Archiv für den Monat: August 2008

Babysimalator für Minderjährige

UWAGA! Uwaga!

Den folgenden Artikel fand ich auf Seite 1, in der vergangenen Freitagsausgabe – vom 29.August – nicht in einer nachträglichen Veröffentlichung vom 1.April. Eine noch krankhaftere Symptombekämpfung, die hoch dotierte Leute anleierten und verteidigen, ist mir noch nie vorgekommen. Ich frage mich, wer da seine Webfehler auskurieren sollte, trächtige Jungmuttertiere, oder die ewigen „Probierpädagogen“?   –    Warnung vor dem Kind Weiterlesen

Les Papillons

Gestern war ich mal wieder in einem der kleinen Varietés, dem „Zebrano“. Neben der „Scheinbar“ mein bevorzugtes Domizil, für Kabarett und anderweitiger Kleinkunst.

Das Schweizer Duo „Les Papillons“ gab sich die Ehre. Beide kannte ich nur aus einem gemeinsamen Programm mit Andreas Thiel. Klasse was die Jungs fabrizieren. Musikalische Clownerie, während ihrer Raubzüge durch das Schaffen von verblichenen, scheintoten und noch lebenden Notenhandwerken. Wobei sie immer wieder gewaltige Bögen spannten, respektlos und witzig. Auch bei ihrer neuen Variante der amerikanischen Nationalhymne, die ja vor vielen Jahren bereits Jimi Hendrix aufs Korn nahm. Als eine gelungene Verstärkung muss man auch Benjamin, den Bruder des Teufelsgeigers ansehen, wobei er sein Instrument, ein Cello, nicht so malträtierte. Einige Bilder und etwas Konserve hänge ich noch dran. Weiterlesen

bəˈrɑːk hʊˈseɪn oʊˈbɑːmə

Es gibt Leute, die angesichts der Politverdrossenheit dauernd rumnölen, mich hat der Virus nun auch infiziert, was interessiert mich diese „Wahl“ im Amiland, jener Mischmasch aus Waschmittelwerbung und kommunistischer Parteitagsverklärung.
Für die heutigen 13-Uhr-Nachrichten schaltete ich die Glotze extra später ein, aber der Höhepunkt schien noch nicht erreicht und es kam noch schlimmer – ein vergleich der Parteitage hier und jene drüben, dazu verzückte Blicke der Nachrichtentante.
Zum Dessert bemühte man Hanni Hüsch, die Leiterin des ARD Studios Washington. Sie plapperte mit spitzen Mündchen ganz auf wichtig getrimmt, dabei erinnerte sie mich an jemand – es dauerte – richtig, ihre Mimik erinnerte mich an Mutter Beimer. Abschließend noch ein Experte, der wie üblich Fragen beantwortete, die einem vernünftigen Lebewesen nie einfallen würden…
Mal sehen ob ich es auch so banal hinbekomme, wie es der Möchtegern US-Präsident permanent schafft.
Also:
1. Politik ist der Spielraum den das Kapital lässt.
2. Würden Wahlen etwas ändern, währen sie längst überall verboten. Weiterlesen

Siechmund Jähn

Es stimmt, dass nicht alles schlecht war in der Zone.
Zwei Dinge sind mir äußerst positiv hängen geblieben. Tölen durften nicht in Kneipen und jeder Provinzbahnhof besaß ein öffentliches Scheißhaus. O.K., so manches erinnerte mehr an ein Plumpsklo in der kasachischen Steppe, aber trotzdem. Nun registrierte ich in den letzten Jahren noch eine Besonderheit, die man positiv betrachten muss. So lange ich dort lebte, betrieb man bei den Nazis nie Weißwäscherei. Das hat sich, was aktive Mitläufer der Kommunisten und ihrer willfährigen Helfer angeht, mächtig gewandelt. Dies kam mir im heutigen „Tagesspitzel“, Seite 3, wieder hoch. Weiterlesen

Digi-Müll

Schüttele heute mal digitalen Müll aus der Camera, alles im „bürgerlichen“ Wilmersburg geschossene horizontale und vertikale Kunst

U-Bahneingang Güntzelstrasse

Spaghetti Napoli rückwärts gegessen? Hat keinen ausgehungerten Liebhaber gefunden, war scheinbar schlecht gewürzt, hat noch tagelang dort gelegen Weiterlesen

Endlich vorbei

Da hat der Westen den Kommunisten für deren Selbstdarstellung, ja eine eherne Basis gebastelt. Die Roten werden die Milliardeneinnahmen, wie üblich, brüderlich geteilt haben und das IOC wird es ihnen mit mehr als nur einen Kotau gedankt haben. Wer wird denn da bei wem, nicht nur Siegesfanfaren geblasen haben? Für ihrer Gigantomanie haben Funktionäre tief in die Trickkiste des Sinozentrismus gegriffen und allen scheint es gefallen zuhaben, im Reich des Bösen. Nebenbei, wo ist die gelbe Gefahr abgeblieben? (Ich meine damit nicht die hiesige FDP.) Weiterlesen

