Archiv für den Monat: September 2008

NÄCHTLICHER VERSUCH EINER ENTSORGUNG – Sommer ’80

Vor vielen Jahren, Anfang der 80er, als mein alter Kumpel Yogi noch aktiv seinem Broterwerb bei der BVG – Fahrbereitschaft nachging, ergab es sich, dass er alle paar Monate Klimbim aus dem Firmenfundbüro, welches die dortigen Kollegen nach einer Wartefrist als nicht versteigerungswürdig hielten, in die Müllverbrennung transportierte. Als ich dies erfuhr, kam er anschließend bei mehreren dieser Touren bei mir vorbei. Etliche Kubikmeter dieser Fundgegenstände landeten so in meinem sehr großen Keller und anschließend auf Flohmärkten.
Hunderte von Koffern, Taschen, Geldkatzen, Brieftaschen, Regenschirmen, jegliche Art von Textilien, unterschiedlichster Schuhe u.s.w. , nebenbei auch haufenweise Vibratoren mannigfaltigster Form und Farbe, genauso Dessous.
Da machte beim Verkauf Kleinvieh richtig Mist.
Verwunderung kam mir auf, über die Unmengen an Kühlschränken, alten Glotzen, Möbeln und Ma­tratzen, die oft die größten Mengen auf dem LKW ausmachten.
„Ganz einfach, es ist für viele Mitbürger die billigste Form der Entsorgung von Sperrmüll.“
Dies wiederum fand ich sehr witzig. Bei meiner kleinbürgerlichen Sperre wäre ich nie auf diese Idee gekommen. Allerdings gab es schon was her, besser als den ganzen Scheiß einfach auf die Straße zu stellen. Bei den BVG-Fahrpreisen müsste dieser Service eigentlich mit drin sein…
Auf einer Fete ergab es sich, dass ich dieses Problem mal zum Besten gab, die Runde schien arg belustigt.
Wenig später schilderte ein Bekannter in fröhlicher Kifferrunde den Versuch der Entsorgung seiner alten Glotze, nach meinem damals erfolgten Bericht. Die leider etwas anders verlief, als es sich die beiden Umweltsauen vorstellten.
Auch etwas bürgerlich ge’schamicht, sollte die Aktion im Dunkeln steigen. Von Nutzen schien die Tatsache, dass einer sowieso mit letzter U-Bahn in Richtung Herrmannplatz wollte. Vorher wurde noch ein Hörnchen, mit Gras und Lachtürken eingepickt. Dann machte man sich ans Werk. Bei dem zu entsorgenden Corpus delicti handelte es sich um eine riesige, sauschwere Schwarz/Weiß-Glotze aus den Endsechzigern. Die Maßnahme sollte eigentlich schon nach den zwei Etagen vom Hinterhaus auf die Straße abgebrochen werden. Da nun das schwierigste erledigt schien, waren die paar hundert Meter von der Ecke Fechnerstraße, die Sigmaringer runter ein Stück Brandenburgische doch nur ein Klacks. Wer Wilmersdorf etwas kennt, wird sich vorstellen können, wie es schallte in den leergefegten Straßenschluchten, als zwei voll gedröhnte, ewig lachende Typen weit nach Mitternacht versuchten, ein verdammt unhandliches Teil zu hucken. Während einer längeren Rast auf halber Strecke, wurde ernstlich die Gegend abgeleuchtet, denn das elektronische Gerät schien mittlerweile Zentner zu wiegen. Oh, Gott diese verlockenden Möglichkeiten, dieses Teil unauffällig verschwinden zu lassen. Da bot sich in unmittelbarer Nähe die riesige Garage unterhalb der dortigen Turnhalle an, oder der mit Sträuchern umwachsene Kinderspielplatz gleich anschließend. Nix, es musste zu Ende gebracht werden. Als nächste Rast wurde die Ecke Gasteiner/Brandenburgische auserkoren. Kaum vor dem Gesundheitsamt entspannt auf einer Bank sitzend, die Hufen auf dem unförmigen Möbel ausgestreckt, als zwei jung/dynamische Herren erschienen, die für den Anfang verdammt viel Fragen auf einmal abließen – Warum zu nächtlicher Stunde so ein Krach veranstaltet würde, woher der Fernseher stammte, wohin er sollte und schließlich, na zeigen sie doch mal ihre Personalausweise!
Erst wurde noch etwas gefrotzelt, aber nachdem einer der neugierigen Herren mit einem Dienstausweis rumfuchtelte, war ruckartig Schluss mit lustig, denn keiner konnte die verlangten Papiere vorweisen. Nun wurde von den Zivis in Erwägung gezogen, eine Grüne Minna zu ordern zwecks Überprüfung der Personalien, dies konnte aber abgebogen werden. Man einigte sich, dass ein Kollege mit in die Fechnerstraße ging, um zu überprüfen, ob die mündlichen Angaben stimmten, außerdem sich dort ein Ausweis befand. Die anderen beiden machten es sich derweil auf der Parkbank bequem.
Alles regelte sich kürzester Zeit, der Gendarm wurden im Flur sogar auf die Abdrücke der Glotze im Teppichboden hingewiesen.
Wieder retour, verabschiedeten sich die Zivilen, stiegen in ihr Auto und weg waren sie, allerdings die letzte U-Bahn ebenso. Nun schien guter Rat aber teuer, fluchend ging es zurück und man parkte das Kommunikationsmöbel bis zum nächsten Morgen gleich hinter der Eingangstür im Vorderhaus. Anschließend gings für den Rest der Nacht ins „Flöz“, das war der Laden von Franz de Brüll.
Kurz nach dem Aufstehen, am frühen Nachmittag, stellte mein Nachbar fest, dass irgend so ein Schwein die Glotze geklaut hatte.

