Vorgestern, Thema: Mauer – Nachtrag (II) – DEUTSCHUNTERRICHT – Herbst ’88

Jörg und Stefan, einer Maler, der andere Bildhauer aus der fränkischen Lebkuchenstadt, baten mich im Herbst ´88 eine Sight-seeing Tour betreffs Mauerma­lereien zu veranstalten. In ihrem Gefolge befand sich Robbi, ein Kollege aus Schottland.
Nichts Leichteres als dies, dachte ich mir so, aber der Künstler aus dem Vereinig­ten Königreich wollte ganz bestimmte Motive am Beton sehen und ablichten, alle sollten irgendwie eine politische Aussa­ge haben.
Was ich nicht so richtig verstehen wollte, denn die Mauer als solche war doch schon ein Politikum und schließlich konnte sich jeder, wenn er nicht Obacht gab, immer wie­der seine Birne an ihr einrennen. Schließlich waren rund 40 Kilometer Berliner Innenstadtgrenze aus Stahlbetonteilen.
Im Gegensatz zu der politisch westlichen Mauerseite, die immer schön bunt aus­sah, egal von welcher Himmelsrichtung man sie geographisch betrachtete, wurde die Rückwand in Richtung des Schlaraffenlandes der Arbeiter und Bauern in schlichtem Grau gehalten.

Wovon ich mich früher überzeugen konnte, sogar ganz nah, nur vom Stacheldraht auf Abstand gehalten. Einmal, als ich 1964 der Rolling Stones harrte, die auf dem Springerhochhaus konzertieren sollten (anlässlich des Deutschlandtreffens der FDJ), das andere Mal, einige Jahre später, fast am gleichen Ort, nahe der Stelle, wo man des verblichenen Genossen Reinhold Huhn gedachte. Nein, es ist nicht ganz korrekt, denn den Hinkelstein oder die Tafel für Reini habe ich nie zu Gesicht bekommen. Dies hatte folgende Bewandtnis: Als mein Freund Jimi und ich, uns im Sommer ´70 in besagte Richtung begaben, beide langhaarig, bärtig, bekleidet mit Parka, Jeans und Jesuslatschen, ließen uns Zivis an der Leipziger Straße nach einer ausgiebigen Ausweiskontrolle noch passieren.
Aber kurz vor unserem Ziel wurden die beiden nächsten Genossen richtig schnurrig, als auf ihre Frage, was wir hier suchten, als Antwort kam, dass uns nur die Stelle interessierte, an der Hühnchen von bewaffneten Schergen, im Auftrag der CIA gemeuchelt wurde.
„So sehen sie schon aus! Wenn sie nicht augenblicklich von hier verschwinden, sorgen wir dafür, dass sie dieses Wochenende sehr beengt in Berlin verbringen werden!”
Wir trollten uns in Richtung Brandenburger Tor und trafen dort auf eine Gruppe junger Wessi-Mädels, die auf Bänken Unter den Linden hockten und eifrig Ansichtskarten schrieben, die teilweise aus dem anderen Teil Berlins stammten.
In wenigen Minuten zerbrach deren Hintertupfinger Weltbild, nachdem wir mit Hilfe unserer Ausweise belegten, dass sie Zonis vor sich sahen. Sofort erklärten sie sich bereit, Jimi und mir eine kleine Bitte zu erfüllen.
Auf einer abgeluchsten Ansichtskarte schrieben wir einen ganz und gar unverfänglichen längeren Gruß an unseren Kumpel Ali in Sangerhausen. Die Karte sollte dann in Westberlin frankiert und abgeschickt werden, was auch geschah. Nun hatten wir beiden noch zwei Wochen Urlaub, während der wir uns an der Ostsee rum trieben.
So viele dumme Gesichter habe ich auch später nicht noch einmal zu Gesicht bekommen, als wir nach 14 Tagen wieder auftauchten.
– Nebenbei möchte ich noch auf einen kleinen Gegensatz zum Westen aufmerksam machen. Der Bundi als solcher kannte nur diese gewöhnlichen Freudenfeste, wenn Besuch auftauchte. Während meiner Zeit als Zonenhippie habe ich an so mancher Orgie teilgenommen – Feten, gemischt aus Freude, Trauer und Wut, wenn es wieder einem Freund gelungen war, durch den Zaun auf die andere Seite zu gelangen…

