Tagesarchiv: 6. November 2026

TAGESSPITZEL – Ein Kommentar von Christian Tretbar – Stand: heute, 20:40 Uhr

– Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden: Eine späte, aber richtige Entscheidung für eine baye­rische Brückenbauerin
– Der Prozess in der Union war kein Ruhmesblatt. Die Entscheidung selbst ist richtig. Denn sie bringt etwas mit, was eher Mangelware im politischen Betrieb ist.

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– Ilse Aigner soll es also werden. Dann doch. Noch bewegt sich das Ganze in einer Art inoffiziell offiziellem Status und das sagt viel über den Prozess hin zur Kandidatin Aigner. Und es ist notwen­dig, hier zwischen der Entscheidungsfindung und der Entscheidung selbst zu unterscheiden.
– Die Findung ist kein kommunikatives Ruhmesblatt. Vor allem für den, der es in erster Linie zu verantworten hat, nicht: Friedrich Merz. Der Kanzler und CDU-Chef hat es zu lange laufen gelas­sen. Er hatte offensichtlich selbst keine Idee für eine durchsetzbare CDU-Kandidatin. Und für seine Partei ist das auch ein schwieriges Signal, wenn ihr Vorsitzender offenbar keine wirklich überzeu­gende Kandidatin in den eigenen Reihen gefunden hat, die auch beim Koalitionspartner vermittel­bar gewesen wäre. Merz wirkt daher in dem gesamten Prozess wie ein Getriebener.
– Und gepusht hat sein bayerischer Kollege Markus Söder. Söder, man muss es einfach sagen, agierte hier beherzter, klüger und erfolgreicher.
– Seit 2004 ist Christian Tretbar beim Tagesspiegel. Erst als Reporter für den Sport, dann als Volontär. Anschließend hat er im Parlamentsbüro über innenpolitische Themen berichtet. Seit vielen Jahren kümmert er sich um die Digitalisierung des Tagesspiegels zunächst als Chefredakteur Online und Mitglied der Chefredaktion. Seit 2021 ist er zusammen mit Lorenz Maroldt Chefredakteur des Ta­gesspiegel.
– Christian Tretbar Christian Tretbar ist Chefredakteur des Tagesspiegels. Er hält die Entscheidung für Aigner für richtig, weil sie eine Brückenbauerin werden kann.
– Aber wie so oft dürften die Motive für den CSU-Chef divers sein. Ja, er kennt Aigner lange und weiß deshalb auch um ihre Qualitäten. Aber Aigner ist auch eine langjährige Rivalin in der eigenen Partei. Eine, die er nun elegant loswird. Es dürfte ihm auch eine diebische Freude bereitet haben, wie er die Schwesterpartei und vor allem ihren Vorsitzenden düpiert hat.
– Ilse Aigner ist keine Heilsbringerin, aber sie kann Brücken bauen
– Gleichzeitig ist die Entscheidung für ihn nicht ohne Risiko. Einerseits, weil sich damit für ihn selbst vorerst die Tür ins Kanzleramt schließt. Denn zwei hochrangige Posten mit CSU-Besetzung gleichzeitig, das wäre für Berlin zu viel. Und andererseits muss er mit einer Retourkutsche der CDU rechnen, auf ganz anderem Feld, zu anderem Zeitpunkt. Aber das Gedächtnis der Christdemokraten ist intakt.

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