Nachtrag: Paul Newman +

Gestern gab es auf 3 SAT-Kulturzeit (29.09.’08) nochmals einen kleinen Abgesang auf Paul Neumann. Sein Name stand, so lange ich denken kann, für Qualität im Filmgeschäft, auch schon zu Zonenzeiten. Was aber nicht heißen soll, dass er nur unpolitisch über den Zaun in die dortigen Kinos kam. Gene Hackman gehört zur gleichen Kategorie (und hat auch schon 78 Jahre auf seinem Buckel). Für mich existieren wenige Akteure, die ich niemals auf etwas bestimmtes fixierte, sie dadurch immer wieder neu erlebte, das macht die eigentliche Größe eines Stars aus, der dadurch nicht verbrennt. Weiterlesen

IN DER GOLDENEN STADT – Ostern ’79

23. Oktober 1975 – ein schicksalhafter Tag, nicht nur für mich, am 52. Geburtstag der Mutter meiner Schwester, begann mein zweites Leben auf der anderen Seite vom Zaun.

Es war mir nie möglich mit ihr über Probleme, die uns beide betrafen, zu spre­chen. Es gab Zeiten, da hätte es mich interessiert, was in ihr vorgegangen war, als ihre Genossen sie mit 51 Jahren in die Wüste schickten. Mir war, dass sie sich bereits lange Zeit etwas vormachte, schon als wir Kinder noch feucht hinter den Ohren waren. Mich traf es dabei am schlimmsten, denn ich schien von ihr auser­koren, stellvertretend, ihre niemals verwirklichten Träume zu realisieren und dies in einer Welt, wo sie Mauern aus Lügen, nicht nur um ihre Kinder baute.

(Pech für mich, dass mein Erzeuger, 1994, schier in der Woche das Zeitliche seg­nete, als ich noch etwas halbherzig begann, ihn ausfindig zu machen. Allerdings ist es dieser Tatsache zu verdanken, dass ich überhaupt von seinem Tod erfuhr. Anschließend musste ich, nach der Sichtung von Unmengen seiner akribisch ge­sammelten Papiere, feststellen, dass nichts auch nur annähernd den Angaben entsprach, die seine Geschiedene über Ihren Ex uns gegenüber verlauten ließ. Der Mann entpuppte sich schlicht als das ganze Gegenteil von dem, was mir berichtet wurde. In meinen minimalen Erinnerungen war er abgrundtief schlecht.) Weiterlesen

Weißwurschtwahl

Wieviel % des zänkischen Bergvolkes nördlich der Alpen, sich nach dem Kirchgang an den Urnen schafften, konnte ich nirgends vernehmen. Vom Virus der Demokratie befallen, kritzelten massenhaft Bevölkerungsteile ihre Markierungen, scheinbar an falscher Stelle. Gab ja auch genug Möglichkeiten die Kreuzchen irgendwo unterzubringen. Diese Wahl ist nun auch Geschichte, nicht aber das Aufpusten von Sprechblasen mit lauwarmer Luft, wer sich da alles versuchte. F.-W. Steineier, Sabine Leutseelig-Schmarrnberger, Fräulein Roth, der süße Guido und wie sie alle hießen, diese VerbalejakuliererInnen, was ihre zufälligen Triumphe angingen. Eine Ausnahme machten nur die christlichsozialen „Fy og Bi(manche können mit Pat & Patachon sicher mehr anfangen), mit essigsaurer Mine klopften sie sich gegenseitig den „Wahlkampfstaub“ aus ihren Epauletten. Weiterlesen