Nur am Potsdamer Platz, nach Osten hin, auf einer riesigen Grünfläche war es anders. Im so genannten Niemandsland auf gepflegtem Rasen, da herrschte reges Kleintierleben. Massen an Vögeln menschelten da herum, auch Hasen.
Nur die Hunde des Grenzkommandos schienen es nicht ganz so passabel zu gehen. Obwohl sie, so nah am Klassenfeind, an wesentlich längeren Leinen gehalten wurden als der gemeine Ossi etwas weiter hinten.
Ansonsten sah es hinter der Mauer schon recht trostlos aus, obwohl die Grenzer sich immer sehr viel Mühe gaben, den herbizidhaltigen Boden sehr korrekt zu eg­gen. Wovon sich jeder Politspanner immer wieder überzeugen konnte, wenn er ei­nen dieser vielen hölzernen Aussichtsplattformen erklomm, allerdings in den Coca-Cola-Sektoren.
Einen großen Nachteil haftete diesem, mit bäuerlicher Akribie bewirtschafteten Streifen Land auf dem Boden unsrer Deutschn Demokatschen Replik an, denn zum Schutz seiner Einwohner flogen dort öfters dicht und sehr tief kleine Bleiteil­chen mit einer großen VO umher.
Aber die Westberliner brauchten keine Angst zu haben, schließlich stand die Be­tonwand zu Ihrer Sicherheit da, wenn sie auf der anderen Seite Hasenjagden auf Zweibeiner abhielten.
Bedenklich fand ich nur die mehrfachen Auftritte dieses rüstigen Pensionärs aus Amiland, der mit einem Vorschlaghammer versuchte, unseren schönen Schutz­wall zu deformieren.
Gott sei Dank sah er durch ostdeutsche Hilfe schon bald sein schändliches Trei­ben ein oder er vermisste während seiner kurzen Knastaufenthalte Wopper und Cola.
War mir alles aber auch Scheißegal.

Bei allem politischen Masochismus, der nicht nur mir anhaftete, nämlich nach dem Frei­kauf in Westberlin zu leben, gewann ich der Mauer auch etwas Gutes ab. Lebte ich doch in der Gewissheit, dass sie mir für den Rest meines Lebens jene Leute vom Hals hielt, die mir schon seit Kindheitstagen auf meine Steine gingen und wegen denen ich abgehauen bin.
Ich wollte aber nicht nur wegen der politischen Verhältnisse weg, die mich schon seit meiner Kindheit im Teilelternhaus ankotzten. Schlimmer gestaltete sich im Laufe der Zeit die Tatsache, dass sich immer mehr alte Freunde in Nischen zu­rückzogen. Schließlich einen Kompromiss an den anderen reihten, wie auf einer Perlenkette und letztendlich oft, wie bei ihren Alten erfahren, alles nur dann noch bunt sahen, wenn sie sich mit der flüssigen Volksdroge bis über den Hals zuknallten.
Eins muss ich über den innerdeutschen Zaun im Allgemeinen noch ablassen.
Ich empfand immer wieder, wenn ich der Grenze im Harz ansichtig wurde, dass sie wie eine breite Narbe durch das Grün schlängelte, was mir bis zu meinem 12ten Lebensjahr schnuppe war. Hingegen hatte die Berliner Grenze schon zu meinen Grundschulzeiten immer einen anderen Stellenwert, denn nie konnte ich ihr etwas als Antifaschistischen Schutzwall abgewin­nen, sie war für mich bis zum Schluss das, was sie im ureigenen Sinn darstellte – einfach eine Mauer!
Mir graut bei dem Gedanken, wenn ich so zurückdenke an die Tage, die insgesamt zusammenkämen, als noch ewig irgendwelche Flachzagen, die es alle nur gut mit mir meinten, versuchten, mich von meinem falschen Weg der politischen Betrachtungsweise abzubringen, allen voran die Mutter meiner Schwester. Brrrr….
Freilich war meine Ausdrucksweise in den letzten 25 Jahren nicht mehr ganz korrekt. Denn seit dieser Zeit bestand die Mauer schon lange aus riesigen, Betongegossenen Stellwänden, die sich beliebig mit Kränen versetzen ließen. Zudem immer ausgeklügelter gestylt, sodass Fluchtversuche immer schwieriger wur­den.

