Aus der SCHÜLERZEITUNG: Gebrauchtwaren-Kaufhaus in Berlin – Eine Warenwelt, die gefällt

Mit dem Niedergang der Kaufhäuser geht auch eine Einkaufskultur zu Ende.
In Berlin gibt es einen Ersatz, der ankommt: die NochMall.
Eine Hommage…
Was Traudelchen da anfänglich abließ, damit kann ich wirklich nüscht anfangen…
Solch merkwürdige Eingebung hatte ich bereits als Kind nicht, was absolut nichts damit zu tun hat, dass mich Meister Adebar irrtümlich in der Zone entsorgte, in Sangerhausen/Südharz, am Arsch der Welt, im südlichsten Zipfel von Sachsen-Anhalt.

►Dazu eine kurze abgewandelte Erklärung, die da ausdrückte, was mal jemand über seine Heimat­stadt abließ: Wien sei halb so groß, wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot!
Nur doppelt so tot, würde meiner Geburtsstadt nicht im Entferntesten gerecht werden…
Ein anderer Kumpel brachte es anders auf den Punkt, mit einer abgewandelten Zuchthauserkennt­nis: Kennt ihr den Ort, wo die Sonne nie lacht? Wo man aus Menschen Idioten macht, wo man verlernt Anstand und Tugend? Dies ist Sangerhausen, das Grab meiner Jugend!
Vollendet ging es damit anlässlich meiner Jugendweihe richtig los, die Mutter hatte in einen Beklei­dungs-KONSUM (Kauft Ohne Nachdenken Schnell Unsern Mist) lange vorher eine Klamotte bestellt. Wegen der Warenstreuung wurde mir Himmelangst, dass noch andere in der Klasse, im entspre­chenden Schick auftauchen würden. Großmutter beruhigte mich daraufhin, sie hatte bereits etwas angeleiert, da sie zufällig die gleichen Bedenken hegte! Ein Anruf in Halle, bei ihrer langjährigen Freundin aus jungen Jahren und alles lief nicht im sozialistischen Gang!
Indem Zusammenhang lief ich jener sehr sympathischen Dame mal wieder über den Weg. Sie ver­fügte über unendliche Beziehungen, obwohl ihr das Geschäft der Vorfahren nicht mehr gehörte, die größte Papeterie in der Großen Ullrichstraße im Zentrum, aber die Bolschewiken gestatteten ihr großzügig, mit der ganz alten Bezeichnung ihres Ladens, weiterhin zu kokettieren…
Wegen dieses Einsatzes wurde ich natürlich stolz wie ein Spanier. Denn eigentlich war mir diese Geschäftsfrau nur dadurch etwas näher bekannt, Weil Oma zum Jahresende immer mehrere kleine Abreißkalender abstaubte. Was ihrer Tochter absolut nicht gefiel, da neben den kirchlichen Feierta­gen, lediglich der 1. Mai noch farbig hervorgehoben wurde!
Zu dem Datumsanzeiger gehörte noch eine tägliche Zeremonie. Wechselseitig erklimmten mein Schwester und ich täglich einen Stuhl, rissen dann das Blatt vom Vortag ab und übergaben es dem Opa. Der warf einen Blick drauf und rezitierte dann sehr oft anspruchsvolle Sprüche von der Rück­seite, so wurde aus mir ein lebenslanger Zitaterich. Wobei mir so mancher verinnerlichte Mehrzeiler öfters mal ein Satz warme Ohren einbrachte, als prompte Antwort auf bestimmte Sachverhalte, mei­ne damit besonders selbiges bedeutungsvolles Kontra: Wessen Geist nicht blitzt, dessen Stimme donnert!
Ein gesamtes Leben lang, erwies sich eine andere Erkenntnis immer wieder besonders hilfreich, als entsprechende Reaktion aus dem Rudel heraus – Leichte Arbeit im Hafen, erspart dir schwere Arbeit auf hoher See!
