musikalisch bewanderten Familie, Großvater spielte bis zu seiner kriegsbe­dingten Handverletzung auch Piano, ebenso seine Gattin und sogar ihre Tochter. Als Zwerg kann ich mich noch erinnern, da gab es mit Freunden sogar Hausmusik!
Während seiner Reha in Flandern, lernte Opa dann aber linkshändig Mundharmonika.
Allerdings kann ich, zu meiner anderthalbjährigen Heimzeit, auf eine merkwürdige Musiker-Kariere verweisen…
Außerdem wurde sich am Ende der 10. Klasse noch halbherzig am Akkordion vergangen, als ich „Junge, komm bald wieder“ erkennbar drauf hatte, begann meine Lehrzeit in Warnemünde…
Dort oben endete auch alles vollkommen chaotisch, weil dazu meine langen Haare eine besondere Rolle spielten. Trickste deshalb herum, ließ mich im Spätsommer am Blinddarm operieren und hinderte wochenlang erfolgreich die Narbe an einem Heilungsprozess. Zum 18. Geburtstag kündig­te ich meinen Lehrvertrag und es ging zurück.
Darauf folgte bald ein neuerlicher Einsatz der Mutter meiner Schwester, wegen des weiter sprießen­den Haarschopfes. Eigentlich konnte niemand etwas dagegen unternehmen, begann nämlich meinen Ausweis öfters in die Waschmaschine zuwerfen, besaß deshalb immer ein aktuelles Bild in der Flebbe.
Eine Aktion der Alten folgte auf den Fuß, weil ihr dieses Genossenpack ewig auf den Zünder ging, tätigte sie einen Gang zum Wehrkreiskommando: Zieht den Jungen zur Armee, denn der ist momen­tan mit einem anständigen Mädchen zusammen und deshalb wird er keine Schwierigkeiten machen!

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