Meinen farbigen Schutzschild wollte nun ein friedlich in den Highlands aufgewach­sener junger Mensch unter politischen Aspekten betrachten, warum nicht. Der eigentliche Grund seines Aufenthaltes in Berlin war jener, dass er ein Stipendi­um ergattert hatte, um am Goethe-Institut Deutsch zu lernen – und dann geriet die­ser arme Kerl durch Zufall ausgerechnet an mich.
Mit Fotos machen war an diesem Nachmittag auch nichts, da es sehr schnell dunkel wurde, und teilweise wie aus Eimern zu schütten begann. Alle hart im Neh­men, gings zuerst Richtung SO 36 zum Betanien-Damm. Immer mal wieder rein in die Karre, wieder ran an die Mauer, über die Koch- und von der Wilhelmstraße dann per pedes zum Potsdamer Platz.
Schon zu Beginn der Tour registrierte unser ausländischer Gast zwischendurch immer wieder einzelne Hakenkreuze und SS-Runen. Mir sind sie die ganzen Jahre nie so richtig bewusst geworden, sicher so ´n allgemeine Betriebsblindheit, die sich schleichend breit macht, außerdem gab es ja sehr häufig Tapetenwechsel am Beton.
Einmal darauf aufmerksam gemacht, gaben wir alle Obacht auf diese Zeichen, sie traten manchmal gehäufter, oft gar nicht auf. Trotzdem bestand unser Freund auf eine Begründung, wieso anscheinend niemand Interesse bekundete, sie zu beseitigen. Mit meiner Erklärung, dass die ersten Meter vor der Mauer schon zum Osten gehörten, ergo alle Wallpainter Grenzverletzer seien, konnte er nichts anfangen.

Außerdem haben es die Grepos jahrelang drauf gehabt, alle paar Monate den Beton auf der Westseite zu weißeln. Was innerhalb kürzester Zeit zu einer andersartigen Bemalung führte. Ab den Achtzigern waren die uniformierten Fassaden-Picassos nicht mehr so emsig mit dem Pinseln zur Hand. Meine Vermutung lief darauf hinaus, wegen der anstehenden 750-Jahrfeier Berlins schien die Farbe knapp zu werden.
Eine mich sehr beeindruckende Aufschrift verzapften Leute in den Achtzigern, nach einer östlichen Rekonstruktionsmaßnahme. Allerdings musste für diese Aktion der Landwehrkanal im südöstlichen K-Berg in Richtung Treptow überquert werden, um auf die Ostseite zu gelangen. An den nun dreispurigen Autobahnteilen, gleich am anderen Kanalufer, konnte man kurz vor einer Berliner Wahl, in ca. 2 Meter hoher schwarzer Schrift, auf grellem Weiß, kilometerweit lesen:
HARALD JUHNKE FOR PRESIDENT !
Schade, dass es mit Uns-Harald damals nicht klappte – wäre ja auch gewesen, wie leere Pfandflaschen vor die Säue schmeißen.