Eigentlich beinhaltete der Einkauf anschließenden keine nachhaltigen Begehrlichkeiten, doch ging alles einher mit einer ganz neuen Erfahrung, welche sich aber auch niemals wiederholte. Es handel­te sich um ewige Begrüßungszeremonien in dem Kaufhaus am Markt, egal auf welcher Etage wir auftauchten…
Wenige Jahre später, nutzte ich die ehemalige Bekanntschaft sehr gekonnt aus, zu der Zeit als Be­reitschaftsbulle. Mit einem Freund, in ähnlicher Montur, hatten wir in einer exquisiten Fresskneipe telefonisch, aber unbedarft einen Tisch geordert. Waren an jenen späten Nachmittag mit zwei recht tugendhaften Käthen verabredet. Als mein Spezi endlich registrierte wo uns der georderte Platz er­wartete, wurde er recht sauer, meine Beschwichtigung prallten an ihm ab. Allerdings ging er auf eine Geschäft mit mir ein, wenn wir problemlos reinkämen, sollte er die gesamte Zeche bezahlen…
Uns beiden war nämlich bekannt, an der Eingangstür hing ein Zettel, auf dem daraufhin gewiesen wurde, es sich um eine Restaurant gehobenerer Qualität handeln würde und deshalb Soldaten in Uniform unerwünscht seien.
Kaum im Raum, empfing uns hastig ein Servierfläz, den unsere Tischbestellung absolut nicht inter­essierte, alles verbunden mit der Aufforderung, sofort unauffällig zu verschwinden.
Dann erfolgte mein Auftritt, in dem ich freundlich bestimmt den Gaststättenleiter verlangte.
Bekam dann auf meinen Einwand, keine Erwiderung, aber eine kurze Frage an seinen Knecht, da­raufhin lediglich die Offerte ihm sofort zu folgen…
Hatte mit erfolgreichen Unverständnis dem Scheffchen mitgeteilt, dass ich sogar noch als Halbstar­ker, mit meiner Tante, Frau K., früher öfters hier zum Speisen eingekehrt bin.
Kurz etwas zum besagten Reinickendorfer Kaufhaus…

Muss kurz vor Korona gewesen sein, während eines Ganges auf einem nahegelegenen Friedhof schnappte ich etwa von dem Laden auf und landete anschließend sofort in ihm. Mich interessierten lediglich die Massen an Vinylscheiben, CD´s und die sehr gelungene Imbissanlage, nicht nur von letztgenannter Einrichtung könnte sich wahrlich so mancher Laden, eine riesige Scheibe abschnei­den!
Bin anschließend schon mehrfach dort gewesen, lohnt sich wirklich!
Mir fällt es nicht ein, wann ich letztmalig in einem dieser idiotischen Konsumtempel landete.
Noch vor 15 Jahren, gab es im Nachbarhaus eine Lutheranische Kirche, mit Ohrenbeichte. Für Leu­te, die in Russland als Deutsche beschimpft wurden und hier nur als Russen durchgehen.
Zu einigen dieser Gemeinschaft bekam ich auf ungewöhnliche Art Kontakt.
Lernte eines Abends, in meiner Stammpinte einen jüngeren Russen kennen, der sich dann outete, sich aber auch über wiederkehrende Russischlaute nebst Gesang, meinerseits freute.
Während der beginnenden Rauschphase Nr.3, „Hang zur allgemeinen Verbrüderung“, registrierte ich recht deformierten Unterkiefer, damit sei er demnächst in Behandlung. Eigentlich war es der entscheidende Grund hier zu landen, damit hatten ihn seine Eltern geködert, denn er wollte nicht ins Reich!
Als Nächstes erfolgte die Erklärung, wie es dazu kam.
Bei seinem Grundstücksnachbar handelte es sich um einen Pferdenarr, mit dessen Zossen durfte ewig alles mögliche angestellt werden. Eines Tages wollte Sascha vor der Schule noch kurz Ausrei­ten, wozu der Gaul scheinbar keinen Trieb verspürte. Der Knabe ungeduldig aufstieg, wobei der Sattel noch nicht korrekt festsaß. Nach wenigen Schritten schmiss das Ross ihn ab und er knallte dabei auf einen Stein.
Nur gut, sein Nachbar besaß ein Geländewagen…
Dann ließ mein neuer Zechkumpan etwas ab, worauf er anschließend sofort mit einer ausgiebigen Weinerei begann, nach seiner kurzen Schilderung zum Hergang und wer sein Nachbar eigentlich war, den ich sowieso nicht kennen würde.
Nicht nur, dass ich ihn nicht nur kannte, sondern Sascha sogar einige Buchtitel von ihm hersagen konnte. Es handelte sich um den Kirgisischen Schriftsteller Tschingis Aitmatow!
