OSTZEIT – Geschichten aus einem vergangenen Land

Sibylle Bergemann, Harald Hauswald, Ute Mahler, Werner Mahler – vier der bekanntesten ostdeut­schen Fotograf:innen, und Maurice Weiss – alle Mitglieder der Agentur OSTKREUZ – zeigen in ungeschönten und zugleich sensiblen Bildern den Alltag und die Menschen in der DDR jenseits der sozial-realistischen Wunschwirklichkeiten. Durch ihre Offenheit und persönliche Sichtweise ermög­lichen die Bilder einen authentischen Blick auf den Osten Deutschlands – und sind eine Auseinan­dersetzung mit einer Realität, die bis in die Gegenwart nachwirkt.
Muss aber noch jemand erwähnen: Gundula Schulze Eldowy
Gut, sie gehörte nicht zu OSTKREUZERN, aber sie ist unbedingt erwähnenswert!
Bei ihr kommt noch hinzu, abgesehen davon, dass Madame die Geschehnisse der Zone, fast zeitgleich wie Hauswald ablichtete. Allerdings ist mir dazu aber auch ihre geschlechtsspezifische Betrachtungsweise aufgefallen.
Allerdings bin ich in jener Richtung vorbelastet gewesen, war jahrelang ein dauernder Besucher vom VERBORGENEN MUSEUM, nebenher wurden von mir auch ganz unterschiedliche handwerkliche Tätigkeiten dort ausgeführt.
Eine andere Kleinigkeit ist auch erwähnenswert, da im Hinterhaus auch noch Helga Goetze wohnte. Dabei handelte es sich allerdings um etwas andersgeartete Besuche, wobei meine Mitgänger aller­dings, besonders Leutchen aus der Schweiz und dem Ösiland, hinterher immer total platt waren.
Etwas anderes fiel mir auch noch ein.
Irgendwann kam der Anruf von einem Bekannten, dass mittlerweile jenes riesige Brauerei-Areal, welches zu einem Kulturtempel umgemodelt werden soll, nun vollkommen leer stand. Allerdings noch ein ehemaliger Heizer dort herumhing. Wenn ich Lust hätte, würde ich nach Anmeldung dort plündern können. Darüber durfte ich gegenüber der Scheffin, natürlich kein Wort verlieren! Zumal mir im Haus drei Kellerräume gehörten, so um die 50 Quadratmeter…
Machte mich irgendwann zu dem Heizer auf, ein älterer Typ, aber mit einem sehr hellen Köpfchen, der auch für sämtliche dortigen Räumlichkeiten die Schlüssel besaß. Tauchte dort erstmalig mit meinem Drahteseln, nebst drei entsprechenden Sixpack auf und drückte der Handwerker zur Begrüßung einen Lübecker in seine Flosse.
Nach mehreren Stunden kannte ich nun fast sämtliche Gegebenheiten, allerdings nur bis zu den zweiten Kelleräumen, da der Rest abgesoffen war, allerdings sollte alles 8 Keller-Stockwerke ha­ben. Denn in den riesigen ganz unteren Räumlichkeiten wurde gesägtes Eis von den Berliner Ge­wässern aufbewahrt, welches Rudel von Bauern dort ablieferten.
Den folgenden Tag tauchte ich solo mit unsrem Opel Kadett Kombi dort auf, plünderte nur in der Küche und dem Speiseraum…
Nicht nur Geschirr, massenhaft verpackte Bestecke und ähnliches Inventar, dann für polnische Freunde Werkzeuge aller möglichen Arten…
Mit zwei Kumpels waren wir dann fotografisch zugange, dies zog sich anderthalb Wochen hin. Die beiden ersten Tage wurde allerdings sehr wenig fotografiert und nur mit Taschenlampen überall herum geschnakert. Das gesamte Brauereigelände ist unterkellert und nach dem Krieg galt alles nur noch zu irgendwelchen Unterstellmöglichkeiten. Die letzten Jahre waren Räume nur noch ein Mö­bellager.
Unser Scheff hatte allerdings etwas Bammel, da wir vom Keller bis zu sämtlichen Dächern herum stromerten. Was gab es da alles – massenhaft Räume für diverse Handwerker, Pferdeställe, Scheu­nen und immer konnte man etwas weg finden…
Witzig sahen die gewaltigen Kellerräume aus, dort gab es keine Feuchtraumkabel und Lampen mehr. Sämtliche riesigen Motore, Schaltschränke und Kreiselpumpen aus Rotguss waren zerdöp­pert. Nirgendwo fand man auch nur die kleinste Mengen an Kupfer, Messing, Pumpenteile und an­deres brauchbares Zeug…
Jene Demontage wurde laut Strafgesetzbuch unter der Rubrik abgehandelt: Diebstahl zum Nach­teil von sozialistischem Eigentums! Die entsprechende Belohnung für weggefundene Materialien begann mit mindesten zwei Totensonntage in der Braunkohle!
Auf der anderen Seite gab es ja den kollektiven Spruch: Wenn alle klauen, fehlt keinem etwas!
Eine tierische Beobachtungen konnte man ansehen, zwei oder drei Zentimeter Staub lag auf den Böden und nur an den Wänden sah man, vielleicht 20 Zentimeter breit, die Rennspuren der Ratten!
Was Hauswald mit seinen Ablichtungen vom Passagekaufhaus tätigte, dem ehemaligen Tacheles, erledigten wir mit der Brauerei. Weiß gar nicht, wie viel S/W-Neagtive und Dias damals produziert wurden…
Harald Hauswald: “KaDeO – Kaufhaus des Ostens
Symbol für das Leben in der DDR
Ein Fotoband über das “Kaufhaus des Ostens”;