Jedenfalls entwickelte sich unter uns eine Diskussion, die sich vom Ansatz her als sehr schwierig herausstellte, denn Robbi bestand darauf, dass wir sie in Deutsch führten. Es fing mit dem Urschleim an – dem Demokratieverständnis! Was bekanntlich, die in UK gepachtet haben, seit man in grauer Vorzeit Anleihen aus dem alten Griechenland nahm. Auf meinen Einwand, dass sich die Situation immer noch irgendwie ähnelt, früher Sklavenhalterstaat, heute nur alles etwas menschlicher verschoben, ging der Gentleman nicht ein. Trotzdem erinnerten ihn die vielfältigen politischen Wall-Interpretationen an Speakers Corner in Hyde Park – bei so viel Demokratie stieg ich aus!
Zog ein Hörnchen ein und fand anschließend das Lauschen mehr als lustig, was auch daran lag, dass sich die meisten bildenden Künstler sowieso in meiner Schublade der extremen Mitte tummelten, dem liberalen sowohl-als-auch. Nur bei Jörg gestaltete sich alles etwas anders, denn er war schon seit Jahren als Nichtgenosse, gut do­tierter Hofmaler der Nürnberger SPD und fing nun an, sich zu e´chauffieren. Nach ge­raumer Zeit einigten sich die drei darauf, dass Mauermalerei schon so etwas, wie demokratische Ausdrucksweise sei. SS-Runen, Hakenkreuze und anderer rechter Scheiß, nur Randerscheinungen darstellten!
Also wurde dem Schotten klarge­macht, was unter Randerscheinungen zu verstehen sei!
Allerdings ist das deutsche Demokratieverständnis absolut nicht auf Great Britain zu übertragen, denn Bob brachte immer wieder alles durcheinander. Selbstre­dend lernte er auf unserer Tour das Wort Randerscheinungen akzentfrei auszu­sprechen. Schließlich fand er ja auch hinreichend Anlässe, dieses Wort zu üben…
Schließlich trieb es unser Gast auf die Spitze. Als er einfließen ließ, wenn man in Berlin eingemauert sei und ringsherum diese Randerscheinungen finden konnte, müsste man eigentlich einen ganz anderen Begriff dafür benutzen und er wüsste einen…
Darauf wurde nicht mehr eingegangen, außerdem hatte er ja eine beliebte deut­sche Vokabel perfekt gelernt.
Total durchgefroren ging es zum Auto zurück und ich sollte mir eine typische Berliner Pinte zum Aufwärmen einfallen lassen. Von Robbi kam eine wage Be­schreibung einer solchen Institution, offensichtlich meinte er Leydicke in der Man­steinstraße, also dorthin.
Da es draußen Mistgabeln schiffte, sprangen wir gleichzeitig in die fast leere Kneipe. Während der Orientierungsphase fing ich an, meine angelaufene Brille trocken zu reiben, noch nicht fertig damit, setzte ich sie aber gleich wieder auf. Denn wir be­kamen mit, dass vom Stammtisch, der vor dem 5 bis 8 Meter entfernten Tresen stand, ein Typ aufgesprungen war, der uns in schwankendem Stechschritt entge­gentorkelte.
Dabei riss er beim Schritt mit dem rechten Bein gleichzeitig seinen Arm mit hoch und brüllte rhythmisch, „Sieg Heil, Sieg Heil!”
Kurz vor uns drehte er zackig bei, um ebenso retour zu marschieren. Seine beiden Kum­pane konnten sich nicht einholen, klopften auf ihre Schenkel, während ihnen vor Lachen Tränen in die Augen schossen, vermutlich wegen unserer verdutzten Gesichter.
Im selben Moment packte der Zapfer den Typen am Schlafittchen und bugsierte ihn raus.
„…Wat soll denn der Scheiß… icke wollte doch nur een Spaß machen… lass mir doch los…”
„Solche Späße kannst du sonst wo veranstalten, aber nicht hier! Solche Gäste habe ich gerne, schon besoffen hier auftauchen und dann so etwas… Ich will dich hier nie wieder sehen!”
Seine Kumpels ergriffen Partei für ihn und fingen an zu maulen. Was den Zapfer aber nur zu der Bemerkung veranlasste: „Entweder, ihr haltet eure Klappe oder ihr verschwin­det auch!”
Der weitere Drang nach Alk siegte über den Anflug von Solidarität, schmollend nah­men die Stammtischzecher wieder Platz.
Dies alles ging in einer rasanten Geschwindigkeit vonstatten.
Noch während wir uns erstaunt genseitig anschauten, kam von Robbi…
„Ihr braucht nicht spre­chen!
Ich verstehe!
R a n d e r s c h e i n u n g !”

