Archiv für den Tag: 22. September 2020

Fortsetzung vom gestrigen Schrieb – nun als Rohrknickerknecht im Norden Berlins

Bisweilen erlebt man Geschichten, die fast keiner glaubt. Habe leider den Kontakt zu meinem Spezi verloren, der alles bezeugen könnte…
Im anderen Fall gehörte ich zum Lohngesindel einer Vierer-Kolonne. Ein Kumpel hatte mich, während der Semesterferien (1980 oder ´81), in der Firma als Rohrknicker untergebracht. Sollte anfangs den Mietern erklären, wo wir die Rohleitungen verlegten und gab die Anweisungen, was dann in Kellern und Wohnungen freigeräumt werden musste. Die ersten Tage war die schönste Zeit, danach wurde es allerdings vielseitiger, bohren, Gewinde schneiden, am Bock schweißen, Heizkörper anbringen, Löcher beseitigen usw.
Es handelte sich um ehemalige Zwei- und Mehrzimmerwohnungen, in Tegel, für oberer Chargen irgendeines Berliner Großbetriebes, glaube von Borsig.
Zum Piepen, wie sich alles entwickelte.
Irgendwann handelte das Scheffchen noch einen guten Nachschlag aus, weil auf meinen Vorschlag hin, wir auch die kleinen Putzarbeiten gleich anschließend erledigten.
Zu entsprechenden Bohrungen, hielt in der unteren Wohnung jemand einen Karton an die Decke, für vorgesehene Schweißstellen wurden die Wände mit Astbest(!)platten abgedeckt und Auslegwaren mit dicker Malerfolie abgeklebt.
Bei manchen alten Witfrauen nahmen wir die Gardinen ab, nach deren Waschung wurden sie auch wieder angebracht.
Wir heimsten später Unmassen an Trinkgeldern, Schnaps, Bier oder Speisen ein. Um die Ecke befand sich zudem eine sehr gute Fleischerei. Deshalb gab es zum häufigen Hackepeter, an den D-Tagen, mittags wochenlang Eisbein…
Eine ganz wichtige Sache nebenbei, uns ließen alle Betroffenen auf ihre Toiletten, was eigentlich nicht selbstverständlich war!
Anfangs tätigten meine Kollegen die Vorbereitungen, Materialbeschaffung u. ä., wobei ich begann, entsprechend der Ankündigungen, sämtliche Mieter aufzusuchen. Kurzzeitig irritierte mein Outfit die Leute, zerschlissene Hosen, Nickelbrille, langer Bart und Haare, mit einer beginnenden fleischfarbenen Badekappe aber eine riesige Kladde in der Hand.
Zufällig ergab sich gleich in der ersten Wohnung die entscheidende Gegebenheit, für die gesamte anschließende Zeit.
Das mitt70er Ehepaar war total neben der Rolle. Am vormittäglichen Zeitfenster sollte ein neuer Elektroherd geliefert werde – ob sie den alten wohl abklemmen und gleich mitnehmen würden?
Nach meinem paar minütigen Job, wobei ich den Leutchen lediglich zuhörte, kam abschließend das Angebot, den Herd abzuklemmen, nebenher ihrer ungläubigen Vorbehalte, ob ich so etwas überhaupt könne, dann die gutgemeinte Empfehlung, dem Lieferanten nebenher einen Dürer in die Hand drücken und zu verlangen, dass er das alte Teil mitnehmen soll.
Klemmte den Herd ab, stellte dabei fest, dass sogar 380 V auf der Anschlussdose waren, das Ding aber mit 220 V lief. Misstrauisch wie ich nun mal in solchen Situationen bin, entfernte ich das Kabel auch am Herd, da es möglich schien, dass selbiges nicht zum Lieferumfang gehörte.
Als ich gehen wollte, kam von der alten Dame die Frage, ob ich nicht alles in meine Hände nehmen könnte, besonders die Geschichte mit dem Zehner, da es absolut nicht ihr Ding war.
Gut, sie sollten Obacht geben, wo ich mich gerade im Block aufhielt!
Alles lief glatt, der Mann hatte sogar den Auftrag, das alte Teil mitzunehmen, dies steckte er mir augenzwinkernd, als er den Schein einsackte.
Ein Anschlusskabel gab es natürlich auch nicht!
Nun stand der neue Herd in der Küche, was nun?
Bot die sofortigen Anschlussarbeiten an, nebst vorherigen Versuch, die Geschichte mit den 220 und dem Vorteil des Betriebes mit 380 Volt zu erklären. Ratzfatz ging alles über die Bühne, strahlend schob mir der alter Herr noch einen Lübecker in die Hemdtasche, aber nichts ihren Kollegen erzählen!
Gott noch mal, wer mich in den folgenden Wochen, alles sehr freundlich grüßte…
Einen Tag später wurde ich zum Frühstück eingeladen, wahrscheinlich wollten sie mir lediglich stecken, dass ich beim Ortsbauernführer, im Nachbareingang, bestimmt Schwierigkeiten bekommen würde. Um wen und was es da ging, da hielten sich beide bedeckt, dafür bekam ich aber Unmengen von Gerüchten zuhören…
Begab mich anschließend sofort zu jener Wohnung, dort richtete mir eine Frau aus, dass sich ihr Mann noch fernmündlich mit der Verwaltung in Verbindung setzen wollte, kein Problem, er möchte sich dann im Bauwagen melden!
Kurz vor Feierabend kam die Mieterin noch vorbei und erkundigte sich, ob es mögliche sei, am kommenden Tag gegen 7 Uhr, gleich bei ihnen zu beginnen – Logo!

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