Max Hölz

Da weckte mich 20 nach 5 so eine Nase, die versuchte ihr Hirschlein zu starten, kurz bevor die Batterie verreckte, sprang die Karre doch noch an. Mein Groll schlug auf die Blase, musste infolgedessen raus aus der Falle und sofort meinen Hamster melken gehen. Augenblicklich hellwach, nahm ich mir den restlichen „Tagesspitzel“ vor, vertiefte mich gleich anschließend abermals in Bettelheims: “Gespräche mit Müttern“, dieses Werk ließ meinen Blutdruck noch mehr ansteigen. Nun soll niemand denken, mich plagt die „senile Bettflucht“, weit gefehlt, denn bei diesen Symptomen währe man saumüde und könnte nicht pennen.
Mir erschloss sich der Sinn dieses Büchleins auch beim Weiterlesen nicht. Klappentext, Vorwort und Einleitung ergaben keinen Sinn zum Inhalt, wütend brach ich auf Seite 119 ab. Alle Gesprächsaufzeichnungen stammen aus den 50er/60er Jahren, bei den Knäcken, mit denen die Mehrzahl dieser Muttis behaftet waren, wird mir einiges klar, was die heutige Zeit betrifft. Viel anders werden die Mädel hier auch nicht drauf gewesen sein, aber eins verbindet alle, ob in den USA, oder in anderen Industrienationen, ausnahmslos haben sie ihre pädagogischen Defizite weitergereicht, das berührt auch jede soziale Schicht…, irgendwann landen schließlich Reste von menschlichen Kreaturen in Blumenkästen… Weiterlesen

noch was: neun/elf

Eins fällt mir zu dieser ganzen Aktion, 9.Sept., immer wieder ein. Verschwörung hin, Verschwörung her, die Zwillingstürme waren Symbol für den amerikanischen Steinzeitkapitalismus. Deren hehre Hypothesen, Neoliberale Globalisierungsfetischisten vollkommen respektlos, weltweit nicht nur wie warme Semmeln anpreisen, ihnen zu deren Umsetzung auch jedes Mittel recht ist. Weiterlesen

eigentlich für den 12.

Diesen begonnenen Text für den 12. 09, hatte ich irgendwie versenkt, deshalb kritzelte ich etwa anderes. Heute tauchte er heute wieder auf, nun wird er nachträglich unter dem 13ten reingeklebt. –
Auf Phoenix schaute ich gestern 21 Uhr: “Der 11.September 200 – Mythos und Wahrheit“ / Film von Michael Renz und Guy Smith

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nine/eleven

Heute las ich bei GMX: „Der Tag, der die Welt veränderte: Der 9/11-Terror in Bildern… Zwei andauernde große Kriege, ein Folterlager auf Guantanamo Bay und weitreichende Beschränkungen der Bürgerrechte waren die Folgen.“
Wenn das nichts ist.
Jener Tag erinnerte mich allerdings immer daran, dass ich zwei Tage später, in der Pampa bei Koschenbroich, für 222,- DM einen MP3-Player von AIWA erstand, der läuft und läuft und läuft…

Mein analoges Multifunktionsteil – Walkmanradiorecorder (AIWA) begann langsam seinen Geist aufzugeben, das alte Micro leistet mir auch heute  noch gute Dienste. Der Radio (MW/UKW) benutzte bis Mitte 90 ein Wandersmann in Meck-Pomm. Weiterlesen

7.9.08 – Brandenburgtag – die 2te

Ich möchte noch etwas zum 7.9. ablassen, verbunden mit digitalem Zeugs, visueller und phonetischer Art vom Funkerberg. Ganz kurz hielt ich mich im Museum auf, schnankerte anschließend draußen rum, wegen einiger Fotos.

Bei dem tittenähnlichen Teil rechts und dem linken Schniepel, handelt es sich um Isolatoren, aus ihnen führten Kabel zu den Sendemasten. Weiterlesen