Hier höre ich auf!
Denn was an unserem Tisch anschließend abging, wäre eine andere Geschichte.
Wobei man sich sicher denken kann, wie sie ausging.
Allein die Tatsache, dass sich ein extremer SPD-Sympatisant seinen Anteil am Klassenkampf in Schecks vergüten lässt, ist die eine Seite.
Seine Meinung, dass sich das mit den Rechten schon totlaufen würde, die andere!
Aber diese Ansicht gab es nicht nur bei den Sozis schon mal…

Gestern, Thema: Mauer/Nachtrag – HUNDESCHEISSHAUFEN IN BERLIN – ERINNERN MANCHMAL AN SACHERTORTEN

Was Alfred Polgar vor rund 80 Jahren abließ,
kann ich leicht nachvollziehen –
Die Fremde ist nicht Heimat geworden.
Aber die Heimat Fremde.“

Im Restreich Deutscher Nation Ost, befand sich ab 1945, auf 13° 24′ 36″ östlicher Länge und 52° 31′ 12″ nördlicher Breite, eine politische Insel.
In Teheran und Jalta von der kurzzeitigen Anti-Hitler-Zweck-Kriegs-Gemein­schaft USA, Großbritannien und Sowjetunion gegen Nazideutschland vorbereitet – besiegelt im Sommer 1945 in Potsdam, an einem korrekten Runden Tisch des Schlosses Cecileinhof. So richtig ist mir nie klar geworden, warum anschließend Frankreich auch ein relativ großes Stück vom Kuchen Berlin und dem Reich bekam. Aber dies war einmal Politik, ist nun Geschichte und hat außer den Franzosen eigentlich nie jemanden interessiert.
Da politische Entscheidungen oft mit Eitelkeiten zu tun haben, ferner beeinflusst werden durch eingebildete Kränkungen, wobei besonders Großmächte anfällig sind, taten sich die westlichen Besatzer auch im zerstörten Marktflecken Berlin sehr schnell zusammen – nun als Koalition gegen ihren einstigen Verbündeten aus dem Osten. Infolgedessen entstanden die so genannten „Westsektoren“, auf einer Fläche von über 400 Quadrat km, mit über zwei Millionen Einwohnern. „Der kapitalistische Coca-Cola-Sektor“, wie es damals manch „witziger“ Politiker aus dem illegalen, sowjetzonalen Regierungssitz in Pankow, kurz und knapp formulierte.
Durch ein Missgeschick vom Klapperstorch in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) abgeworfen, lernte ich später in den dortigen Schulen, dass man diese „imperialistischen Sektoren“ mit einem Pfahl im Körper „unser Deutschn Demo­kratschn Replik“ vergleichen konnte.
Möglicherweise resultiert aus dieser Metapher mein eigentlich, kindliches Trau­ma. Weshalb ich auch immer tiefer in „westlich/dekadente Anschauungen “ abglitt, und meine Phantasien dabei recht weit ins Kraut schossen. In der Umgebung Aufgeschnapptes und der Ire Bram Stoker übten infolgedessen, einen nicht geringen Einfluss auf mich aus. Als großer Fan von ihm war mir schließlich bekannt, dass nur mit Hilfe eines etwas größeren Zahnstochers die Möglichkeit bestand, das schändliche Treiben eines Vampirs zu beenden. Indem der nach Knoblauch stinkender Held, Kreuze schlagend, jenem blutgierigen Wicht dieses angespitzte Holz in sein Herz, oder was sich sonst dort befand, hineinrammte.
Hat ziemlich lange gedauert, bis dieser politische Pfahl zum Schluss die erhoffte Wirkung zeigte…
Es nützte nicht viel, dass Dachdecker, Tischler oder sonst was für Hilfsarbeiter mit rasantem politischen Aufstieg in der Zone, alle Wundränder dieser großen ideologischen Verletzung immer wieder mit Unmengen von Stacheldraht flickten. So en passant wurden die Massen auf beiden Seiten von jedem und allen auch noch verscheißert. Aber ausnahmslos konnte jedermann, wenn er es nur wollte, mit seinen Komplexen und Macken hausieren gehen und sie beharrlich auf Kosten der Allgemeinheit ausleben, auf seine spezielle und bekloppte Art. Das galt für Ost und West, von unten nach oben und zurück. Dieses merkwürdige Lebensgefühl wurde gemäß der Verfassung des jeweiligen Landes „demokratisch“ garantiert und entsprechend interpretiert.
