Zum dortigen Thema: HAARE – Dazu olle entsprechende Geschichten meinerseits:
Obwohl ich schon in der Grundschule begann, mich gesellschaftlich zu verweigern und als noch vierzehnjähriger Schüler, kurz nach einer Heimeinweisung, versuchte in den Westen zu abzuhauen und der FDJ nicht beitrat, war ich zwar nicht für die DDR – aber auch nicht durchweg gegen sie.
Dies änderte sich im ersten Lehrjahr auf der Warnow-Werft, als die Stasi begann mich als Spitzel anzubaggern, damals auch als PKO erfasste wurde und man einen Einweisung in den Jugendwerkhof beantragte. (Aus Schulzeiten – ich war gerade 15 geworden – stammte auch die enge Zusammenarbeit der Tochter meiner Großeltern mit der STASI, was mir irgendwann mal gesteckt wurde und die Gauck-Behörde bestätigte. Als Einzige besaß sie ein Privileg und kam in meiner Akte immer mit Klarnamen und dem Titel Genossin vor.) Den im Sommer 1966 anstehenden Sommerurlaub als Stift in der Warnemünder Werft, verlängerte ich. Ließ mir den Appendix entfernen, streckte die Wundheilung auf viele Wochen, gesundete dann pünktlich Mitte November, anlässlich meines 18ten Geburtstages und schmiss die Lehre.
War aber für mehrere Eventualitäten gut vorbereitet. Es begann damit, dass ein Kumpel mit mitteilte, dass man mich mit langen Haaren nicht ins Lehrlingswohnheim lassen wollte.
Also landete mein Ausweis erstmalig in der Waschmaschine…
Gab aber auf der Meldestelle Probleme, da ich meinen Wilhelm in alter deutscher Schrift pinseln wollte, was man mir aber schlicht verbot. Machte daraufhin noch einen anderen Terz, weil ich es unverschämt fand, es betraf Fragen, ebenso in anderweitigen behördlichen Schriftstücken wurden sie auch ewig gestellt. Nach Zugehörig in der SS, Wehrmacht, Mitgliedschaft in der NSDAP und anderen Naziorganisationen usw. Fand diese Machenschaften immer Scheiße, schließlich ward ich ein 1948er, noch vor Gründung der „DDR“ geboren.
Mit langen Loden gab es auch noch anderweitige Probleme, z.B. während Zugfahrten nach Rosck. Da man die Gegend als Grenzgebiet klassifizierte, stand ewig die Transportpolizei auf der Matte mit ihren permanenten Ausweiskontrollen. Meine Mäcke wurde vorher immer entsprechend bearbeitet und mit Haarklemmen versehen. Darüber kam dann immer meine Baskenmütze. Es gab Leute die anschließend zum Frisör gekarrt wurden, allerdings dufte man in solchen Fällen keine allzu großen Konflikte provozieren! Da es sehr schnell ging und die Trapo konnten daraus: Widerstand gegen die Staatsgewalt drehen. Unter Umständen, wurden dann daraus zwei Totensonntagen in der Braunkohle…
Als ich im Heim auftauchte, kam der Pförtner, ein Kriegsinvalide, den wir alle sehr mochten, mit der Variante und mir das Betreten verbot. Korrekterweise wollte der Mann sich absichern, bekam aber keinen Verantwortlichen ans Rohr. Auf seinen Tipp hin ging´s nochmals quer durch das Nest zum Bahnhof, denn dort befand sich das Amt der Vopos. Die Genossen waren natürlich auch irritiert, regelten schließlich alles fernmündlich.
Lud anschließend meine drei Kumpels noch zu einem Abschiedsumtrunk in unsere Stammpinte – die „Tonhalle“.
