Archiv für den Tag: 23. September 2014

Frank Castorf im Interview „Am liebsten hätten sie veganes Theater“

und dies sehr, sehr nachhaltig!

…irgendwann wird der Name Timm Renner ins Rund geworfen. Ob es dabei bleiben würde, wenn Castorf dem Guldursenador lediglich jene Vision eines Proberaumes für Rammstein beimisst. Na, na Frank, dabei hat der Herr Senator für seine Verhältnisse, mit dieser kulturellen Inspiration doch recht hoch gegriffen. Dem würde ich sogar zutrauen, besagte Hütte am Luxemburg-Platz in einen ganz anderen Tempel zu verwandeln, vielleicht in Richtung eines riesigen Darkrooms mit entsprechenden Kulturprogrammen…

Für mich liegen aber erlebbare kulturelle Belange zwischen den Ansichten der beiden Leute. Ich erinnere mich sehr gern an die mal vorhandene Vielfalt in den Cola-Sektoren, die es etwas kleiner und intimer auch in der Hauptstadt gab, deren Anfänge mir noch aus den beginnenden 1970ern in Erinnerung blieben.

Auf beiden Seiten glimmten mehrere Jahrzehnte unterschiedlichste Formen ihrer Darstellungen in sehr vielfältigen Kategorien, die kurz vor und nach dem Mauerfall kulminierten. Allerdings irrten damals nicht solche Massen von kulturbeflissenen Flachzangen durch die Schluchten des schon recht spezifischen Berliner Kunstbetriebes. Hinzu kam, aus Prestigegründen wurden auf beiden Seiten der geteilten Stadt, zeitweise Gelder aus Töpfen ohne Boden geschöpft. Der Wandel im Kunstbetrieb manifestiert sich in heutiger Zeit auch dadurch, dass der versiegenden Qualität eine ausufernde Quantität der Beliebigkeit entgegensteht, wo man nach Quoten um die Gunst der Verbraucher und Verbraucherinnen buhlt, besser gesagt, den pseudo-hedonistisch veranlagten KonsumentenInnen eine Art billiges vorgekautes Fastfood in ihre gierigen Mäuler stopft.

Wobei der Vergleich mit den Innenstädten von Stuttgart oder Frankfurt nun zu hinken beginnt, da auf dem Fangelsbachfriedhof der schwäbischen Metropole öfters mehr los ist als im Kulturgeschäft des hundeverschissenen Bundeshauptdorfes, vom quirligen Frankfurter Bahnhofsviertel ganz zu schweigen…

Abschließend möchte ich unbedingt noch Katharina Thalbach widersprechen!

Also, manchmal tickt sie auch nicht ganz richtig, von wegen ihr altes „Piss-Berlin“ zurückhaben wollen. Dies wird sich auch in ihren kühnsten Träumen nicht verwirklichen lassen.

Frank Castorf kann da etwas mehr Glück haben und seine Einschusslöcher vielleicht schon in nächster Zeit wiederbekommen. Wenn es weltpolitisch so weiter geht, ist es sehr leicht möglich, dass demnächst auch hier die Luft noch bleihaltiger wird…