(Nr. I) wg. „IM“ Holger Friedrich – Vergangenheit lässt sich billig klittern und deckeln, aber sie bleibt trotzdem allgegenwärtig

Beginne mit Vergangenheitsurschleim, durch den ich schon waten musste, da ging ich noch nicht mal in die Schule. Meine ersten Erfahrungen machte ich bereits als fünfjähriges Bürschchen, mit den Dorfbengels in Alt Töplitz. Mit meiner Schwester befand ich mich in dem Nest, im sogenannten DFD-Kinderheim, in ihm lebten nur Ableger von roten Zecken aus der ganzen Zone. Wir wurden alle bärenmäßig von den Dörflern gemobbt und immer wieder auch physisch angegangen.
Das Muttertier hatte uns in dieses Heim verschleppt, weil sie der Meinung war, ihre Eltern würden uns zu sehr verwöhnen. Der Grund ihres Aufenthaltes in Ostberlin, hing nicht nur mit der Absolvierung eines Parteilehrjahres zusammen und dem Faible, sich in der Freizeit als Trümmerfrau zu betätigen. Die übereifrigen Jungstalinisten warte sehr lange darauf, dass sie endlich alle Formalitäten erledigen konnte, um anschließend mit einem Sowjetmajor nebst ihren Gören, endlich in Richtung Ural abdüsen zu können.
Ihre Mutter roch irgendwann den Braten und entführte darauf beide Enkel aus dem Brandenburgischen…
War ich froh, endlich wieder in den heimatlichen Kindergarten zugehen.
Allerdings entwickelte sich nach meiner darauffolgenden Einschulung, ein jahrelanges Mobbing von Seiten fast sämtlicher Klassenkameraden, gemeinsam mit einigen Lehrern.
Um jene Marter durchstehen zu können, fingen meine Großeltern sehr viel von dem schulischen Unbill auf, zum Leidwesen ihrer Tochter.
Während der folgenden Jahre bekam ich den ideologischen Zwist zwischen den drei Erwachsenen permanent mit.
Opa konnte nie verstehen, weshalb mir sein Ableger viele angehenden Bekanntschaften, ganz bestimmter Jungs, vehement verbot. Mit dem einen durfte ich nicht spielen, weil sein Vater bei der Waffen-SS war, dafür seine Mutter, als Opportunisten der SED beitrat. Beim anderen Vater traf sich jahrelang die SA in seiner Kneipe und so ging das weiter, da lag der letzte Krieg bereits 12 Jahre zurück.
Letztlich wurde dadurch aus mir ein einsamer Außenseiter, der immer mehr ausflippte, besonders gegen die vermeintliche Mutter und ihre unsäglichen Genossen. Bis bei uns immer öfters dieses Stalinisten- und Stasi-Pack auftauchte, war mir aber schon beigebracht worden, was ich auf keinen Fall draußen erzählen durfte. Deshalb bekam ich anfangs noch sehr viel mit, was die ideologischen Zwistigkeiten zwischen den Erwachsenen betrafen.
Großvater, zwar von Anbeginn in der SED, blieb aber innerlich ein Sozi. Machte sich folglich über die kommunistischen Irrwege nicht nur lustig. Da kam schon mal die Frage, ob Tochters Genossen eigentlich klar war, wie idiotisch sie mit den Mitmenschen umgingen. Auf der einen Seite machten die Funktionäre ausgiebige Kotaus vor den gewendeten Altnazis, gaben vielen von denen, im Röhgrabenviertel neue Reihenhausscheiben mit Gärten, während ehrliche Individuen, die zu bestimmten Sauereien ihr Mundwerk nicht im Zaum hielten, in den Knast wanderten…
Ob sie nicht registrierte, wie das sich entwickelnde System windschnittige Opportunisten heranzog, zwar ideologisch getrimmt, so mancher dafür auch noch dumm wie Stroh. Und diese Leute knüpften überall wieder ihre entsprechenden Seilschaften. Bald trugen auch viele Personen der gebildeten Schicht, der dortigen klassenlosen Gesellschaft, stolz ihr Bonbon.
Man muss da besonders an gewisse Abgänger von Knüppel-Akademien erinnern, aus der sich eine Kaste der Intelligenzija etablierte, die, wenn sie nicht in den Westen abhauten, plötzlich in der Dreigrammbewegung landeten. Weil es als opportun galt, dadurch irgendwelche Vorteile ergattern zu können. Wie bereits in den abgelösten Nazi-Strukturen gehabt.
Aus jenen Mitläufern erwuchsen letztlich die tragenden Säulen der roten ostdeutschen Gesellschaftsordnung, mit all seinen Auswüchsen! Was zwangsläufig zur ausufernden Paranoia in Richtung überdimensionierter Bewachung und des bedeutsamen Spitzelsystems führen musste.
Weil nämlich irgendwann auch die arrivierten Kleingeister in der Provinz sich um ihre bescheidenen Privilegien sorgten. Dabei wurden sie von oben mächtig hofiert. Es begann mit Exquisitläden für besser verdienende Zeitgenossen, den Intelligenzklubs mit ihren speziellen Angeboten, die Wiedereinführung von ehemals abgeschafften Titeln für höhere Tiere im Gesundheitswesen usw.
– Noch nicht fertig, weil ich den Bogen zu Holger Friedrich bisher nicht spannte,  ebenso fehlt noch etwas zu vermeintlichen Moralisten, wie Robert Ide, dem Buchautor und Eksperte zur deutschen Einheit…

II

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