Ende 1975 sah ich den Schefff erstmalig in einem großen Kintopp. Hatte gerade, nach meiner Knastzeit, den endlosen Bürokraten-Scheiß der ersten Wochen im Westen abgehakt und war für einige Monate in einem Rot-Kreuzheim gelandet. Verbrachte nebenher nun mehrere Wochen mit Sightseeingtouren durch Buchläden und vielen Kinogängen. Hakte eine Liste ab, was hieß, täglich 4 oder 5 Vorstellungen. Irgendwann ging es auch in den Zoopalast, dort war gerade: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ angelaufen.
Latschte dann die Treppe zur U-Bahn runter, als mir ein Typ entgegenkam, auf dem Arm viele Ausgaben der „Roten Fahne“. Dieser Idiot quatschte mich an, sicher wegen Shell-Parka und Springerstiefel – „ausgerechnet mit Genosse“!
Im gleichen Moment schlug ich mit voller Wucht unter seinen Arm, dadurch sich sämtliche Zeitungen hochfliegend, selbständig machten. Im Gewusel der Massen gab es viel Gelächter und entsprechende Bemerkungen. Erschrocken wollte der Zeitungsboy sich an mir sicher nur festhalten, gab ihm daraufhin ein heftigen Tritt, in den mittleren Körperbereich. Was ihn veranlasste, sich mit einer Welle die Treppen hinabzubewegen. Nach einem sehr kurzen Schreck, beobachtete ich, ob er sich nicht etwa, seine wichtigste Gräte gebrochen hatte. Mit Hilfe anderer Zeitgenossen ging´s ziemlich schnell in die Vertikale retour.
Einige verwegenen Jungs tatschten mich nun an, worauf ich vollkommen jähzornig reagierte, wie zu meinen Grundschulzeiten…
Trat wie wild herum, dass alle sofort von mir etwas abließen, letztlich in Ruhe gelassen wurde. Bahnte mir unten dann Weg in Richtung Aschinger-Haus, raucht oben dann einen Glimmer und musste feststellen, meine vorherige Aktion endete nun mit einer inneren Befreiung!
Der Streifen hatte mich doch ganz schön mitgenommen.
Einige Wochen später sah ich ihn nochmals an und registrierte, Vopos und Stasi haben mich zwar nie richtiggehend gefoltert, aber für die Verläufe ihrer tagelangen Verhöre besaßen sie schon recht witzige Einfälle, welche im Film nie richtiggehend angewendet wurden…
Obwohl ich nie annahm, dass es im Westen friedlicher abging, gerade was Aktionen betrafen, die sich irgendwie gegen das System richteten.
Wie anders es auch ging, konnte man etwas später erleben, nach Demonstrationen während der Hausbesetzerbewegung und ihren anschließenden Bambulen u.ä.
Mir fiel Meister Adorf allerdings zu vielen anderen Ereignissen positiv auf, für meine Begriffe glitt er nicht ewig in langatmige Belanglosigkeiten ab!
Ansonsten lasse ich jetzt anderen den Vortritt:
50 Jahre “Die verlorene Ehre der Katharina Blum”
“Einer der größten Schauspieler seiner Zeit”
Mit 95 Jahren gestorben: Mario Adorfs Karriere in Bildern
Mario Adorf ist tot
Abschied vom Aschingerhaus