Eines Tages (Ich glaube es begann am 13. August 1961) rammten uniformierte Handwerker im Osten, wohlgeformte Autobahnteile zum Trocknen in den märkischen Sand. Gott sei Dank, vom Westen aus betrachtet, vor den kunstvoll geknüpften Stacheldraht. Von fast 100 englischen Landmeilen Sektorengrenze, waren Innerstädtisch, ungefähr 40 km aus Beton.
Allerdings habe ich so manches Mal dieses drahtige Makramee, von einer Plattform aus bewundert. Man muss es ihnen lassen, sie haben sich immer sehr viel Mühe gegeben. Besonders wenn nach gewisser Zeit, 101%-ige Genossen auf westlicher Seite, von einem durchschnittlich, gerade mal 2 Meter breiten Streifen DDR-Staatsgebiet aus, der Wand ein gleißendes Weiß verpassten. Anschließend, das frisch gestrichene Mauerwerk kurz an ein erstarrtes Leichentuch erinnerte. Diese perfekte Grundierung war immer sofort Basis für teilweise durchgeknallte Happenings.
Zu einer Zeit, als die Ruine vom „Haus Vaterland“ noch auf dem Potsdamer Platz stand und dort an das „Tempodrom“ noch nicht zu denken war, befand ich mich stoned in einem Rudel, das nächtens die Mauer illuminierte. Ganz simpel, Mollies hergestellt aus Flaschen einer Feinkost-ALDI-Biersorte. Diese Teile lagen richtig geil in der Hand. Es würde zu weit führen, wenn ich mich hier über die unterschiedlichsten Flammenarten auslassen würde, die bei den mannigfaltigsten Wurftechniken entstanden, es war einfach genial… (Scheinbar in weiser Voraussicht wurde dem Beton deshalb Unmengen von Asbest zugesetzt.)
Fast eine halbe Stunde dauerte es, bis alle möglichen westlichen Uniformträger unser pyromanisches Treiben ruckartig beendeten, angeführt von englischer Militärpolizei. Denn Westberliner Polizei durfte unmittelbar vor der Mauer keine Maßnahmen ergreifen, sie betätigten sich bis zum Schluss nur als Büttel der Alliierten.
An einen schizophrenen Aufruf des DGBs, kurz nach dem Mauerbau, möchte ich hier auch noch erinnern: „Wer im Westen mit der Ostzonalen S-Bahn fährt, der finanziert Ulbrichts Stacheldraht“. Vielleicht war es wirklich nur die Unwissenheit der Gewerkschaftsfunktionäre, denn jener Spruch war nicht koscher. Schließ­lich tat jeder Bahnfahrer damals etwas für die Erhaltung von Arbeitsplätzen in den Stahlwerken von NRW.
Zu meinen Ostzeiten raffte ich es nie, wenn mir gegenüber irgendwelche Flachzangen abließen, der „Antifaschistische Schutzwall“ sei auch zu „meiner Sicherheit“ errichtet worden. Erst nach meiner Übersiedlung – in Westberlin habe ich geschnallt was damit gemeint war – aber scheinbar wieder alles falsch verstanden. Von der westlichen Seite gab dieser Spruch mir plötzlich einen Sinn. Die Floskel stimmte. Richtig, zu meinem Schutz! Die Mauer hielt mir jahrelang die Leute vom Hals, wegen denen ich als Ableger eines Stalinistischen Rotkäppchens schon mit 14 Jahren das erste Mal versuchte in den West zu gelangen. Nur gut, dass ich es elf Jahre später nochmals probierte. Denn dadurch war es mir vergönnt, von den 10043 Tagen Trocknungszeit der senkrecht stehenden Zonen-Autobahn, wenigstens die letzten rund 700 Wochen, vom 23. Oktober 1975 bis zum 9. November 1989, auf der bunten Seite jener Betonplatten, in der drittgrößten türkischen Stadt (Was würde Jan Sobieski heute dazu sagen?) den absterbenden Kapitalismus zu genießen.
Es war ein langsamer, aber ein sehr schöner Tod – der bedauerlicherweise abrupt beendet wurde…
auch durch solche Nasen aus der „Heldenstadt“ Leipzig, die mir Mauer und Zaun auf Distanz hielten. Jene, die dann montags durch die Strassen torkelten, irgendwelchen Blödsinn krähten und sich an riesige Transparente klammerten. Auf einer dieser mobilen Schlagagitation hatten ehemalige Genossen folgenden Spruch gepinselt, den ich bezeichnend fand! Zu dem mir allerdings nichts mehr einfiel, der da lautete: „Lieber Helmut nimm uns an die Hand und führ uns in Dein Wirtschaftswunderland.“
Zugegeben, in jener Zeit gab es schon überall sehr breite Schneisen die bei ALDI führten…

