Archiv für den Tag: 19. Dezember 2016

„Etwas ganz furchtbares geschah heute im Herzen* von Berlin…“

Nichts ahnend schaltete ich gegen halb 10 die Glotze an, auf rbb lief der Rest eines älteren Tatort-Schmarrens mit Axel Prahl. Plötzlich schnurrte ein rotes Infoband am unteren Rand entlang, für mich unlesbar, weil wir so ein griesiges Bild haben. Nach wenigen Minuten wiederholte sich alles, stand schließlich auf und entdeckte dort eine Panikmeldung mit Quotenstatistik: 9 Tote und 50 Verletzte. Immer schön eins nach dem anderen, die Toten laufen nicht mehr weg, außerdem war alles in sicherer Entfernung abgelaufen.
Ging anschließend in die Küche zum Rauchen.
Wieder vor dem Verblödungsmöbel mit den beweglichen Bildern, begann ich von von der 1 – ARD, über ZDF, rbb, 3SAT, Arte, N24, phoenix nach n-tv durchzuzappen. Von den acht Stationen hatte sich, außer 3SAT und Arte, sechs auf das Quotenereignis eingeschossen. Auf rbb war Katastrophen-Heinz, Herr Zelle richtig traurig, dass er lediglich in seine Kommunikationsprothese plappern konnte.Wie der Mann singt, so informativ empfinde ich oft seine Berichte vor Ort.
Sämtliche Fernsehstationen spielten natürlich mit teilweise chaotischen Hin-und-her-Liveschaltungen. Irgendwo ließ die Moderatorin sogar entscheidende Fakten ab, bei dem Tatfahrzeug handelte es sich um einen großen schwarzen Lkw. Etwa ein 30 oder 40-Tonner, neun Toten(?) und 50 Verletzten(?) vielleicht nur ein Pik-up?
Hastete schließlich wenige Minuten auf allen Desinformationskanälen herum. Irgendwann blieb ich bei einer Schmonzette mit Kirk Dougles hängen, schaltete aber dann und wann immer mal wieder kurz auf einen der Sender mit ihren dauerhaften Quotenfrontberichten, alle sielten sich immer noch im Dunstkreis hohler Spekulationen. Zwischendurch Einblendungen mit wichtigtuerischen Berufszeugen, „ich bin Zeuge, um was geht es hier?“
Was mich wunderte – keine Werbeeinblendungen mittendrin und dies zu jenem Anlass, wo sich garantiert massenhaft sonstige Live-Gaffer vor ihren HDTV-Heimkinos einen runter holten…
Weiß nicht mehr wo, aber auf irgendeinem Sender plötzlich UNSER Oberdorfschulze, der war natürlich bestürzt, entsetzt, fassungslos, konsterniert oder sonst was, glaube er benutzte einführend die abgedroschene Betroffenheitsfloskel: bestürzt. Dabei dachte ich immer, auf selbige Vokabel haben die Medien ein Copyright, weil sie mehr angewendet wird, wenn sich Politiker irgendwo im endlosen Cocktail-Smalltalk z.B. über Aleppo plauschend ergehen.
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