Wobei ich es damals nicht verstand, als in der Zone : Abschied von Gülsary, als Bückware erschei­nen durfte.
Las noch mehr von ihm, Der weiße DampferDshamilja»Die schönste Liebesgeschichte der Welt« – Dies war nicht so mein Ding!
Zwischendurch kamen noch andere Werke, das letzte was ich von ihm noch las: Der Richtplatz gilt als erstes literarisches Signal der Perestroika, die er an führender Stelle mitgestaltet. 1986 ruft er das internationale »Issyk-Kul-Forum« ins Leben, eine Konferenz von Wissenschaftlern, Künstlern und Politikern aus der ganzen Welt am gleichnamigen kirgisischen See. Von 1988 bis 1990 ist Aitmatow Vorsitzender des Schriftstellerverbands in Kirgisien. 1989 wird er Abgeordneter des Volksdeputiertenkongresses und des Obersten Sowjets, Ende 1989 Gorbatschows Berater.
Die Kirchengemeinde veranstaltete wöchentlich einen Flohmarkt, wobei ich bereits Jahre vorher ewig säckeweise Kleidungsstücke ablieferte. Nach den Bekundungen von Sascha war dann alles zu spät. Hatte auch lange vorher ein tolles Verhältnis zu der alten Scheffin des Trödelmarktes. Schon merkwürdige, wie diese Leute, besonders auch Saschas Eltern, in ihrem Leben so hin und hergeris­sen waren. Dies bekam ich immer wieder mit, besonders wenn es um Literatur ging, konnte ich doch ewig belegen, dass ich wirklich alle russischen Klassiker gelesen haben.
Bis hin, wochenlang nachts, Ende 1973/1974, glaube von 1 bis 2 Uhr, auf Deutschlandfunk: Sol­schenizyn´s Der Archipel Gulag
Um es kurz zumachen, über 20 Jahre blieb der nachbarliche Trödelmarkt, das einzige Kaufhaus für mich!
Bei einer Bestrebung konnte mir dort nicht geholfen werden, wollte mir nämlich eine farbige Jacke aus Schlipsen nähen. Massen diese Teile lagen schließlich bei mir zuhause herum, bekam aber nie die entsprechende Menge ganz bestimmter Gewebearten zusammen.
Weil man Seide nicht mit Viskose oder Baumwolle mit Plasteteile vernähen kann usw…
Hätte fast das KdW vergessen, jenen ekelhaften Konsumtempel suchte ich jährlich auf, wegen neuer Nadeln für meinen sauteuren Plattenspieler. Besuchte dann aber auch immer die Chefin der dortigen Stoffabteilung, eine ehemalige Kostümschneiderin, die alte Dame hat mir in den Jahren auch sehr viel beigebracht…
So etwas ähnliches, wie die hiesige NochMall, gab es viele Jahre vorher bereits in Bremen…
Lange Zeit gab es ein identischen laden bereits in Gifhorn, einem alten Lockschuppen. Die Anlage kam mir zu Gesicht, nach dem Tod von Schwiegermutter, beim Ausräumen des riesigen Anwesens.
Manche Weiber ticken wirklich nicht richtig, bei der Menge ihrer Klamotten wären mehrfache Fahrten im Kombi fällig gewesen. Bei dem witzigsten Utensil, welches mir in die Hände fiel, war die Rechnung noch angenadelt – eine Polarfuchsstola von Pelz Lösche, für 3500 DM!
Auf der anderen Seite, während meiner unzähligen Wohnungsauflösungen, fiel auch ewig belang­loses Zeug an, was in den BSR-Höfen landete. Ein Bekannter gab mir in den´80ern einen wichtigen Tippp. Wenn ich dort ankam, wurde am Eingang der Wachknabe per Handschlag begrüßt, wobei immer ein Heiermann geschickt die Handfläche wechselte…
Die Jungs hatten immer vollstes Vertrauen zu mit, dass meine Ladungen auch immer ganz korrekt in den entsprechenden Containern landete, außerdem drückten sie abschließend immer alle Augen zu.
Was habe ich z. B. für Massen an div. Kinderspielzeugen und Fahrrädern dort heraus geschleppt, noch brauchbare Möbelteile. Was mir nie einleuchtete, da schmissen Leute haufenweise Lampen weg und vielen kamen vorher nie auf die Idee, die noch vorhandenen Glühbirnen zu entfernen…