Heute vor …

Zumindest auf den Führungsebenen in Amiland und der Sowjetunion, war dieser länger anhaltende Maurereinsatz abgekaspert. Die sowjetzonalen Lakaien aus Pankow, unter Ulbrichts Führung, ließen Taten folgen. Am Sonntag, den 13. August ´61, begannen Hochleistungshandwerksarbeiten in Berlin und der Interzonengrenze…
Vier Jahre später, während meiner zehnten Klasse, vernahm ich folgenden Witz:
– Ein junger Westberliner hängt über der Mauer und beobachtet auf dem Grenzstreifen einen bewaffneten Hundeführer, der Streife läuft.
Nach geraumer Zeit seine Frage: „ Ehh, sach mal, wat hast du da für´ n Schwein an der Leine?“
Der Ostler reagierte nicht.
„Ehh, Keule! Verstehst da mir nich? Icke hab dir wat jefraacht!“
Etwas später: „Ehh, kannst´e mir nich antworten?“
Keine Reaktion von der anderen Seite.
„Ehh, hörst´e nich? Mann, mach dein Maul auf! Wat hast du da für ein Schwein an deina Leine?“
Endlich reagiert der Soldat genervt: „ Mach deine Ochen off! Siehs d´e nich, das is een Deudscher Schäwerhund!“
Kommt von hüben: „Halt da Schnauze Männeken! Icke hatte dir doch jar nich jefraacht!“

12.8.o8/2o:15 – 21:oo/27oo sec. – rbb

Nach dem Blick auf meinen hängenden Wandschätzwecker, mussten die „Nachrichten“ in der Verdummungslaterne dem Ende zugehen. Seit zwei Tagen schon blieb das Teil aus. Wenn sie wenigstens mal zeigen würden, wenn irgendwo in Peking ein Reissack umkippt, das würde mich schon interessieren…
Laut Radio, soll ja die weiter westlich stattfindende Ersatzolympiade schon wieder beendet sein. Kam ja auch nicht so prickelnd rüber. Eigentlich ganz schön langweilig, so´n technisch aufgemotzter Killerbiathlon. Wenn sie wenigstens farblich verschiedene Dresse tragen würden, aber nein – alles latscht und kurvt in dezentem Ernstfallgrün rum, gleiche Helme, gleiche Fahrzeuge, identisch hassverzerrte Gesichter bei allen Beteiligten. Wer sind denn nun die Guten – wo bleibt ein neuer Djugaschwili? – der Kreml-Napoleon ist doch fad!
Was sich auch nie ändern wird, sind die Betroffenheitslarven aller Politiker unseres Planeten – richtig langweilig – da glotzt ein Schwarzer mit der gleichen, gestanzten Mine wie ein Weißbrot, oder ein Gelber, oder Grüner in die Kamera. Nur gut, dass ich bei diesem Babylonischen Sprachgewirr nur Promille dieses inflationären Bestürzungspalavers verstehe. Wird sich auch nichts geändert haben, beim Angriff auf Karthago werden sie bestimmt den gleichen Scheiß abgelassen haben… Weiterlesen

