“Sternstunde der Mörder” entführt in das besetzte Prag 1945

Die ARD-Adaption des Romans von Pavel Kohout verbindet düstere Krimi-Spannung mit histori­schen Ereignissen und beleuchtet das Ringen um Menschlichkeit im Angesicht des NS-Terrors.
Heute erwähnte Madame, es läuft im ARD-Programm Kohouts Krimi.
Lang ist´s her, die damalige Partnerin meiner sexuellen Notgemeinschaft, jobbte in einer berühmten Berliner Buchhandlung. Brachte öfters leihweise gedruckte Werke mit, die man sehr vorsichtig lesen musste, weil sie hinterher noch verkauft wurden. Sie selber las ewig Krimis und sog. Frauenliteratur. Krimis lehnte ich ewig ab, von der anderen Sorte las ich einige Bücher lediglich quer. Will mich über die letztgenannten Schreibereien nicht weiter auslassen…
Einige Sachen las ich immer Mal von Kohout, mochte ihn, schon wegen seiner politischen Einstel­lungen! Dann fiel mir Jahre später seine Sternstunde in die Hände, obwohl eine gewisse Skepsis vor­handen war – wegen des Krimiinhaltes. Nach anderthalb Nächten war alles erledigt, mit viel Begeis­terung. Sehr interessant fand ich den anhängigen Stadtplan, denn Prag fand ich von Anbeginn sehr spannend und erkannte vieles wieder.
Erstmalig schlug ich in der ersten Juniwoche (1974) dort auf, allerdings sehr vorsichtig, weil es eigentlich nur ein Illegaler Transittrip nach dem Ösiland werden sollte.
Dann kam aber alles ganz ganz anders!


Komme zu Kohout retour.
Was er als Beschreibung im städtischen Umfeld abließ, konnte ich viel Dinge nachvollziehen. Will nur dazu kurz etwas ablassen, betrifft den Prager Untergrund.
Waren in den ´80ern mit zwei Ostber­liner Freunden, im „U Fleku“ verabredet, an einem schweinisch heißen Tag. Überall Baustellen und nirgendwo Parkplätze, kreisförmig kamen wir dem Treffpunkt immer näher. Irgendwann weigerte sich die Chauffeurin weiter zu fahren, landeten deshalb auf einem Parkplatz am gigantischen Haupt­bahnhof. Anschließend flippte die Scheffin bald aus, sie musste ewig herumkurven, aber dann ging es ewig durch Kellerräume, fast schnurgerade zu besagter Kneipe, vor allen dingen gab es dort immer eine kühle  Umgebung…
Für jene unterirdischen Begebenheiten sollte man natürlich etwas Kenntnis besitzen!

In Prag gab es Jahrhunderte immer wieder riesige Probleme mit Moldau-Hochwasser. Weiß gar nicht mehr, wie hoch z. B. der Jüdische Friedhof gewachsen ist und aus wie viel Ebenen er mitt­lerweile besteht…
Riesige Schlammassen wurden anschließend nie beseitigt, man baute hinterher lediglich weiter auf. Deshalb existieren in bestimmten Stadtvierteln mehrere Etagen an Kellerräumen. Jener dabei zwangsläufig entstandene Baustil, war den deutschen Besatzern immer ein Dorn im Auge. 1942, nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich, gab er besonders den Widerständlern viele Unterschlupf- und Fluchtmöglichkeiten.
Zum erfolgreichen Anschlag, der im Auftrag der tschechoslowakischen Exilregierung in London (1940–1945) erfolgte, muss aber noch etwas erklärt werden!
Von dort leiteten Präsident Edvard Beneš und Premierminister Jan Šrámek den Widerstand, organisierten eine Exilarmee und bereitete die Nachkriegsordnung vor, einschließlich der Pläne zur Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung!
Bei Heydrich handelte es sich um den Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) und ab September 1941. war er sogar stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren, ebenso nach Himmler, der zweit­wichtigste SS-Scherge im Reich.
Da man in London registrierte, dass leitenden tschechoslowakische Politiker und die breite Masse sich unter der Besatzungsmacht recht bequem machten, wurde die Aktion gegen Heydrich geplant!
Weil man sicher war, danach würde es einen optimalen Racheakt von deutscher Seite geben und dies geschah auch postwenden, dabei zerstörte man das Dorf Lidice!
Was später einherging mit den erwarteten Spekulationen in London, eines sich langsam entwickelten Widerstand gegen die Besatzungsmacht…

Kurz zum Film!
Fand zwei seltsame Kritiken, über die will ich mich nicht weiter auslassen!
Der Streifen hatte nicht viel mit dem Inhalt des Buches zu tun. Hat sich ja bei vielen Filmemachern schon langer irgendwie eingespielt, wenn unabsichtliche Längen auftreten, wird zwischendurch alles mit ewig nervtötenden Knutschereien und obskuren Verrenkungen gewürzt, welche  entfernt an heterosexuelle Raus- und Reinspiele erinnern sol­len…
Nach ungefähr 45 Minuten verzog ich mich, 10 Minuten später auch die Gattin.
Allein bis dahin fand ich den Streifen bereits Scheiße, da Lichtjahre von der gedruckten Handlung ent­fernt.
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