Dort ergab es sich noch, einen wichtigen Hinweis zu ergattern. Musste am nächsten Morgen, bevor ich auf der Werft meine Kündigung abließ, mir vorher noch auf dem Bahnhof, mit meinen Lehrlingsunterlagen, eine verbilligte Rückfahrkarte besorgen…
Damals begann ich den wichtigsten Tipp für mein Leben in der Zone zu beherzigen, er stammt von meinem Kumpel, die Meue: „Alter! Es gibt im Schlaraffenland keine Gesetz, dass dich zur Mitarbeit für Horch & Greif verpflichten kann! Du musst nur nach jedem Treffen mit diesen Schweinen sofort alles breit tratschen, am Besten in der Kneipe! Denn dort hocken immer irgendwelche Strolche, die anschließend Meldung machen. Es wird nicht einfach, denn die Genossen werden anfangs mit dir Fotze zuspielen, aber irgendwann bist du aber für sie verbrannt!“ (Genauso kam es dann auch! Leider konnte ich mich nach dem Mauerfall bei der Meue nicht mehr bedanken. Irgend wann stürzte er als Alki so ab, dass er zu einem wüsten Brutalo mutierte, ihn seine Freundin irgendwann heimtückisch mit einer Schere erstach…)
Pfiffig wie die Stasi-Genossen nun mal waren, zogen sie mich nach wenigen Monaten sofort zum Ehrendienst als Bereitschaftsbulle, der Arbeiterknüppelgarde, nach Halle. Später wurde mir zugetragen, dass die Mutter meiner Schwester, damals heftig an dem Rad gedreht hatte. Weil ich mich als zweiter Halbstarker der Kleinstadt, wegen langer Haare und Bart gerade zu einem Gammler der westlichen Hemisphäre entwickelte…
„Der Junge ist momentan mit einem anständigen Mädchen zusammen! Da würde es keine weiteren Schwierigkeiten geben, wenn IHR den zur Volksarmee zieht. Dann erledigt sich das haarige Problem von selbst!“
Warum ich wegen meiner damaligen Freundin diesen Trip auf 3 Jahre ausdehnen wollte, ist wieder einen andere Geschichte. Solche verzwickten Situationen kann man häufig wie folgt sehen: Steckt der Schwanz in der Fotze, ist der Verstand oft im Arsch…
Jedenfalls gab es in der Kaserne wegen der 1000 Tage sehr viel Trouble. Kaum in Uniform, war ich nicht mehr bereit die Verpflichtung einzuhalten. Schließlich ging ich in die Bereitschaftsannalen ein, als der jüngste Soldat mit den meisten Arresttagen. Einmalig war auch die Tatsache, dass man mich am Entlassungstag, erst gegen 21:30 Uhr, aus dem Karzer schmiss.
Fast hätte es in den letzten Wochen noch einen Nachschlag im Militärknast gegeben, weil die Kompanieführung, mich als einzigen nicht überzeugen konnte, Abstand zu nehmen, von meiner Verurteilung des militärischen Eingreifens in der ČSSR, im August ´68. Außerdem fehlte meine Unterschrift unter der freiwilligen Verpflichtungserklärung aller EK´s, länger zu dienen, falls es die Partei für nötig hielt. Hielt in jener Richtung schließlich meine Klappe, da ich sonst, kurz vor der Entlassung, wegen wehrkraftzersetzender Tendenzen, noch im Militärknast gelandet wäre und diese Zeit hätte nachdienen müssen!
Wegen dieser und weiteren, ähnlicher Aktivitäten, gab es später wiederholt Reiseverbote für den Ostblock. Ein Jahr mit vielen Kompromissen und Mittelmäßigkeiten, der Bewährung im Produktionsablauf, zahlten sich dann doch aus. Im Rahmen einer Erwachsenenqualifizierung holte ich meine Berufsausbildung nach – mit leicht gepflegtem Bart und anständigem Haarschnitt.
Diese Äußerlichkeiten mussten einige Genossen so beeindruckt haben, dass sie mir für den Sommer 1971 sogar eine Reiseanlage für Polen genehmigten. Außerdem hatte ich Wochen vorher meinen Ausweis, das zweite mal in die Waschmaschine geschmissen und besaß endlich wieder ein neues Dokument mit entsprechendem Passbild und längeren Haaren…
Mit meiner eigentlichen Haarpracht gab es auch noch anderweitige Probleme. Während der 4ten Klasse schenkte mir Opa seinen ollen Detektor aus den 1920ern und ein entsprechendes Buch dazu. Mit dessen Hilfe mir die Radiobastelei begann, von da an aber fast nur noch AFN und RIAS-BERLIN lauschte. Nebenher ein großer ELVIS-Fan wurde. Mit meinen strohblonden Haaren war es mir ebenso nicht möglich, wegen zwei gigantischer Wirbel, mir weder weder die entsprechende Tolle, noch den dazugehörigen Entenarsch zu frisieren. Zu späteren Tagen kam noch eine unsägliche Malaise hinzu, die mich bis weit in die Endzwanziger begleitete. Ab einer bestimmten Länge spaltete sich die gesamte Haarpracht ewig, darum war es mir versagt, die Loden und Bart unendlich wachsen zulassen. Beobachtete deshalb meine Mäcke ewig, die immer mal wieder wüst zusammen gedreht wurden und die Spitzen dann mit einem Feuerzeug abbunste…