endlicH olympiA

Heute, 14 Uhr MESZ, wird in Rotchina dieses unsägliche Dilemma mit einer Bambule zum Abschuss freigegeben, dass Adolf der Gütige vor Neid im Grab, wie ein Propeller seiner JU 52 rotieren wird, und Speers Flakscheinwerferorgien nur noch an müde flackernde Glühwürmchen erinnern werden.
Monatelange Hurereien um Menschenrechte sind vergessen, alles trifft sich im „Reich des Bösen“ zum trauten Ringelpiez. Demokraten, Diktatoren, Geschäftsleute, Gangster, zahlende Unbedarfte, „Sportfans“, Langeweiler, Promis, Dummschwätzer aller Couleur und der Medien, Kiffer, Kokser, Junkies und dopende Werbeträger des Sports…
Vielleicht handeln tunlichst die Götter während dieser kranken Konsumfete. Es liegt in ihren Händen, ich denke dabei an Taifune, Sandstürme aus der inneren Mongolei, Erdbeben, Wolkenbrüche, Hagel in Golfballgröße und…

Das folgende Bild erhielt ich mal per E-mil, mir ist deshalb der Urheber unbekannt.

Wo man hinschaut, überall hemmungslose Gierkröten

Allerorten haben sie es endlich geschafft, sind auf ihren Kriechtouren durch die Institutionen oben angelangt. Viele Kleingeister darunter, die vergessen haben, dass sie als Halbwüchsige Kitt aus den Fenstern gefressen haben, was sie seit Jahren erfolgreich kompensieren. In trauter Gemeinschaft mit Paragraphenzecken, die ähnlichen Verhältnissen entstammen, wird alles auf Deubel komm raus, medienträchtig nach dem schnöden Mammon abgeklopft, von Arschgeigen, die mit ihrer Gesinnung Lebensqualität dauerhaft zerstören. Mittlerweile nimmt diese Mentalität krankhafte Züge an, allerdings immer schön politisch korrekt verpackt…
Da wird eine Eisbärennummer zum Millionenpoker (Sicher taucht demnächst auch ein teures Pornovideo für Sodomisten auf, die sich dann einen runterholen können, beim Anblick vom rammelnden Meister Petz.).

Alles nur Peanuts, denn schon dräut am Firmament ein Geschäft ungeahnten Ausmaßes, siehe: KULTURZEIT vom 23.7. – Streit um Panoramafreiheit

Noch was lustiges aus Wilmersburg, wer kein Rüstung hat, der malt sich eine.

© eDe 2008

Brigitte Reimann

Wenn sich Brigitte nicht vor 35 Jahren für immer verabschiedet hätte, könnte sie heute ihren 76sten Geburtstag begehen.

In einigen Kreisen, in denen ich damals verkehrte, war sie zwar bekannt, aber wegen ihrer Euphorie in Richtung Sozialismus nicht wohlgelitten. Ähnlich drauf war eine Wessibraut (seinerzeit in violetter Latzhose und mit fettigen Haaren), die mir Ende der siebziger „Franziska Linkerhand“ empfahl und es fast ungelesen zurückbekam.
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Zonennostalgie auf mehreren Seiten

Mehrere Seiten für Leute, welche von unbändiger ZonenNostalgie geplagt werden.
Auf einer befindet sich ein Test, habe ihn fehlerfrei bestanden, obwohl ich zum Schluss, das erste Schlaraffenland der Arbeiter und Bauern abgrundtief verachtete.  Außerdem bereits seit dem 23. Oktober 1975 (Ausgerechnet am Geburtsttag der Mutter meiner Schweste.) durch den Sumpf des absterbenden Kapitalismus wate…
Dazu fielen mir zwei kurze Geschichten ein. Weiterlesen