COCAINE-TIMUR UND SEIN TRUPP – ’78

Natürlich wurde am Biertisch auch darüber spekuliert, wie man schnell eine dicke Ma­rie machen könnte, um anschließend für immer in die Karibik zu verduften – Licht, Luft, Sonne, Käthen und das beste Gras wo gibt.
Was aber, wenn man bürgerlich gehandicapt ist?
Irgendwann gehen einem diese eckigen Seifenblasen mächtig auf den Keks.
Trotzdem tauchte immer mal wieder jemand auf, für den es ein Bedürfnis schien, uns zu langweilen, um sich dabei verbal einen runterzuholen. Jene Nervensäge spielte damals ein junger Typ, ebenfalls aus Ostberlin, sein Lebenslauf glich Bummis, nur schien er besser drauf. Eines Tages kam er ganz aufgeregt an unseren Tisch, gab zum Besten, dass ihn ein älterer Herr für eine Woche nach Thailand einlud. Schien nichts Ungewöhnliches zu sein. Klar, konnte ja schließlich jedem passieren.
Von Achim kam nur: „Entweder du bist jetzt auch für die Frauen­welt verloren, oder dein netter Herr weist dich als Kurier für harten Dope ein. Na dann viel Spaß!“
Richtig wütend verschwand unser reiselustiger Genosse.
Hier möchte ich alles arg verkürzen.
Er kam braungebrannt retour, um ein paar Wochen später wieder gemeinsam nach Bangkok zu jetten. „Und Leute – nix mit schwul und so.“
„Dann das andere!“
„Ihr Idioten seid doch nur neidisch…“
Diese geschwätzige Flachzange stand vor seinem letzten Trip nochmals im Zil­lemarkt auf der Matte, „Ätsch – ihr Blödmaxen, ich mache jetzt eine Reise über Thailand quer durch die USA. Ich werde euch schreiben!“
Mittlerweile schon ein weit gereister Weltmensch, flog unser Traveller allein von Bangkok über San Francisco nach New York. In NYC wurde er gefragt, ob er einen kleinen Lederkoffer für den netten spendablen Herrn mitnehmen könne, den selbiger, welch Pech, leider ein paar Tage vorher vergaß. Natürlich konnte er.
Ihn übermannten in der Situation sicher Erinnerungen aus Kindheitstagen. Denn als Ableger roter Zecken schien er bestens mit „Timur und sein Trupp“ vertraut. Kernaussage jenes Bolschewiken-Bestseller für Heranwachsende: Jeden Tag eine gute Tat. Warum soll­te er da nicht seinem Reisesponsor einen Gefallen tun?
In Frankfurt wurde unser Spezie hopp genommen, mit von der Partie waren sei­ne beiden Sitznachbarn aus dem Flieger. Als unbedarfter Drogenkurier und guter Pionier bekam er nur vier Jahre aufgebrummt. Allerdings war die Angelegenheit noch mit einem kleinen Haken behaftet, denn er stand wegen jener Gefälligkeit beim deutschen Zoll mit 280 000 DM in Kreide, für illegal eingeführten Koks.
Ein dreiviertel Jahr später.
Mit Freunden lungerte ich in Europas größter Diskothek dem „Sound“ rum. Plötzlich stand Achim aufgeregt neben mir: „Alter, wir haben eben unseren weit gereisten Freund getroffen, der eigentlich noch in Tegel hängen müsste. Der meinte nur, als ich ihn anquatschte, dies wäre eine Verwechselung, allerdings verdünnisierte er sich daraufhin verdammt schnell.“
Tja, es gibt Leute, die versuchen nie, über ihren Schatten zu springen.
Da schien er doch schon wieder jemandem einen Gefallen zu tun, aber einen, der tödlich ausgehen konnte. Wir nahmen an, dass unser Timur nun für den Trupp des Rauschgiftdezernats auf den Strich ging.

EIN ZENTNER KNETE – ’78

Bummi kam aus einem Stall mit DDR-spezifischen Edelkommunisten als Eltern. Aber nach dem, was eigentlich so Vater- und Muttertier ausmachten, hätte man beide not­schlachten sollen.

Kaum das Abi in der Tasche, versuchte er sofort, sich über Ungarn nach Öster­reich zu verflüchtigen. Es blieb aber nur bei dem Versuch. Ähnlich wie bei mir, en­dete der Wandertag am Draht, da ihm die Ohren und Nase eines Deutschen Schäferhundes dazwischenkamen.

Nach seinem Urlaub im ungarischen Staatsgefängnis bastelten die Genossen in Hohenschönhausen monatelang herum, bis sie für diesen Trip eine Belohnung von 4 Jahren zusammen bekamen. Da zählte sogar strafverschärfend, dass er sich in seinen letzten Schulferien „den Zugriffen der staatlichen Organe der Dä Dä ÄR“ entziehen wollte. Anschließend hieß es bis zum letzten Tag, den “ humanistischen Strafvollzug“ in Brandenburg genießen. Weiterlesen

21… August 1968

aus: Unter Hallensern, Halloren und Halunken (1983)

… eine an Schärfe zunehmende Pressekampagne gegen die Zustände im Tschechland verlagerte sich immer mehr auf die Titelseiten der Postillen.
Tägliche Zeitungsschauen, die sich mit jenem Thema befassten, verkamen immer mehr zu Vorlesestunden von Resolutionen. Da wurden Drohungen aller Parteivorsitzenden der Kommunistischen Partei des Warschauer Paktes vorgetragen, Erklärungen diverser Zentralkomitees zum Besten gegeben, Stellungnahmen des „werktätigen Volkes“ verlesen, und in Prag gaben sich die Stare des Warschauer Paktes die Klinke in die Hand. Frenetisch empfing die Tschechoslowakische Bevölkerung Tito und den Führer aus Rumänien. Sogar Ulbricht erschien mit Gefolge, ihn hätten die Leute sicher gerne in seine tauben Nüsse gelatscht… Weiterlesen